Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

mit kind in der großstadt - meinefamilie.at
11. September 2018

Kinder auf die Herausforderung der (Groß)stadt vorbereiten


Das Leben am Land und somit in der grünen Idylle hat zweifelsfrei Vorzüge. Vor allem glauben Eltern dort weniger Angst um ihre Kinder haben zu müssen. Doch was, wenn dieser Mythos gar nicht stimmt und was, wenn ein Leben am Land für eine Familie aus einer Vielzahl an Gründen gar nicht in Frage kommt?

Ja, die Kinder sind noch keine zehn Jahre alt. Aber stellt man sich nicht jetzt schon vor, wie es sein wird, wenn sie später mit Freundinnen um die Häuser der Stadt zieht? Meiner Meinung nach tut das fast jeder Vater und jede Mutter. Und man sollte es auch tun, denn so entgeht man übertriebenem Alarmismus.

Kann man sie lehren, wie sie Menschen, die ihnen guttun von Menschen, die ihnen schaden wollen unterscheiden?

Städte sind meist wunderbare und wundersame Orte. Es sind Orte der Bildung, der Universitäten. Später, so hofft man, werden die eigenen Kinder diese Vorzüge zu schätzen wissen. Sie werden studieren, Lesungen und Konzerte besuchen und sich sukzessive zu Feinschmeckern entwickeln, die nicht nur auf kulinarischer Ebene gut von schlecht unterscheiden können.

Doch genau bei diesen Unterscheidungen wird die Sache komplex. Kann man den Kindern tatsächlich so einfach die „Unterscheidung der Geister“ beibringen? Kann man sie lehren, wie sie Menschen, die ihnen guttun von Menschen, die ihnen schaden wollen unterscheiden? Zeitgleich will man seine Kinder auch nicht davon fernhalten, ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Besserwisserisch will man schon gar nicht sein.

Nicht Tipps, sondern Kategorien mit auf den Weg geben

Soviel vorweg: Mit zwar gut gemeinten Tipps und Ratschlägen wird man vermutlich den vernünftigen Weg in die Stadt nicht ebnen. Denn die Stadt, von der unsere Kinder reden werden, ist nicht ident mit der Stadt, wie wir sie kennen. Sie werden in Zukunft womöglich Zutritte zu Freundeskreisen, zu Clubs und zu einer Jugendsprache haben, die wir nicht mehr verstehen. Die Stadt definiert sich schließlich nicht durch die Sehenswürdigkeiten und die Vergangenheit, sondern durch seine sich stetig wandelnde Realität der Szenen und der Lokale.

Man kann kritisches Bewusstsein mit auf den Weg geben.

Man käme also nur allzu schnell in die Falle des Altbacken-Seins. Kinder sind findig und merken nur allzu schnell, wenn die Eltern nicht mehr am Puls der Zeit sind und von Dingen sprechen, die sie nicht (mehr) verstehen. Es ist ebenso wenig sinnvoll aus seiner eigenen Ausgeherfahrung Tipps und Tricks abzuleiten wie die schreckliche Rap-Musik der Gegenwart zu kritisieren und stattdessen die Musik der 70er-Jahre hochzuhalten.

Aber eines geht: Man kann, obwohl auch das ein wenig altbacken klingt, Werte mitgeben. Man kann an die Vernunft appellieren. Man kann Offenheit genauso mit auf den Weg geben wie gesunde Distanz und kritisches Bewusstsein. Das sind letzten Endes Haltungen, die sich auf fast jedes kulturelle Phänomen, auf jede Person und auf jede „Verführung“ einer Großstadt anwenden lassen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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