Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

homeschooling neue realität - meinefamilie.at
9. Dezember 2020

Homeschooling: Eine Möglichkeit für die Zukunft


Mittlerweile sind unsere Mädels (12 und 8) Expertinnen was Videokonferenzen betrifft. Während wir in den ersten Tagen noch die Laptops und Tablets hochfahren und uns durch diverse Plattformen und Links klicken mussten, gelingt ihnen das mittlerweile ohne Pannen ganz allein. Ihre Souveränität diesbezüglich überrascht und begeistert uns gleichermaßen.

Auch die zahlreichen Online-Präsenzstunden entfalten ihre Wirkung. Während sich wildfremde Kinder im ersten Lockdown vor lauter Elternüberdruss, gesperrten Spielplätzen und mangelnden Sozialkontakten auf der Straße solidarisch zuwinkten (wenn sie denn man mit den Eltern einen kleinen Spaziergang wagten) ist es dieses Mal anders. Die Online-Stunden in der Klassengemeinschaft ersetzen zwar keine persönlichen Kontakte, aber sie federn die absolute Einsamkeit und Isolierung ab.

In der Früh tauscht man sich aus, was man am Wochenende getan hat und auch ansonsten tun die Lehrer viel dafür, dass so etwas wie „Normalität“ aufrecht erhalten bleibt. Und tatsächlich gelingt das über weite Strecken. Oft bleiben die Kinder noch einige Minuten nach der regulären Online-Unterrichtsstunde im zur Verfügung gestellten Raum und plaudern. Von der Distanz klingt es tatsächlich so, als ob sie sich ganz normal unterhalten würden und als wären Freundinnen zuhause eingeladen.

Ist die aktuelle Situation das neue Normal?

Was bedeutet das? Ist es einfach die Tatsache, dass sich Kinder auch mit dieser Ausnahmesituation arrangieren können und sie eine erstaunliche Gabe haben, sich diesbezüglich zu adaptieren? Kommt es ihnen auch entgegen, dass sie ja letzten Endes „Digital Natives“ sind und digitale Medien in der einen oder anderen Weise auch zuvor schon Mittel zur Kommunikation und zum Zweck waren?

Die Antwort ist wohl tendenziell Ja. Während meine Frau und ich immer noch mit Online-Treffen mit Freunden hadern und es die seltsame Distanz in den ersten Minuten immer erst zu überwinden gilt bevor man ins normale Plaudern und Reden gerät, haben unsere Mädels diese Hürde offenbar nicht zu überspringen. Es ist fast so, als sei dieses Medium nicht vorhanden, zumindest aber keine Barriere.

Es zeigt aber vor allem eines: Die Schule kommt erst langsam im Online-Zeitalter an. Man denke nur daran, wie lange es gedauert hat, bis passende und funktionierende Plattformen eingerichtet waren. Dann herrscht bei uns das große Schweigen seitens der Lehrer. Abgesehen davon, dass sie wöchentliche ihre Arbeitspakete schickten und diese im Anschluss dann per Mail beantworteten.

Die Lehrer haben dazu gelernt

Mittlerweile gibt es, wie bereits erwähnt, bei beiden Mädels wöchentlich zahlreiche Videokonferenzen, die das „Klassenfeeling“ und die Interaktion mit dem Lehrer „ersetzen“ sollen. Erstaunlich daran ist, dass die Rechnung besser aufgeht, als so mancher Lehrer und manche Direktorin wahrhaben will.

Während also sehr viel Zeit und Energie darin investiert wurde, Vor-Ort-Ersatzunterricht zu konzipieren, hätte durchaus noch mehr Zeit in Online-Formate investiert werden können.

Man wird das Gefühl nicht los, dass da noch mehr „gegangen“ wäre als nur Frontalunterricht und Dialog mit den jeweiligen Klassenlehrern. Denkbar ist, bis hin etwa zu virtuellen Exkursionen, sehr viel. Die Überlagerung von „Realität“ und „Virtualität“ könnte sogar zu einem Erkenntnisgewinn führen. Und dabei hat man noch gar nicht von den Möglichkeiten fantasiert, die mit VR-Brillen oder ähnlichem denkbar wären.

Kurzum: Wann, wenn nicht jetzt könnte das etwas träge System Schule Erkenntnisse aus der Krise schöpfen und Online-Formate nicht nur als Notbetrieb begreifen, sondern als mögliche zusätzliche Elemente in einem modernen Unterricht? Warum nicht, zumindest bei Jugendlichen, die nicht der elterlichen Betreuung bedürfen, Präsenz-Zeiten in der Schule einschränken und mit virtueller Anwesenheit vor Laptop oder Tablet ergänzen?

Es wäre wünschenswert. Und ein schöner Traum. Unsere Kinder wären jedenfalls dank Homeschooling dazu bereit.


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