Henny Lang

Henny Lang "Mein Tagebuch"

kein angst vorm hund - meinefamilie.at
2. Februar 2019

Keine Angst vorm großen Hund!


In unserer Nachbarschaft wimmelt es von Hunden. Die meisten benehmen sich gut, sind erzogen, springen einen nicht an, kläffen nicht ständig und gehen bei Fuß auch ohne Leine.

Grundsätzlich lieben wir in unserer Familie Hunde, kleine wie große. Nur meine 7-jährige Tochter macht automatisch um jeden Hund einen großen Bogen. Sie traut ihnen nicht. Wir wissen nicht, woher das kommt. Sie hatte noch nie ein schlechtes Erlebnis mit einem Vierbeiner, das Grund für die Angst hätte geben können. Aber so ganz unrecht ist mir ihre Scheu nicht. „Besser als wenn Kinder gleich jedes Hunderl umarmen und knuddeln wollen“, meint meine hundeerfahrene Tante. „Nicht jeder Hund weiß damit umzugehen. Im Zweifelsfall beißt er halt zu, wenn das Knurren nicht hilft.“

Laut Medienberichten wurden im letzten Jahr österreichweit 3.600 Hundebisse in Krankenhäusern behandelt. Kinder unter zehn Jahren seien besonders gefährdet, liest man.

Meistens passieren die Unfälle mit Hunden und Kindern im Bekanntenkreis, also mit einem Hund, den die Kinder kennen.

Wo liegt das Problem?

Das Problem ist, dass Kinder für Hunde unberechenbar sind, weil sie sich oft schneller und lauter bewegen als Erwachsene, tja, und die Körpergröße spielt natürlich auch eine Rolle. Manche Tiere verstehen dieses Verhalten dann als Aufforderung zum Spielen. Verhält sich ein Kind jedoch weder laut noch schnell, sondern ängstlich und schüchtern, kann dieses Verhalten bei manchen Hunden ebenfalls Unsicherheit hervorrufen, aber auch Neugier.

Wir müssen zwei Dinge lernen

  1. Die Signale der Hunde richtig zu deuten und
  2. unseren Kindern effektiv beizubringen, wie sie sich gegenüber einem Hund richtig verhalten müssen.

Letzteres wird den Kindern nämlich – anders als etwa das richtige Verhalten im Straßenverkehr – leider viel zu selten vermittelt.

In einer Hundebiss-Studie des VET-MAGAZIN.com lese ich: „Die Gefahr, einen Hundebiss zu erleiden, sinkt mit steigendem Alter der Kinder. 73 % der betroffenen Kinder waren zum Zeitpunkt des Unfalls unter zehn Jahre alt. Zu 28 % spielten die Kinder mit dem Hund als es zum Unfall kam, zu 14 % gingen am Hund vorbei, zu 10 % kuschelten sie mit dem Hund, zu 8 % fütterten sie ihn. In 74 % der Fälle ging dem Unfall eine Interaktion des Kindes mit dem Hund voraus.“

Ein Hund in unserer Nachbarschaft macht uns besonders viele Probleme. Auch wenn er uns mittlerweile schon gut genug kennen sollte, – wir gehen täglich mehrmals an seinem Gartentor vorbei auf dem Weg zum Bus oder zum Supermarkt – fetzt er in rasendem Tempo zum Zaun, legt die Ohren an, bellt ohrenbetäubend und fletscht wolfsähnlich die Zähne. Klar, dass nicht nur meine Kinder, sondern alle Passanten in unserer Wohnstraße vor diesem „Biest“ zurückweichen.

Richtige Verhaltensweisen

Instinktiv habe ich offenbar schon als Kind alles mit Hunden richtig gemacht. Ich verstehe, was sie mir sagen wollen, reagiere dementsprechend und hatte glücklicherweise noch nie ein Problem mit einem Hund. Und das, obwohl ich am Land aufgewachsen und eher Wach- als Schoßhunde in meiner Nähe hatte.

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So gebe ich meinen Töchtern jeden Tag, wenn „das Biest“ auf uns losschießt, folgenden Rat: „Nicht laufen, nicht zusammenzucken, seht ihm nicht in die Augen, ignoriert ihn und geht so ruhig wie möglich weiter“ in der Hoffnung, der Köter wird dann das Interesse an uns verlieren. Was auch immer gut klappt. Puh!

Aber ich werde nicht immer dabei sein, wenn meine Kinder einem Hund begegnen. Man kann sich daher vorstellen, wie froh ich war, als der Kindergarten meiner 5-jährigen Besuch von einem Rettungshund bekam. Es war ein riesiges, schwarzes Tier, das mehr Ähnlichkeit mit einem Bären als mit einem Hund hatte. Eigentlich ein Anblick zum Fürchten. Doch dieser Hund war Kinder gewöhnt. Mehr noch, sie durften alles mit ihm anstellen. Er blieb gelassen und ruhte in sich. Füttern, Pfote geben, kuscheln – alles war erlaubt. Und alle staunten, welchen Kommandos er brav folgte.

Es war ein Kurs, den ich jedem Hundebesitzer, jedem Elternteil und jedem Kind ans Herzen lege. Seitdem erklärt meine 5-jährige Tochter der 7-jährigen Schwester altklug, wie man mit einem Hund umgehen muss. Was er sagt, wenn er wedelt, was er denkt, wenn er die Ohren anlegt oder einfach, warum er schnüffelt.

Der richtige Umgang mit Hunden für Kinder – 10 Tipps

Und da nicht alle Kinder diese sensationelle Gelegenheit bekommen, an einem solchen Doggykurs teilnehmen zu dürfen, möchte ich euch das Wichtigste daraus aufschreiben, damit ihr es an eure Kinder weitergeben könnt. Zur Einführung hörten wir:

„Liebe Kinder! Hunde sind Freunde des Menschen. Aber, weil sie eben Hunde sind, sprechen sie ihre eigene Sprache. Manches, was du lustig findest, mag ein Hund vielleicht gar nicht. Wir möchten euch Tipps geben, wie ihr euch richtig verhaltet, wenn ein Hund in eurer Nähe ist…“

  • Behandle einen Hund immer so, wie du selbst gern behandelt werden möchtest!

Wenn du einem Hund weh tust oder ihn ärgerst, kann er nicht sagen: „Hör auf! Ich mag das nicht.“ Er wird dich nur anknurren oder sich mit den Zähnen wehren. Das kannst du leicht vermeiden. Spiele mit dem Hund nur so, dass es auch ihm Spaß macht.

  • Geh niemals zu einem fremden Hund, ohne vorher den Besitzer zu fragen!

Die meisten Hunde spielen sehr gerne mit Kindern. Manche haben aber auch schon schlechte Erfahrungen mit fremden Menschen gemacht. Frage daher immer vorher den Besitzer, ob der Hund es mag, wenn du zu ihm hingehst. Und stelle dich ihm langsam vor. Lass ihn dich beschnuppern.

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  • Schau niemals einem Hund starr in die Augen!

Das bedeutet nämlich für den Hund: „Schauen wir mal, wer von uns beiden der Stärkere ist!“ Da der Hund aber viel stärker und schneller ist als du, solltest du ihn nicht zum Kampf herausfordern.

  • Komm dem Hundeschwanz nicht zu nahe! Und auf keinen Fall daran ziehen oder drauftreten!

Denn ein Hund spricht mit seinem Schwanz. Wenn er zum Beispiel mit ihm wedelt, so heißt das: „Ich freue mich! Schön, dass du da bist!“ Einen Hund am Schwanz zu ziehen, ist genauso schlimm, wie einem Menschen auf den Mund zu schlagen. Sei achtsam, wenn ein Hund in der Straßenbahn auf dem Boden sitzt, du könntest leicht auf seinen Schwanz treten, ohne dass du das willst. Das tut dem Hund so weh, dass er schreit und als Reflex einfach beißen will.

  • Stör einen Hund niemals beim Fressen und versuche ja nicht, ihm sein Futter wegzunehmen!

Für den Hund ist das Fressen beinahe das Wichtigste auf der Welt. Willst du ihm sein Futter wegnehmen, wird er sehr böse. Das verstehst du sicher: Oder magst du es, wenn jemand ohne zu fragen nach deinem Essen greift? Beim Füttern gilt: kein Streicheln, kein Stören! Jede Störung beim Fressen betrachtet der Hund als Angriff auf sein Recht auf Futter.

Wenn du dem Hund sein Futter gibst, stell es hin und gehe weg. Lass ihn in Ruhe alleine fressen. Was auf dem Boden liegt, gehört dem Hund! Das betrifft alle Dinge, die vor ihm auf dem Boden liegen. Selbst wenn es dein Spielzeug ist. Warte, bis der Hund weg ist und nimm es dir dann. (Liebe Eltern, und deshalb sollte auch nie ein kleines Kind auf dem Boden liegen, wenn ein Hund da ist!

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  • Ärgere nie einen eingesperrten Hund, du könntest ihm morgen auf der Straße begegnen!

Ein Hund bewacht sein Zuhause. Er bellt, um sein Revier gegen Fremde zu verteidigen. Am besten, du beachtest ihn nicht und gehst einfach weiter

  • Versuche nicht, streitende Hunde zu trennen.

Es ist nicht immer so schlimm, wie es aussieht, wenn Hunde raufen. Oft wollen sie nur ausprobieren, wer von ihnen der Stärkere ist. Ein Mensch, der sich einmischt und eingreift, kann dabei leicht gebissen werden. Überlasse es immer den Besitzern, die Hunde zu trennen.

  • Eine ganz wichtige Regel: Lauf niemals vor einem Hund davon, auch wenn du Angst hast!

Hunde sind Jagdtiere. Wenn du vor einem Hund davon läufst, wird er versuchen, dich zu fangen. Und ganz sicher ist er schneller als du. Bleibst du aber stehen und schaust ihn nicht an, wird er dich nicht beachten. Dann bist du weder eine Gefahr noch Beutetier oder Spielgefährte für ihn.

  • Wenn dich doch mal ein Hund mit den Zähnen festhält (etwa an einem Kleidungsstück), beweg dich nicht!

Er benützt seine Zähne, um nach dir zu greifen, weil er ja keine Hände hat. Vielleicht hält er deine Hand fest, weil er Angst vor dir hat. Oder er will nicht, dass du von ihm fortgehst. Am besten hältst du still und wartest, bis er dich wieder loslässt.

  • Spiele mit einem Hund nur dann, wenn ein Erwachsener in der Nähe ist!

Erwachsene sind kräftiger als du. Für Hunde bedeutet das, der ist mir überlegen. Also spiel nur mit einem Hund, wenn du im Notfall einen Erwachsenen um Hilfe bitten kannst.

Ich möchte noch anmerken, dass dieser Rettungshundebesuch, initiiert von unserer engagierten Kindergärtnerin, von unserer Gemeinde als finanziell leider nicht förderungswürdig befunden und damit nicht ins Programm aufgenommen wurde. Für den nächsten Doggykurs werden also wir Eltern zusammenlegen. Denn so lehrreiche und nette Exkurse sind nicht bloß eine willkommene Abwechslung im Kindergarten- und Schulalltag, sondern lebensrettender Unterricht, meinen wir!

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EIN ARTIKEL VON
  • Henny Lang

    Ich bin Mutter zweier Mädchen (5 und 7 Jahre alt), lebe in Wien und arbeite seit 2001 als freie Journalistin und TV-Redakteurin. Hobbymäßig bin ich Malerin, veranstalte Vernissagen zu meinen Bildern und Bastelnachmittage mit Kindern ganz privat bei mir zuhause.


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