Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

Krise: Schritt für Schritt, Tag für Tag
3. April 2020

,,In der Krise Kraft finden“ – Schritt für Schritt, Tag für Tag


In meinem ersten Tagebucheintrag habe ich bereits über meine persönliche Lebenskrise geschrieben. In diesem Beitrag soll es nun darum gehen, wie man in Zeiten der Krise den Mut nicht verliert, und wie einem der eigene Glaube, die Kraft und Stärke verleiht, um schwierige Zeiten durchzustehen.

Ein sehr wertvoller Tipp, der übrigens auch in der Bibel steht, ist es, immer nur einen Tag auf einmal zu bewältigen.

„Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.“ (Mt 6,34)

In Krisen erscheint uns die Zukunft so ungewiss, bedrohlich und voller riesiger Berge, dass wir leicht den Mut verlieren. Aber ein Tag ist absehbar und lebbar.

Genau so habe ich die vielen unsicheren Monate vor und auch nach der Scheidung gelebt. Schritt für Schritt ließ ich mir von Gott Anweisungen geben, was nun zu tun sei, denn in all dem Durcheinander, verlor ich manchmal komplett die Übersicht. Und Er sagte mir immer genau das Richtige zum richtigen Zeitpunkt. Immer wieder ermahnte er mich, mir Pausen zu nehmen, zu verschnaufen. Eins nach dem anderen. Es war für mich unglaublich erleichternd, nicht die ganze Last allein zu tragen, nicht alles selbst unter Kontrolle haben zu müssen, sondern Ihm zu vertrauen und Tag für Tag zu folgen.

Menschen, die da sind

Was mir auch noch sehr schmerzhaft bewusst wurde in der Krise, war, dass man auf Menschen nicht bauen kann. Einige Freunde, auf die ich gezählt hatte, entfernten sich. Nur einige, sehr wenige blieben an meiner Seite, um mich zu unterstützen. Ich war für diese Menschen sehr dankbar, doch gleichzeitig auch ernüchtert, dass so viele auf Abstand gingen.

Einige wollten sicher da sein, fühlten sich aber hilflos angesichts der ganzen Sache, weil sie keine Partei ergreifen wollten. Ich suchte Rat bei meinem langjährigen Seelsorger und ließ mich eine zeitlang therapeutisch begleiten, weil sonst nicht viele da waren, mit denen ich reden konnte. So schlimm ich das damals empfand, heute bin ich dankbar für diese Erschütterung, die in meinen sozialen Beziehungen Klarheit geschaffen und mir gezeigt hat: Auf Menschen kann ich nicht bauen.

Auch das fand ich in der Bibel:

„Besser sich zu bergen beim Herrn, als zu vertrauen auf Menschen.“ (Ps 118,8)

Umso dankbarer bin ich für Gottes unerschütterlichen Beistand und gleichzeitig auch für jeden Menschen, der in der Krise da war und auch jetzt da ist. Ich kann es von niemandem fix erwarten, aber es ist ein sehr wertvolles Geschenk.

Freude und Dankbarkeit leben

Ganz wesentlich für mich ist es geworden, dankbar zu sein und mich zu freuen in allen Umständen. Dazu hab ich gleich zwei Bibelverse, die mir immer wieder in den Sinn kommen:

„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!“ (Phil.4,5)

und mein Lieblingsvers:

„Die Freude am Herrn ist meine Kraft.“ (Neh.8,10)

Ja, es ist möglich, sich zu freuen und dankbar zu sein, selbst wenn rundherum alles in Scherben liegt. Die Kraft der Freude liegt im „trotzdem„. Ich kann mich an einige Situationen erinnern, wo ich völlig fertig war und heulte. Da hatte ich den inneren Impuls, ich solle mich ans Klavier setzen und singen. Ganz das Gegenteil davon, was ich tun wollte.

Doch als ich das dann wirklich tat und unter Tränen ein Lobpreislied anstimmte, wurde ich nach und nach von solcher Kraft erfüllt, dass ich wieder Hoffnung schöpfte. Mir fielen plötzlich viele Dinge ein, für die ich dankbar sein konnte. Und je mehr ich Gott dankte, desto mehr Kraft und Freude überkam mich. Das waren unglaublich starke Momente mit Gott!

Loslassen und weiter vertrauen

Um nun auf die momentane Situation konkret Bezug zu nehmen: Auch mich betrifft die Corona-Krise ganz praktisch. Mein bisheriger Job als Kulturvermittlerin, den ich wirklich liebe, steht auf sehr wackeligen Beinen, denn momentan gibt es keine Touristen, die das Stift Melk besichtigen möchten. Ich bin also herausgefordert, auch diese Säule meines Lebens loszulassen, wie schon so viele andere Dinge in den vergangenen Monaten. Das ist teilweise gar nicht so leicht und kostet mich einiges.

Doch die Erfahrung hat mich gelehrt, dass Gott für alles sorgt und dass Er mir manchmal, wenn ich etwas Wertvolles im Leben verliere, sogar etwas noch Besseres dafür schenkt.

Alles, was ich dazu brauche, ist Vertrauen in Ihn, der alles in der Hand hat. Und Geduld. Geduld ist ja ein Ausdruck von Vertrauen. Auch wenn die nächsten Monate meines Lebens im Nebel liegen, hab ich eine innere Zuversicht, dass Gott mich mit allem versorgen wird, was ich brauche. Ja, sogar mit mehr, denn Er ist ein Gott der Überfülle.

Im Jetzt das tun, was dran ist

Es gäbe noch einige weitere wertvolle Tipps zur Bewältigung einer Krisensituation, doch ich wollte hier nur auf die Punkte eingehen, die für mich persönlich am Wichtigsten waren. Abschließend möchte ich sagen, dass mich die Krise nicht geschwächt, sondern stärker gemacht hat. Ich habe vieles an mir entdeckt, das ich gut kann und einiges gemeistert, wovon ich nicht dachte, dass ich es als alleinstehende Frau schaffen würde.

Ich habe auch gemerkt, dass ich so manches gar nicht brauche und dass ich immer Hilfe bekomme, wenn ich welche benötige, manchmal von unerwarteter Seite.

Natürlich kam und kommt die Kraft weiterzugehen von Gott, aber es braucht auch die Bereitschaft, im Hören auf Ihn die nächsten Schritte zu tun. Sehr hilfreich war es für mich zu erkennen, dass ich trotz aller Hilfsbedürftigkeit immer noch Ressourcen hatte, um auch anderen zu helfen. Ich war und bin definitiv nicht „Opfer des Schicksals“, sondern immer noch eine gesunde, tatkräftige Frau in veränderten Umständen.

Selbstmitleid bringt dich nicht weiter

Diese Sicht hat mich davor bewahrt, ins Selbstmitleid abzurutschen und den Blick immer mal wieder von mir selbst auch auf meine Umgebung zu richten. Kein Mensch lebt für sich ganz allein, auch wenn man wie ich momentan, oft tagelang ganz allein ist. Ich bin von Herzen dankbar, dass ich sowohl die erste, als auch diese zweite Krise mit der Hilfe Gottes gut überstehe und ich sogar jetzt mit meinen Erfahrungen anderen Mut machen kann.



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Niederösterreich im Erlauftal. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nach fünf Jahren Homeschooling sind nun alle vier Kinder in öffentlichen Schulen und ich bin Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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