Magdalena Preineder

Magdalena Preineder "Mein Tagebuch"

Gebet in der Ehe
22. Oktober 2019

Gebet in der Ehe


Von der Studentenbude ins geregelte Leben

Als mein Mann und ich geheiratet haben, war ich noch mitten in meinem Studium, er in seinem Gerichtsjahr. Irgendwie fehlte uns ein richtiger Alltag, unsere Tage hatten kaum eine fixe Struktur und auch unsere Wohnung erweckte den Eindruck einer Studentenbude.

Einige Monate nach unserer Hochzeit trat mein Mann ins Arbeitsleben ein, wir sind aufs Land gezogen, verbrachten viel Zeit damit, uns um seine Großmutter und ihre Bedürfnisse zu kümmern, und haben ein geregeltes, irgendwie schon gesetztes, Leben.

Wir und der Ernst des Lebens

Mein Mann und ich haben uns in sehr jungen Jahren das Ja-Wort gegeben. Und obwohl wir noch keine Kinder haben, haben wir beide bereits Erfahrungen darin gesammelt, wie kunterbunt ein Alltag aussehen kann.

Der Arbeitsbeginn meines Mannes und unser Umzug war für uns irgendwie der Übergang ins „richtige Leben“.

Es begann quasi der Ernst des Lebens, wie es unsere eigenen Eltern immer zu sagen pflegten.

Das echte Leben

Das echte Leben unterscheidet sich von meinem Blick durch die rosarote Brille. Dieses richtige Leben ist oftmals nicht so wie ich es mir vorgestellt habe. Es ist turbulenter, weniger planbar. So seltsam es vielleicht auch klingen mag, dieses sogenannte richtige Leben ist einfach echter. Es geht mit einer Menge Verpflichtungen einher, vor denen wir bis dahin verschont geblieben waren.

Es bedeutet, dass mein Mann manchmal ganz erschöpft nach Hause kommt und ihm die Energie fehlt etwas mit mir zu unternehmen. Es bedeutet, dass ich die Erfahrung mache, dass ich einfach nicht die perfekte Hausfrau bin, wie ich einst dachte, dass ich sein würde.

Es bedeutet, Reiberein zu spüren und Diskussionen auszutragen.

Es bedeutet, dass wir die Mühen des Alltags kennen und manchmal am liebsten nach einer „Reset“-Taste Ausschau halten würden.

Wie uns das Leben beten lehrt und Gott uns für das Leben coacht

In Mt 18,20 sagt Jesus: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Das Privileg, dass wir als Eheleute haben, ist, dass wir immer zu zweit vor Gott treten können. Da ist immer jemand zweites an meiner Seite mit dem ich gemeinsam ins Gebet gehen kann.

Egal was kommt

Doch egal was kommt, wir haben Christus in unserer Mitte. Im letzten Monat gab es im Kreis unserer Familie drei Todesfälle. Diverse andere Schwierigkeiten kamen noch dazu. Irgendwie schien ein Stolperstein nach dem anderen unseren Weg zu kreuzen. Oftmals waren wir verzagt oder wussten nicht weiter.

Doch was mein Mann und ich in dieser Zeit besonders erfahren durften, war, dass wir Christus in unserer Mitte haben. Als wir miteinander den Bund der Ehe eingegangen sind, sind wir auch mit Ihm, der uns auf diesem Weg zur Heiligkeit Beistand sein möchte, einen Bund eingegangen.

Wir lernten, uns in den schwersten Stunden des Lebens auf den Knien wiederzufinden.

Was mein Mann und ich als kleine Familie erfahren durften, war, dass es keinen Grund gab am Boden liegen zu bleiben, wenn der Himmel auch noch so düster aussieht. Nein, wir lernten dass genau das der Moment war, in dem wir uns auf unseren Knien wiederfinden sollten. Denn die Kraft für all die Dinge, die unseren Alltag , und besonders unsere Kämpfe bestimmen, bekommen wir nicht von uns selbst, sondern von Gott, der immer schon im Heute auf uns gewartet hat, und um unser Morgen weiß.

Wer gemeinsam betet, baut mit seiner Familie ein Haus auf Stein

Mutter Teresa sagte einmal, dass eine Familie, die zusammen betet, zusammen bleibe. Das Geheimnis dahinter ist, dass sobald man beginnt zusammen zu beten, das Fundament des Hauses „Ehe“ bzw. „Familie“ auf Stein errichtet wird und nicht auf Sand, wo jeder Sturm es wegwehen könnte. Gott coacht uns Ehepaare, wenn wir Ihm im Gebet begegnen.

Das Gebet eines Ehepaares hat Kraft, denn Gott selbst ist Teil des Bundes, der die Eheleute verbindet. Kein Trainer der Welt würde im entscheidenden Spiel aufhören seine Spieler zu coachen und zu ihrer besten Leistung zu führen. Wenn mein Mann und ich zusammen beten, dann macht Gott genau das – er coacht uns für das Leben, in dem er unsere Herzen dem seinen immer ähnlicher gestaltet, in dem er unsere manchmal müden Geister mit seinem Heiligen Geist belebt.

Wenn wir vor Gott knien, können wir vor der ganzen Welt bestehen. Mein Mann und ich wissen, dass, wenn wir vor Gott knien, wir vor der ganzen Welt stehen können ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren. Denn im Gebet begegnen wir dem, der die ganze Welt in seinen Händen hält, der bewusst entschieden hat uns beide in diese Welt zu setzen, und der den Ehebund von uns beiden gesegnet hat.

Als Christen sind wir dazu berufen, für Gott Frucht zu tragen und wenn wir im Gebet vor ihn treten, dann erlauben wir ihm, uns beim Bestellen des Ackerbodens unseres Lebens, unseres Alltags, zu helfen. Ein Ehepaar, das betet, ist immer zu dritt in seinem Bunde und darf wissen, dass auch mächtige Wasser, die Liebe nicht löschen können. (Vgl. Hld 8,7)

Unsere Art zu beten

Wenn mein Mann und ich ins Gebet treten, dann kann das ganz unterschiedlich ausschauen. Wir versuchen jeden Tag einen Rosenkranz gemeinsam zu beten. Das ist meist abends, dazu löschen wir alle Lichter aus und nur die Flamme einer einzigen Kerze erhellt den Raum.

Wir machen es uns auf unserer Couch gemütlich während wir Richtung einer Marienstatue blicken. Bei uns kann Gebet aber auch ganz anders aussehen. Zum Beispiel wenn wir wissen, dass einer von uns an diesem Tag eine besondere Herausforderung meistern muss, dann stehen wir in der Früh gemeinsam auf und finden uns vor einem Kruzifix in unserem Wohnzimmer ein.

Ein freies Gebet

Meistens lege ich dann zuerst meinem Mann meine Hand auf den Rücken und spreche ein freies Gebet, bei dem ich versuche, mich vom heiligen Geist führen zu lassen, um jene Gnaden zu erbeten, die mein Mann an diesem Tag besonders brauchen kann.

Danach erfüllt mein Mann diesen Dienst des Gebetes an mir und zum Schluss ziehen wir für einander noch eine Bibelstelle, damit das Wort Gottes unseren Tag von Anfang an begleitet.



EIN ARTIKEL VON
  • Magdalena Preineder

    Gott, mein Ehemann und das Schreiben sind die drei großen Lieben meines Lebens. Wenn ich nicht gerade etwas für mein Theologiestudium erarbeite, findet man mich an der Gitarre, auf Pferderücken oder irgendwo zwischen Nonstop-Lachen und Deep-Talks führen mit Freunden. Seit kurzem blogge ich zudem auf meiner eigenen Website www.herzvoll.com.


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