Vali Schwarzbauer

Vali Schwarzbauer "Mein Tagebuch"

Es sind ja nur Haare - meinefamilie.at
9. März 2016

Es sind ja nur Haare…


Ich war beim Friseur! Es musste sein. Schon seit Wochen stand Friseurtermin ausmachen ganz oben auf meiner To-do-Liste.

Selbst mein siebenjähriger Sohn wollte mir schon die Haare schneiden. Das Projekt Haare hatte also oberste Priorität und erforderte Aktivismus.

Ja, Friseurtermine stellen Großprojekte in meinem Leben dar, denn ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu Friseuren. Es ist stets die gleiche Abfolge: freudige Erwartungen beim Hineingehen, zu Tode-Bedrübnis beim Hinausgehen. Und auf Nimmerwiedersehen.

Zuerst musste also ein neuer Friseur gefunden werden, und das grenzt bei meinen Ansprüchen schon fast an eine Wissenschaft. Google und die Frage nach dem „besten Friseur Wiens“ eröffnete mir eine ganze Palette an Haarkünstlern –  alle mit unglaublich kreativen Preisen. Esmeraldaa, eine Friseur-Testerin und -Bloggerin (ja, die gibt es wirklich!), verhalf mir schließlich, mich auf einen Salon festzulegen. So rollte ich vor ein paar Tagen bei Sonnenschein mit meinem Scooter in Höchststimmung meinem 10-Uhr-Termin entgegen.

Ich liebe Tirol und ich mag Alternativen

Super-freundlich wurde ich von einer jungen Friseurin empfangen. Ihr Tiroler Dialekt und ihr echt alternatives Aussehen ließen mich Großes erhoffen. Da konnte doch gar nichts schief gehen.

Auf die Frage, was ich denn für Wünsche hätte, meinte ich schlicht: „Eine Veränderung!“ Da sie ziemlich genaue Vorstellungen zu haben schien, was mir stehen könnte, begab ich mich ohne viel Diskussion in ihre Expertenhände. Denn genau das erwarte ich mir von einer guten Friseurin: eine klare Vorstellung und Kreativität, diese in die Tat umzusetzen zu können. Und die nötige Entscheidungskraft, es auch zu tun.

Entscheidungen fällen und kreativ sein muss ich als Homeschooling-Mama ohnedies den ganzen Tag. Wie entspannend, sich hier einfach einmal um nichts kümmern zu müssen – zumindest für eineinhalb Stunden. Und ich glaube, das ist genau der Teil des Friseurbesuches, den ich so liebe.

Meine hochalpine Haarkünstlerin begann also voller Euphorie zu werken. Nach einer gefühlten Ewigkeit (denn in Wahrheit hab ich nach 30 Minuten Nichtstun schon wieder genug), wagte ich zum ersten Mal einen Blick in den Spiegel. Gosh!

Was hat sie getan? Aus lang wurde kurz und aus blond – keine Ahnung wie man diese Farbe nennt – irgendwas Dunkelblöndliches.

Wenn das Wetter umschwingt

Da hatte ich sie nun, meine Veränderung! Während ich innerlich zu verfallen drohte, konnte sich meine Tirolerin kaum mehr einkriegen, wie toll ich aussehe und wie gut mir die kurzen Haare stünden. Ich hatte meine Zweifel, tiefschürfende, und wollte einfach nur fliehen – vor allem, als sie mir den Preis offenbarte. Ich zahlte und stolperte eilig nach draußen. Inzwischen waren dicke Regenwolken aufgezogen. Jedes Schaufenster ließ das Stimmungsbarometer nur noch tiefer fallen, bis ich mir wieder meine dicke Wollhaube aufsetzte, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Am Abend kam dann wieder die Sonne heraus, denn alle zehn Minuten bombardierte mich mein Mann mit Komplimenten. Bis heute versichert er mir (fast schon aufdringlich), wie gut ich ihm gefallen würde. Meine Schwestern meinen auch, dass mir kurz und nicht mehr wasserstoffblond viel besser stünde. Vielleicht meinen sie es tatsächlich ernst, vielleicht ist es aber auch nur eine abgesprochene Verschwörungsstrategie, um mich zufrieden zu stellen.

Nur der Kommentar meiner Mutter, dass die Haare ja eh voll „peppig“ aussehen würden, ließen in mir wieder Zweifel aufkommen.

Auch der strenge und ehrliche Blick unserer zwei Kinder, der in Gelächter und mit dem Kommentar „die Mami schaut so lustig aus“ endete, trübte die Sache wieder ein wenig ein.

Mittlerweile haben wir uns alle an meine Haare gewöhnt. Es sind ja irgendwie doch nur Haare, die wieder nachwachsen (hoffentlich auch diesmal!), und nicht das ganze Leben, das hier verändert wurde – auch wenn besonders wir Frauen uns dieser Illusion der neuen Menschwerdung nach Friseurbesuchen immer wieder neu hingeben.

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EIN ARTIKEL VON
  • Vali Schwarzbauer

    Nachdem ich als Vierling aufgewachsen bin und unsere Söhne (3, 6) großziehen darf, kenne ich die Höhen und Tiefen einer Familie. Darüber zu schreiben, ist neben dem Homeschooling unserer Kinder eine willkommene Abwechslung. Was mich noch begeistert: Gott, mein Mann, Laufen, Erdnussbutter und ein gutes Buch.


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