Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

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16. Dezember 2020

Hoffen auf einen Neustart nach den Feiertagen


Die Weihnachtsfeiertage und die damit verbundenen Schulferien stehen bevor. Als Familie sehen wir sie herbei – in der Hoffnung, dass sich danach im neuen Jahr alles anders und frischer anfühlt.

Ja, wir sind müde. Sehr müde.

Vieles können wir nicht mehr hören. Meine Frau und ich sind natürlich keine Corona-Leugner geworden. Aber wir sehen uns nicht mehr jede Pressekonferenz und jeden Nachrichtenblock an, der sich mit dem altbekannten Thema auseinandersetzt. Wir sind zur Übereinkunft gekommen, dass es reicht, sich sehr zeitnah die neuen Regeln anzusehen und nach bestem Wissen und Gewissen in diesem Rahmen zu leben und zu agieren.

Daneben läuft die Schule bei unseren Mädels wieder auf Normalbetrieb. Obwohl es in der Schule trotz intensivierte Maskenpflicht strenger als je zuvor ist, reden unsere Mädels (8 und 12) kaum mehr von den Corona-Schutzmaßnahmen. Warum das so ist, wissen wir nicht genau. Ist es deshalb, weil diese nun endgültig zu einer Art von „Neuer Normalität“ geworden sind oder weil unsere Mädels ebenfalls müde geworden sind?

Müde davon, dass sich die Dinge laufend wiederholen. Dass die Schulen öffnen und danach wieder schließen. Wie viel Anteil hat eine neu gewonnene Souveränität und wie viel Anteil die Ermüdung? Es ist schwer einzuschätzen. Fakt ist, dass unsere Kinder allem Anschein nach lockerer damit umgehen.

Sorge und Hoffnung

Denn für uns mischt sich in all die Entwicklungen Sorge. Werden sich genug Leute impfen, damit dieser Corona-Spuk endlich in den nächsten Monaten ein Ende haben kann? Oder bedeutet die oft beschworene „Neue Normalität“ für uns als Familie tatsächlich ein noch lange andauerndes „Auf und Ab“ in Bezug auf Einschränkungen und Öffnungen? Ist die gesellschaftliche Spaltung, die sich derzeit überall bemerkbar macht, danach trotz Impfung & Co. überhaupt noch rückgängig machbar?

All diese Gedanken, die wir für uns behalten und die nur in sehr gefilterter Form die Ohren unserer Kinder erreichen schieben wir derzeit zur Seite. Wir freuen uns auf die Feiertage und versuchen bei den Ritualen dieser Zeit Halt zu finden. Täglich haben wir uns bisher am Adventkranz versammelt, gebetet und unsere Wünsche geäußert. Es ist ein Zeitraum des Tages, auf den wir uns schon stets gemeinsam freuen.

Die ganze Wohnung ist weihnachtlich geschmückt. Das gemeinsame „verzaubern“ hat uns sehr viel Freude gemacht. Das Strahlen der Kinderaugen hat dieses Mal eine schöne und freudvolle Form des Ausnahmezustandes signalisiert. Es war, als hätten wir es geschafft für einige Zeit aus der Dauerbeschallung der Nachrichten und der aktuellen Ereignissen auszusteigen und ganz bei uns als Familie zu sein.

Auf dem Weg zum „Neustart“

Spätestens wenn der Weihnachtsbaum dann geschmückt im Wohnzimmer steht, verstärkt sich dieses Gefühl noch. Der Ausnahmezustand von Weihnachten wird sich dann genau so anfühlen wie der Ausnahmezustand im letzten Jahr. Dieser in diesem Fall gewünschte Ausnahmezustand neutralisiert dann seinen Ausnahmezustand- Gegenspieler, den sich in diesem Jahr wirklich niemand herbeigewünscht hat.

Die danach kommenden Feiertage werden dann zwar anders sein, aber doch ähnlich wie 2019. Sehr eingeschränkt werden wir Verwandte besuchen, Silvester mit Freunde fällt ins Wasser. Aber wir haben vieles: Uns als Familie und mehr Zeit füreinander als sonst. Obwohl wir 2020 mehr zusammen waren als je zuvor, war die Zeit nicht immer unbeschwert. In die häusliche Idylle mischten sich Herausforderungen wie Home-Office oder Home-Schooling. Selten war das Zuhause nur das Zuhause, es war plötzlich eine Hybrid-Form aus Arbeitsplatz und Freizeit geworden.

Gerade diese Nicht-Trennung, ansonsten üblich und wichtig, hat es oft schwer gemacht. In Feiertagen, in denen wir auch wirklich frei haben, versuchen wir unsere eigenen vier Wände nur als gemütlichen Rückzugsort für ganz viel Familienzeit zu nutzen. Danach hoffe wir auf eine Art Neustart. Womöglich nicht mit ganz neuen Regeln in Sachen Corona. Aber wieder mit mehr Energie und mit mehr Souveränität, mit der wir durch diese Zeit zu kommen gedenken.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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