Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

familienmuster - meinefamilie.at
7. November 2018

Familienmuster – alte Verletzungen heilen und als Familie neue Wege gehen


Verhaltensmuster in der Erziehung unserer Kinder basieren zum Großteil auf unseren eigenen Kindheitserfahrungen. Alte Verletzungen animieren uns, es „anders zu machen“ als es uns vorgelebt wurde. Alte Ängste unserer Ahnen werden unbewusst an die nächste Generation weitergegeben. Bewusstwerdung und das offene Gespräch ist der erste Schritt zur Heilung und ermöglicht so tiefergehende Veränderung.

Komplexität in jeder Familie

Wir alle werden in komplexe Familienstrukturen hinein geboren. Unsere Familiengeschichte prägt uns und zeichnet unser Leben ein Stückweit vor. Jede Familie birgt komplexe Strukturen und Erfahrungen.

Oft handeln wir im Alltag nach bestimmten Verhaltensmustern, die uns selbst gar nicht mehr bewusst sind.

Wie oft passiert es, dass unsere Kinder unsere Entscheidungen, Handlungen und Meinungen hinterfragen und wir im ersten Moment selbst nicht wissen, warum wir dies gesagt oder getan haben? Die altbekannte Antwort „Weil dies immer schon so war“ erscheint uns zu einfach und nicht mehr zeitgemäß. Sie passt nicht mehr zu unserem partnerschaftlichen Erziehungsstil.

Ängste übertragen sich

Der ältere Lieblingsbruder meiner Mutter, ein sehr lebensfroher Mann, beging völlig unerwartet Selbstmord. Kurz darauf wurde ein anderes Familienmitglied schwer krank und diese Angst um ihre Lieben prägte nicht nur meine Mutter, sondern übertrug sich auch auf mich. Oft sagt mein Mann zu mir, ich sei zu ängstlich und soll unserem Sohn ruhig mehr zutrauen. Und so übe ich mich bewusst darin durchzuatmen und nicht bei jeder, sondern nur jeder dritten Bewegung meines Sohnes zu sagen „Pass auf!“. Ich stelle mir dann meist meine Familie vor, anerkenne ihr Leid und mache mir bewusst, dass ich nicht diesen bedrohlichen Ängsten ausgesetzt bin, sondern nur einen bewegungsfreudigen Sohn habe.

Noch verworrener und komplizierter wird es jedoch, wenn beide Elternteile eines Kindes ihre ganz eigene Geschichte mitnehmen. Wenn mein Sohn und ich laut diskutieren, ist es mein Mann, der um ein friedliches Miteinander bemüht ist. Denn zu seinen Erinnerungen gehört, dass er von Mitgliedern seiner Großfamilie auch öfter angeschrien wurde. Seine Bemühungen alle Diskussionen freundlich zu klären bringen jedoch mich wiederum in Rage, da ich mit einem Vater aufwuchs, der aus seinen Kriegserfahrungen heraus krampfhaft auf Harmonie bedacht war und jede noch so kleine Meinungsverschiedenheit sofort im Keim erstickte.

Offen darüber reden

Was uns hilft ist offen darüber zu sprechen. „Aus welcher Erinnerung/Verletzung heraus tust Du das?“ oder „Was möchtest Du damit bewirken?“ sind die Fragen, die wir uns dann stellen. Dieses Verständnis für die Geschichte des Anderen ist gleichzeitig der erste Schritt zur Heilung unserer alten Verletzungen. Indem wir die Verantwortung für unsere Gefühle selbst übernehmen, können wir den Anderen und sein Verhalten leichter annehmen ohne ihn zu be- oder verurteilen.

Das Verstehen unserer Familiengeschichten gibt uns gleichzeitig die Freiheit aus den gewohnten Mustern auszubrechen und einen neuen, gemeinsamen Weg zu finden.

Auf der professionellen Ebene können Familienaufstellung helfen, krankhafte Lebensmuster zu erkennen und loszulassen. Doch auch das bewusste Verzeihen im Gebet ist eine Möglichkeit sich von alten Familienmustern zu befreien. Gleichzeitig verhindern wir damit, dass weitere Generationen unseren alten Ballast mitschleppen müssen. Und ermöglichen unseren Kindern frei von unseren Ängsten und Familienmustern ihr eigenes, glückliches Leben zu leben.

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EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Als Sozialarbeiterin spezialisierte ich mich auf die Betreuung von schwerstbehinderten Kindern. Als Ausgleich unterrichtete ich Kinderturnen. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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