Familie A.

Familie A. "Mein Tagebuch"

Heimat schenken - meinefamilie.at
13. Mai 2016

Heimat schenken


„Komm, Johanna, deine Mutter ist da! – Johanna? Wo steckst du denn?“ Unsere Franziska hatte Besuch von einer Freundin. Den ganzen Tag haben die zwei sich mit unseren anderen Kindern prächtig unterhalten, waren im Trampolin, am Spielplatz, mit dem Hund Gassi, eine Runde Fahrrad fahren, das Kasperltheater wurde ausgepackt,… Es war eine Freude.

Ich gehe sie suchen und finde sie in einem Zimmer, zusammengesunken, den Tränen nahe. Ich habe sie gefragt: „Bist du traurig?“ Sie hat genickt, konnte aber nicht sagen, warum. „Magst du uns wieder einmal besuchen kommen?“ Wieder nickt sie. „Schau, deine Mama ist gekommen, magst du nicht zu ihr?“ Dann hat sie sich langsam erhoben und zu ihr hinausgeschleppt.

Eine schöne große Familie

Sie hat sich sehr schwer getan, jetzt zu gehen. Sie ist das Kind einer alleinerziehenden Mutter, von klein auf in Krippe und Hort. Sie hat gesagt: „Ich wäre am liebsten die Schwester von der Franziska, dann hätte ich auch eine schöne große Familie.“

Das fällt uns vielleicht gar nicht mehr auf: Wir schenken unseren Kindern unser Sein, unser ganz normales Familienleben. Wir sind so wie immer – aber Besucher spüren: Da ist Gemeinschaft beim Mittagstisch. Da ist Freude und Fröhlichkeit, wenn man mit Geschwistern spielen kann. Da ist Versöhnung nach dem Streit. Sie spüren die Atmosphäre des Wohlwollens, des Angenommenseins.

Wir können viel von unseren Werten als Familie weitergeben, wenn wir Kinder bei uns für ein paar Stunden aufnehmen, bei uns mitleben lassen, ihnen Heimat geben. Ganz unscheinbar, ohne viele Worte.

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EIN ARTIKEL VON
  • Familie A.

    Wir sind Familie A. und leben am Stadtrand von Wien. Verheiratet seit 1993 haben wir bald Kinder bekommen. Und weil das Leben mit Kindern sooo schön ist, haben wir inzwischen sechs davon! Familie ist unsere Berufung, und das Know-How dafür haben wir in Schönstatt gefunden. Sechs Kinder – da erlebt man einiges, da kann man was erzählen! Und weil wir jetzt seit bald zwei Jahren die Nächte (meistens) wieder durchschlafen können, haben wir wieder Kapazitäten frei. So referieren wir auf Familientagungen, schreiben für die Zeitschrift Familie als Berufung und neuerdings für meinefamilie.at – unseren Kindern zuliebe anonym.


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