Maria Neuberger-Schmidt

Maria Neuberger-Schmidt "Mein Tagebuch"

18. August 2020

Erziehung ist (k)ein Kinderspiel – Was tun, wenn Babys nicht einschlafen wollen?


Oft sind sie müde und überdreht und wollen dennoch vom Schlafen nichts wissen

Als meine Tochter wieder arbeiten ging, habe ich tagsüber die Betreuung meines Enkelsohnes Florian (Name verändert), 11 Monate, übernommen: ein süßer kleiner Kerl, der das Omaherz erfreut. Nachdem er relativ früh auf ist, gehen wir am Vormittag nur kurz hinaus, weil er gegen 10 Uhr sein erstes Nickerchen braucht, das zwischen ein und eineinhalb Stunden dauert. Gegen 15 Uhr ist das Nachmittagsnickerchen fällig. Das klappte anfangs auch gut, doch wollte er sich nach einiger Zeit nicht niederlegen lassen, obwohl er offensichtlich müde war. Immer wieder krabbelte er hoch, düste im Gitterbett hin und her und weinte jedes Mal, wenn ich ihn hinlegen wollte. Als ich nachgab und ihn wieder aus seinem Bettchen herausholte, war er den ganzen Nachmittag über mühsam und am Abend, als die Eltern nach Hause kamen, nur noch müde, grantig, überdreht. Deshalb überlegte ich, wie ich es anstellen könnte, um den nötigen Schlafrhythmus wieder herzustellen.

Auf den richtigen Zeitpunkt achten

Ein guter Rhythmus und fixe Zeiten, die sich nach dem Entwicklungsbedürfnis richten sollten, sind eine große Hilfe. Dennoch ist etwas Flexibilität nötig. Vor dem Einschlafen bekommt Florian noch ein Fläschchen. Manchmal trinkt er zunächst nur die Hälfte und mag noch ein wenig im Zimmer herumkrabbeln.

Konsequent bleiben

Als der mir passend scheinende Moment gekommen schien, um ihn in sein bereits abgedunkeltes Zimmer zu bringen, richtete ich mir einen Hocker neben dem Gitterbett her, weil es länger dauern könnte. Nach dem Fläschchen und dem Bäuerchen wiegt ich Florian noch kurz hin und her und singe oder summe ein Liedchen. Als ich ihn hinlegen wollte, kam wieder der zu erwartende Protest, der zu sagen schien „Nein, schlafen will ich nicht! Das Leben ist so spannend, ich will nichts versäumen!“ Als ich ihn trotzdem hinlegte, weinte er und versuchte, wieder hoch zu krabbeln. Ich legte ihn wieder nieder mit den Worten „Florian ist müde, du musst jetzt schlafen!“ und hinderte ihn daran, wieder aufzustehen, indem ich seine Hüften sanft, aber fest an der Matratze hielt.

Heulender Protest. Ich zeigte Verständnis: „Du hast eine strenge Omi. Ich lasse nicht zu, dass du wieder aufstehst. Jetzt ist Schlafenszeit. Ja, Ja!“ Das Heulen verwandelte sich in ein leises Weinen, das bald verebbte. Ich hielt ihn und streichelte ihn und wiederhole meine wenigen Worte im leisen, sich wiederholenden, meditativem sing-sang Ton. Florian hatte genug Bewegungsfreiheit, sich zu drehen und eine geeignete Schlafposition zu suchen, nicht aber, sich auf die Knie oder auf die Beine zu stellen. Schließlich schlafen wir alle im Liegen und nicht im Stehen.

Am nächsten Tag protestierte Florian nur noch prophylaktisch, indem er kurz aufweinend seine Miene verzog, als ich ihn hineinlegte, in die von ihm bevorzugte Bauchlage. Es dauerte nur noch etwa 5 Minuten, bis er friedlich eingeschlafen war. Proteste oder Geheule gibt es nicht mehr. Florian plappert sich meist vergnügt in den Schlaf hinein. Immer aber macht er vor dem Einschlafen noch ein, zwei Mal die Augen auf, um sich zu überzeugen, dass ich da bin. Und ich sage ihm ganz leise „Omi passt auf dich auf, Omi passt gut auf dich auf!“

Bleiben, bis das Kind schläft

Mir war wichtig, zu bleiben, bis das Kind schläft, egal wie lange es dauern sollte. Einmal war ich kurz aufgestanden, um am Vorhang etwas zu richten. Sofort kam er hoch und weinte kurz auf, bis ich wieder neben seinem Bettchen war und ihn streichelte. Bald darauf war er eingeschlafen.

Zusammenfassend halte ich drei Dinge für wichtig, die Erwachsene beachten sollten:

  • Auf die Bedürfnisse achten: Wie lange und wie oft ein Baby schläft, ist mit Fingerspitzengefühl herauszufinden, das kann von Kind zu Kind sehr unterschiedlich sein, besonders in einer Übergangsphase.
  • Konsequenz und Führungskompetenz: vorausgesetzt, wir achten ihre Bedürfnisse, tut liebevolle Stärke Kindern gut. Sie fügen sich in Wirklichkeit gerne der stillschweigenden Botschaft „Ich weiß was gut für dich ist“, weil sie Geborgenheit vermittelt.
  • Bindungsbedürfnisse achten: Kinder brauchen Nähe, weil Alleinsein für sie bedrohlich ist, wissen sie doch intuitiv, dass sie allein nicht überleben könnten. Deshalb halte ich es nicht für gut, das Zimmer zu verlassen, wenn Babys weinen.

Mit Geduld und liebevoller Konsequenz erreichen wir auf Dauer mehr und legen den Grundstein für eine gute Entwicklung. Ab 2-3 Jahren, bei manchen Kindern auch früher, wird es möglich sein, das Zimmer nach dem Gute-Nacht Ritual zu verlassen und das Kind wird alleine einschlafen können. Es genügt ihnen dann, die Eltern im Nebenraum zu wissen. Dennoch: Ausnahmen bestätigen die Regel. Im Leben eines Kindes kann es die vielfältigsten Störfaktoren geben und manche Kinder sind einfach schwieriger als andere. Liebe, Geduld und Konsequenz helfen aber immer, egal wie lange das Einschlafen dauern sollte.



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