Henny Lang

Henny Lang "Mein Tagebuch"

Ich will gerne eine Mama sein - meinefamilie.at
24. Mai 2017

Ich will wieder gerne eine Mama sein!


Weltuntergang beim Haarekämmen, filmreifer Auftritt beim Frühstück, Apokalypse beim Zähneputzen, Brüllwettbewerb beim Schuheanziehen und Tobsuchtsanfall am Weg zum Kindergarten. Guten Morgen! Willkommen in meiner Welt.

Dabei sagt man doch, die Launen eines Teenagers sind unerträglich. Na, dann kann ich mich ja schon mal auf in ein paar Jahren freuen.

Wie ich’s mach, ich mach es falsch. Ein paar Beispiele gefällig? Bitte sehr:

Das Lieblings-T-Shirt ist in der Wäsche – Drama!

Ich hätte ahnen sollen, dass Madame heute lieber vom Märchenteller gespeist hätte als aus der Minions-Schale die Cornflakes zu löffeln. – Die Schale wird vom Tisch gefegt!

Ich hab ihr beim Malbuchanmalen helfen müssen (die Betonung liegt auf MÜSSEN), hab aber leider die Blume mit der falschen angefärbt. Pech, Mama. – Dann zerreißt der Wutteufel eben ein paar Seiten, und der Rest des Malbuchs, das übrigens ganz neu ist und nicht billig war, wird mit einem fetten schwarzen Stift angeschmiert. Unbenutzbar für immer.

Ich gebe ihr auf der Straße nicht die linke sondern die rechte Hand. Ich reiche ihr beim Baden den Waschlappen der Schwester statt den ihren. Ich habe ihr nicht alle Rosinen aus dem Muffin gepickt. Ich möchte die falsche Gute-Nacht-Geschichte lesen…

Aus der Sicht der trotzigen Tochter

Die Liste meiner Fehltritte, meines Unvermögens als Mama aus Sicht meiner trotzigen Tochter ließe sich unendlich lang fortsetzen.

Und sie hat es mittlerweile an manchen Tagen schon geschafft, dass ich einfach resigniere und ihr Dinge durchgehen lasse, nur um nicht wieder schreien und schimpfen zu müssen. Ja, ich weiß. Damit zeige ich Schwäche, ich gebe nach um des lieben Friedens Willen und versage auf voller Linie nach allen Regeln der Erziehungsratgeberkunst.

Aber ich mag nicht mehr schimpfen. Ich kann nicht mehr schreien. Ich will sie nicht bestrafen. Ich will nicht mehr die Spaßbremse sein. Dafür bin ich nicht Mutter geworden!

Nein, so eine Mama wollte ich nie werden! Und jetzt sitz ich da mit einer Tafel Schokolade in der Hand, um meine letzten Nerven zu beruhigen, während der Trotzkopf in seinem Zimmer heult.

Ich will die Mamafreuden zurück, von denen ich so viel gelesen habe während der Schwangerschaft! Jetzt! Sofort! Die hat man mir versprochen! Basteln, malen, Ausflüge, lachen, trösten, kuscheln, Sandburgenbauen und so.

Stattdessen bin ich der Butler der Launen meiner Tochter.

Aber ich sage euch was. Und das wärmt mein Herz ein bisschen.

Wir gehen nie ohne Gute-Nacht-Kuss schlafen. Wie schlimm auch die Fetzen geflogen sind, es folgt immer eine Umarmung und der Satz: „Ich hab dich lieb, und morgen fangen wir von vorne an.“

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Henny Lang

    Ich bin Mutter zweier Mädchen (5 und 7 Jahre alt), lebe in Wien und arbeite seit 2001 als freie Journalistin und TV-Redakteurin. Hobbymäßig bin ich Malerin, veranstalte Vernissagen zu meinen Bildern und Bastelnachmittage mit Kindern ganz privat bei mir zuhause.


    Zum Tagebuch des Autors

2 Kommentare
  • Miriam, 30. Mai 2017, 12:23 Antworten

    Hallo! Ich kann sehr gut nach empfinden wie es dir geht. Meine Tochter ist auch 3 Jahre alt und auch gerade in so einer Phase. Was mich an deinem Text traurig stimmt, ist, dass du die Phase anscheinend wirklich als Kampf gegen deine Tochter zu sehen siehst. Du schreibst zum Beispiel: Damit zeige ich Schwäche, ich gebe nach um des lieben Friedens Willen und versage auf voller Linie nach allen Regeln der Erziehungsratgeberkunst. Warum zeigt ma Schwäche, wenn man nach gibt? Wenn es meiner Tochter gerade wichtig ist, welchen Teller sie zum essen braucht und ich die Zeit habe, dann tue ich ihr den Gefallen. Ich sehe hier keine Schwäche und ich sehe das alles auch nicht als eine Kampf wo einer von uns als Sieger hervor geht. Wiege doch einfach die Bedürfnisse deiner Tochter mit deinen ab. Wenn sie unbedingt ihr Tshirt von gestern anziehen möchte, erkläre ihr halt, dass es dreckig ist, wenn sie aber unbedingt möchte kann sie es anziehen. Ist dss Shirt dagegen nass und steht vor Dreck geht es natürlich nicht. Ich möchte dich nicht kritisieren, sondern vl nur einen anderen Weg aufzeigen wie das ganze harmonischer laufen kann. Diese Phase ist schon anstrengend genug und ich finde man muss es sich als Elternteil nicht noch anstrengender machen indem man auf Dinge beharrt die für uns eigentlich vollkommen egal sind (welcher Teller/welche Straßenseite/welche Farbe hat das Gewand), aber für das Kind in diesem Moment sehr wichtig sind.

    • Henny, 30. Mai 2017, 15:06 Antworten

      Liebe Miriam, vielen Dank für Deinen Kommentar! Schön, wenn andere Mamis meine Situation nachvollziehen können. Dann fühlt man sich auch nicht so alleine :)) Du hast vollkommen recht, diese Phase ist schon anstrengend genug, und man darf sie sich nicht noch zusätzlich anstrengender machen. Natürlich versuche ich (wie jedes bemühte Elternteil auch), mich selbst während Wutanfällen der Kleinen, so gut ich kann, in sie hineinzuversetzen. Aber manchmal kommen mir die Kiddies schon vor wie kleine "Monks". Es gibt Situationen, da muss ich noch einmal einen Knoten in etwas hineinmachen, nur weil nicht ihn entknoten hätte sollen sondern die große Schwester... Ach, da gibt's viele Situationen im Lauf eines Tages. Aber ich freu mich über jegliches Feedback. Und keine Sorge, ich nehme es nicht als Kritik sondern immer nur als Ratschlag. Denn das perfekte Rezept zur Kindererziehung gibt's ja sowieso nicht. Alles Liebe, Henny

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at