Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

feierabend für mama
17. März 2018

Feierabend für Mama


Welche Mutter oder welcher Vater kennt das Gefühl nicht: nach einem langen, arbeitsreichen Tag müde mit einer Tasse Tee auf die Couch zu fallen mit dem Vorsatz, nun länger nicht aufzustehen! Alles Wichtige ist erledigt, die Kinder sind im Bett, die Küche befindet sich in einem akzeptablen Zustand. Alles, was nun nicht ganz perfekt ist, wird beinhart ausgeblendet.

Wenn man alles erledigen wollte, was noch zu erledigen wäre, wäre man selbst hundertprozentig erledigt. Um das zu vermeiden, gibt’s Feierabend! Eine tolle Erfindung und etwas Lebensnotwendiges für Eltern.

20.15 h

Ich strecke nach einem Marathon-Tag meine müden Beine aus, decke mich kuschelig zu und möchte mich gerade der neuen Ausgabe von „Servus in Stadt und Land“ widmen, die ich neulich im Supermarkt mitgenommen habe, da höre ich kindliches Rufen vom Obergeschoß. „Nein!“, denke ich innerlich, antworte aber pflichtbewusst mit: „Ja!“ Die Kinder sind seit einer Viertelstunde im Bett, aber Sara braucht etwas. Ok. Dann eben nochmal die Stiege hinauf, zum mittlerweile hundertsten Mal. Oder zumindest siebzigsten Mal. Ich hab leider nicht mitgezählt. Die Sache ist schnell erledigt und ich gebe freundlich die Anweisung, dass jetzt Ruhe sein soll. Unser übliches Kuschelritual haben wir bereits beim Schlafengehen erledigt, jetzt ist Zeit zum Schlafen.

20.25 h

Kaum unten angekommen, ruft Gregor. Er hat noch nicht ordentlich Gute Nacht gesagt. Ich merke, wie leichter Ärger in mir hochkriecht. „Natürlich hast du das! Wir haben alles ganz genau so gemacht wie immer!“ Mein Jüngster ist anderer Meinung. Also nochmal hinauf. Nicht mehr ganz so freundlich fordere ich Ruhe. Es ist reichlich spät!

20.40 h

Ich bin gerade in einen netten Artikel über Tierbabys vertieft, als wieder ein Kind ruft. Alles in mir wehrt sich. Das kann doch jetzt nicht wahr sein! Die haben nichts mehr zu brauchen! Ich springe auf, obwohl ich eigentlich trotzig sitzen bleiben möchte, und rufe vom Vorhaus die Stiege hinauf: „Was ist denn? Ich sagte doch, jetzt ist Ruhe da oben!“ Eine etwas dünne, klägliche Stimme antwortet: „Mama, ich hab Bauchweh!“ Auch das noch. Ich kann jetzt kein Kinder-Bauchweh brauchen. Ich will endlich Ruhe! Aber ignorieren kann ich das auch nicht. Missmutig stampfe ich nochmal hoch, genau so, wie ich es bei den Kindern nicht mag. 😉 Ich fülle die Wärmeflasche mit heißem Wasser und bringe sie ins Kinderzimmer. Pflichtbewusst taste ich Gregors Bauch ab. Alles weich, keine Verhärtung. Kein Verdacht auf Blinddarmentzündung. Wahrscheinlich hat er einfach zu viel gegessen. Ich lege ihn seitlich ins Bett, mit angezogenen Beinen und platziere die Wärmeflasche vor seinen Bauch. „So, das wird dir gut tun. Und jetzt Ruhe bitte!“

20.50 h

„Mama!“ Nein, nein und nochmals nein! Ich bin absolut nicht gewillt, schon wieder aufzustehen! Ich muss mich echt zusammenreißen, um nicht loszubrüllen. Schnell schlucke ich meinen Ärger hinunter beim Gedanken an ein vielleicht schmerzgeplagtes kleines Wesen im ersten Stock. „Was gibt’s denn jetzt noch?“ frage ich halbwegs freundlich. Gregor braucht die Wärmeflasche nicht mehr und weiß nicht, wo er sie hingeben soll. Ich hatte gehofft, er sei endlich eingeschlafen! „Gib sie irgendwo hin. Wirf sie aus dem Bett, ich kümmere mich später darum.“ „Ich will sie aber vielleicht später noch haben!“ „Dann lass sie im Bett, irgendwo. Bitte. Schlaf. Endlich! JETZT IST SCHLUSS!!!

Ob es an meinem Tonfall lag oder an der Vehemenz, mit der ich es sagte oder schlicht und einfach daran, dass den Kindern die Ideen für weitere Mama-Nerv-Aktionen ausgingen, plötzlich war wirklich Ruhe.

Putzmunter, wie ich nun war, kochte ich mir eine Tasse koffeinfreien Kaffee und holte mir ein großes Stück Schokolade aus meiner Notfall-Kiste. Dies war zwar kein Notfall, aber ich hatte sie mir heute eindeutig verdient. Trotz Fastenzeit. Endlich Feierabend!

 



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Niederösterreich im Erlauftal. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nach fünf Jahren Homeschooling sind nun alle vier Kinder in öffentlichen Schulen und ich bin Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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