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Familie A. "Mein Tagebuch"

Mami-Schule - meinefamilie.at
3. September 2016

Ich gehe in die Mami-Schule


„Bist du aber groß geworden! Gehst du schon in die Schule?“, wird meine Tochter (6) oft gefragt. „Ja, ich gehe in die Mami-Schule!“, antwortet sie dann. Wie es dazu gekommen ist?

Meine älteren Kinder haben wir mit 4 in den Kindergarten gehen lassen – wir waren der Meinung: das muss so sein, damit sie sich auf die Schule vorbereiten und den Umgang in der Gruppe lernen. So war es auch für die Tochter geplant, aber es kam anders: Durch eine traumatische Schnellbahn-Erfahrung (Mami drinnen – Kind draußen) hat sie massive Trennungsängste entwickelt. Ein paar Tage habe ich versucht, sie im Kindergarten einzugewöhnen – aber sobald ich gehen wollte, hat sie Panik bekommen und wollte mit mir.

Sie braucht mich!

So habe ich letztlich gesehen: Meine Tochter braucht noch meine Nähe. Zum Glück war ich nur minimal außer Haus berufstätig und konnte mich wirklich meinem Kind widmen. Aber der Kindergartenplatz war weg…

Als sie fünf war und das letzte Kindergartenjahr angebrochen wäre, habe ich überlegt: Wie kann ich sie auf die Schule vorbereiten? Da habe ich einiges eingebaut, was ich von den Größeren schon gekannt habe: Vorschulblätter, Buchstabentage, Musikstunde mit Rhythmusübungen und Flötenunterricht, Turnstunde, gemeinsam Basteln und Kochen. Auch eine Hausübung hat sie von mir bekommen, die sie eifrig gemacht hat. Auf jeden Fall: ganz viel Zeit mit Mami! Dafür haben wir dann den Ausdruck „Mami-Schule“ erfunden. Für die Gruppenerfahrung geht sie jede Woche zur Musikschule und zum Turnen. Und mittlerweile kann sie schon lesen und freut sich darauf, in die „echte“ Schule gehen zu können.

Ein Genuss – auch für mich

Ich genieße es, dass ich mir durch diese Lösung viel Stress erspare: „Schnell, zieh‘ dich an, wir müssen in den Kindergarten!“ und zu Mittag: „Schnell nach Hause, dein Bruder kommt bald von der Schule!“ Ich habe mir die Freiheit genommen, auf mein Kind einzugehen und nachzuspüren: Was ist jetzt dran für sie? Es war wunderschön und bereichernd, so hautnah ihre Fortschritte mitzuerleben. Und sie hat gelernt, zu entscheiden: Was mag ich jetzt machen? Nicht das, was die Gruppe vorgibt – sondern spüren, was in ihr selber schlummert!

Als ich damals die größeren Kinder gefragt habe: „Wie ist es euch im Kindergarten gegangen? Soll die Michaela auch in den Kindergarten gehen?“ – Da kam zur Antwort: „Am Anfang war es schon spannend. Aber dann wäre ich lieber zu Hause geblieben. Bei dir ist es viel schöner!“

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EIN ARTIKEL VON
  • Familie A.

    Wir sind Familie A. und leben am Stadtrand von Wien. Verheiratet seit 1993 haben wir bald Kinder bekommen. Und weil das Leben mit Kindern sooo schön ist, haben wir inzwischen sechs davon! Familie ist unsere Berufung, und das Know-How dafür haben wir in Schönstatt gefunden. Sechs Kinder – da erlebt man einiges, da kann man was erzählen! Und weil wir jetzt seit bald zwei Jahren die Nächte (meistens) wieder durchschlafen können, haben wir wieder Kapazitäten frei. So referieren wir auf Familientagungen, schreiben für die Zeitschrift Familie als Berufung und neuerdings für meinefamilie.at – unseren Kindern zuliebe anonym.


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2 Kommentare
  • Sabine, 4. September 2016, 5:01 Antworten

    Helikopter Mam pur!! kann ich da nur sagen. Ich finde im Kindergarten lernt sie/er die ersten Freunde kennen, lernt mit den Kindern spielen, mit Ihnen zu kommunizieren und und und

  • Anonymous, 9. September 2016, 1:24 Antworten

    Ich finde es ganz wunderbar, auf sein Kind einzugehen und dann ganz persönlich, individuell und feinfühlig zu entscheiden, was es braucht. Der Kindergarten ist gewiss nicht für alle geeignet, und genauso gewiss auch keine Notwendigeit zur Sicherstellung von gesunder Entwicklung. Kindern den Raum zu schaffen, im Kreise ihrer Eltern ihren intrisischen Motivationen nachgehen zu können, ist ein Geschenk. Glückwunsch dazu!

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