Gottfried Hofmann-Wellenhof

Gottfried Hofmann-Wellenhof "Mein Tagebuch"

Yorkshireterrier - meinefamilie.at
13. April 2016

Es war ein Hundili!


Meine Frau beschäftigt sich seit vielen Jahren nahezu ununterbrochen mit Fragen der Erziehung. Sie gibt sich jedoch nicht allein mit den in der Praxis reichhaltig gesammelten Erfahrungen zufrieden, sie will ihre pädagogischen Maßnahmen auch wissenschaftlich abgesichert wissen. Mit anderen Worten: Sie liest ständig viele Bücher, die vom Heranwachsen von Kindern erzählen. Glücklicherweise gibt sie ihr Wissen auch an mich, der auf jegliche derartige Lektüre verzichtet, bereitwillig weiter, sodass ich in groben Zügen etwa in die Komplexität des frühen Kleinkindalters eingeweiht bin.

So weiß ich zum Beispiel, dass man schon mit Babys in der Sprache der Erwachsenen reden und sich nicht einer vieles verniedlichenden Diktion befleißigen soll.

Es darf also nicht heißen: „Schau, Schatzi, was das Hundi hinter dem Baumi für ein lustiges Schwanzi hat.“

Verkümmerter Wortschatz…

Wer so undifferenziert mit einem Kleinkind spricht, belehrt mich Astrid, unterschlägt die Vielfalt der Hunderassen und macht sich mitschuldig an seinem frühzeitig verkümmernden Wortschatz. Ein Kind hat von klein auf das Recht zu wissen, um welches Hundi es sich jeweils handelt.

Als ich vor kurzem mit meiner 2 1/2jährigen Tochter im Park spazieren ging, sagte ich beim Anblick eines besonders herzigen Vierbeiners zu ihr: „Schau, was für ein süßer kleiner Yorkshireterrier!“ Darauf meine Tochter: „Ist der Wauwau lieb?“ – „Sophie, das ist kein Wauwau, das ist ein Yorkshireterrier!“ – „Nein, das ist ein Hundili.“ – „Es ist auch kein Hundili, es ist ein Yorkshireterrier!!!!“ – „Ist das Hundili lieb, Papili?“ Kurze Pause. „Ja, Sophieli!“ – „Setzen wir uns aufs Bankili und essen unser Brotili, Papili?“ – „Ja, Sophielili, und wir schauen dein Buchili an und geben deinem Puppili ein Keksili.“

Mamili, wir haben ein Hundili gesehen!

Es wurde noch ein äußerst anregender und vergnüglicher Nachmittag. Besonderen Gefallen fand meine kleine Tochter an einem schlichten Spiel. Ich sagte zum Beispiel „Baum“ – worauf sie konterte „Baumili“. Dann war ich wieder an der Reihe: „Baumilili.“ Und so weiter.

Zugegeben: Ab einer gewissen „li“-Anzahl verlor das Spiel für mich ein wenig an Reiz, ganz im Gegensatz zu Sophielili, die sich nach jeder weiteren Steigerung vor Vergnügen schüttelte.

Zu Hause erzählte sie stolz von ihren Erlebnissen im Park: „Mamili, wir haben ein kleines Hundili gesehen.“ Astrid sah mich fragend an. „Es war ein Hundili“, antwortete ich und zwinkerte unserer Tochter verstohlen zu.

Lies nächsten Mittwoch von Gottfried Hofmann-Wellenhof: Zahnarzt-Erfahrungen – oder “Wann ist wieder Brummi-Tag?”

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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