Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

kinder essen gehen - meinefamilie.at
21. März 2019

Gut Essengehen mit Kindern


Fünf-gängige Menüs, Kellner, die jedes Gericht kunstvoll erklären, Weinbegleitung und Co. Man darf davon ausgehen, dass so gut wie alle Eltern sagen würden, dass das nichts für Kinder ist. Doch stimmt das so überhaupt?

Ein Essen in einem guten Restaurant gleicht oft mehr einem langwierigen Opernbesuch als einer zweckdienlichen Nahrungsaufnahme. Es geht weniger um das Sattwerden, als vielmehr um den Genuss. Man muss sich Zeit nehmen und sich auf die Inszenierung, bestehend aus dem Umfeld und den Speisen auf den Tellern, einlassen.

Gelingt das, dann kann es zu einem regelrechten Feuerwerk der Geschmäcker kommen. Jede kleine Nuance am Teller kann ausgekostet werden, kann nachhallen. Ist der Koch kreativ, dann erfährt man Geschmackskombinationen, von denen man bisher nicht wusste, dass sie existieren.

Die Welt der Kinder und die Welt der Erwachsenen

Die Welt der Kinder ist da, vermeintlich, sehr unterschiedlich. Eltern haben das Gefühl, dass sie sich zumindest darum kümmern müssen, dass die eigenen Kinder sich einigermaßen gesund ernähren. Ansonsten stünden, so vermuten Eltern zumindest, Pommes und Pizza an der Tagesordnung.

Ob das so zutrifft? Natürlich können sich Eltern zumeist an eine oder mehrere Phasen erinnern, in denen die Kinder heikel waren und sich am liebsten auf nur eine Art von Nahrung fokussiert hätten. Doch denkt man weiter zurück, so wird auch deutlich, dass Kinder grundsätzlich auch neugierig auf neue Geschmackserfahrungen waren. Kinder sind nicht von Geburt an heikel, sondern aufgeschlossen und an Geschmacksvielfalt interessiert. Zweifellos ist aber so, dass sie manchen komplexen Geschmack (noch) nicht verstehen.

Eltern können hier also quasi Begleiter sein, Erklärer. Kindgerecht kann man den Nachwuchs an die Vielfalt der Geschmäcker heranführen. Der geprägte Geschmack in der Kindheit hält schließlich für das Leben.

Gemeinsam erfahren

Natürlich ist es nicht einfach. Der ganze „Zauber“ in so manchem Restaurant kann Kindern zu lange werden. Und unter 10 Jahren ist es ebenfalls kaum zu empfehlen. Manche zu überkandidelte Restaurants sollte man auch später ausschließen und womöglich auch selbst meiden. Denn wenn die Kunst und die Inszenierung das Eigentliche, eben das Essen, überlagert, dann ist wiederum etwas schiefgelaufen. Aber es ist gut vorstellbar, dass man in ein gutes Restaurant geht, in dem das Essen und nicht die Show im Zentrum steht, und sich gemeinsam aus Familien auf ein gutes, etwa dreigängiges Menü einlässt.

Das kann man durchaus spielerisch gestalten. Denkbar beispielsweise, dass man gemeinsam die Zutaten auf dem Teller errät. Möglich auch, dass man zusammen Geschmackskombinationen erkundet. Schön auch darüber zu sprechen, was einem warum schmeckt und was einem warum nicht schmeckt.

Fazit

Es ist nicht ganz einfach, aber sicherlich nicht unmöglich. Und: Eltern haben auch hier, wie in anderen Bereichen, eine Art Erziehungsauftrag. Das alles darf natürlich nicht zwanghaft passieren. Aber Eltern haben die Verpflichtung ihren Kindern „Welten“ zu entschlüsseln und prinzipiell verständlich zu machen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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