Angelica Spießberger

Angelica Spießberger "Mein Tagebuch"

25. Juli 2019

Hilfe, Ferien!


Als Lehrerin weiß ich natürlich, wie wichtig Sommerferien für die Kinder sind – weg vom Leistungsdruck, einfach mal nur sein. Als Mama kenne ich natürlich auch die andere Seite – 9 Wochen Ferien sind auch eine wirkliche Herausforderung für uns Eltern. Am Zeugnistag hörte ich eine Mama sogar sagen: „Ich freu mich gar nicht auf die Ferien, da hab ich die Kinder dann dauernd um mich.“

Ich habe mich auf die Ferien gefreut, denn kurz vor Schulschluss war bei uns wirklich schon der Wind aus den Segeln und das tägliche frühe Aufstehen hat uns alle viel Laune und Kraft gekostet.

Vorfreude und Realität

Die ersten freien Tage waren wider meiner Erwartungen sehr ernüchternd. Worauf hab ich mich nochmal so gefreut? Sorry, ich hab es fast vergessen in den unendlichen Weiten der Unordnung unserer Kinder, die wirklich vor keinem einzigen Raum unserer Wohnung und dem Garten Halt machen. Ich hab es fast vergessen, im Lärm der sich gegenseitig anschreienden Geschwister, aber nur fast.

Da war doch was: Ach ja, ich habe mich gefreut auf das lange Schlafen und gemeinsame gemütliche Frühstück – das kriegen wir, Gott sei Dank, gut hin. Ich habe mich gefreut auf gemeinsames Lachen und Spaß haben, auf Abenteuer und Langeweile, auf Lesen und Träumen, auf Freunde und Grillen, …

Gut Ding braucht Weile

Gut, dass ja erst Beginn der Ferien ist, da bleiben wohl noch einige Anläufe. Ich habe nämlich auch fast vergessen, dass auch das Zeit braucht, seinen Alltag wieder auf 24 Stunden Familienzeit zu stellen und auch meine Kinder Zeit brauchen, sich wieder auf „rund um die Uhr Geschwister um mich“ einzustellen.

(c) iStock

Ferien sind nicht nur herausfordernd, sondern auch immer wieder die Chance für uns als Familie neu zusammenzuwachsen. Diese Tage bieten uns die Möglichkeit unsere Herzensbildung zu überprüfen: Wie reden wir eigentlich miteinander, wie gehen wir miteinander um? Behandle ich dich so, wie ich behandelt werden möchte? Das ist wirklich eine Herausforderung, ehrlich auch eine gewaltige für mich. Unser Miteinander in den Ferien ist hier im knallharten Praxistest.

Ferienzeit ist aber auch die Chance, dass ich als Mama neu den Charakter, all die Stärken und Begabungen meiner Kinder entdecke, die, von Gott geschenkt, da so versteckt auf die Gelegenheit warten entdeckt zu werden. Im Arbeits-, Kindergarten-, Schulalltag, in der Hektik aller Ballett-, Musik- und Turnkurse bleibt dafür ja oft wenig Zeit und Raum. „Wer bist du kleiner Mensch und was steckt Großes in dir?“ Wann halte ich im Alltagstrott kurz inne, um mich das zu fragen und nach einer Antwort zu suchen?

Wenn ich manchmal abends mit meinem Mann bei einem Gläschen Wein sitze und wir uns gegenseitig von unserem Tag erzählen und von all den Dingen, die unsere Kinder so angestellt haben oder was sie gesprochen haben, dann lachen wir oft amüsiert, wie bunt unsere Temperamentsbündel unser Leben doch machen. Schmunzelnd versuchen wir uns dann die Zukunft unserer Kinder auszumalen, anhand ihres Charakters. Wie viel mehr „Wunder“ steckt da wohl noch drin? Kaum zu erahnen.

Zeit für Kreativität und Abenteuer in den Ferien

Das Wetter hat uns heute ein wenig die Tagespläne unserer Ferien durchkreuzt – rückblickend bin ich ganz fasziniert, was da nur so in der Langeweile alles entstanden ist. Meine zwei Großen haben das Hochbett in ein Gerüst für eine Schaukel und eine Hängematte verwandelt – zugegeben, der Vorhausschrank wurde einfach ausgeräumt und alle Winterschals entwendet. Aufräumen überließ man aber der Mama. Im ersten Zornesmoment konnte ich gar nicht darüber staunen, welche tollen Seemannsknoten da gemacht wurden… aber der Moment,  in dem beide da friedlich nebeneinander schaukelten in purer Glückseligkeit über ihre eigene Leistung, dieser Moment war einfach unbezahlbar.

(c) iStock

Ein wenig später wurde ein großer Karton in einen Panzer verwandelt – Schere, Kleber und Stifte über den ganzen Wohnzimmerboden verteilt. Auch hier erstmal keine Riesenfreude meinerseits, aber das Gekicher und die lustigen Manöver durch den Flur haben mich dann doch wieder schmunzeln lassen, über das, was da so alles an Kreativität in diesen kleinen Köpfen steckt.

Der Karton, der da verwandelt wurde, gehörte zu dem Kajak, das wir bestellt hatten. Heute war der Tag, an dem wir es ausprobieren wollten. Dies schien aber vorerst mal auszufallen.

Doch mein Mann, der Abenteurer, packte das Kajak und uns nach Ende seiner Arbeit und fuhr mit uns an den See. Regen kündigte sich an und Wind und Wellen luden uns nicht gerade freudig zur Jungfernfahrt ein. Regenjacke angezogen, Schwimmgurte umgehängt und ab ins Kajak. Verrückt, dachte ich. Das ist Abenteuer. So einen Spaß hatten wir. Das sind Ferien.

Albert Einstein soll mal gesagt haben: „Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat.“ Das klingt gut, denk ich mir. Und vielleicht muss ich mich selbst auch daran erinnern, dass Ferienzeit auch ein bisschen Erholung für Staubsauger und Putzlappen bedeutet und dass das eine Zutat von guter Laune sein könnte… und wen das stört, der komme uns bitte erst im Herbst wieder besuchen, wenn unsere Abenteuerzeit dann Ferien macht.



EIN ARTIKEL VON
  • Angelica Spießberger

    Ich heiße Angelica Spießberger, bin 33 Jahre alt, seit 2010 mit Thomas verheiratet und Mama von 3 wunderbaren, sehr aufgeweckten und temperamentvollen Kindern (2 Buben: 8 und 3 Jahre und ein Mädchen: 6 Jahre). Ich bin VS-Lehrerin und Religionslehrerin, derzeit aber Vollzeit-Vollblut-Mami.

    Meine Freizeit verbringe ich mit: meinen Kindern, Lesen, Wandern, Radfahren, Schwimmen und Garteln.
    Ich liebe: Meinen Mann, meine Kinder, Gott, Schokolade, Worship und unser eigenes Obst und Gemüse…


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