Birgit Linhart

Birgit Linhart "Mein Tagebuch"

Einmal Aussteiger-Mutter sein - meinefamilie.at
12. Mai 2017

Einmal Aussteiger-Mutter sein


Frei nach Max Giesingers Popsong „Wenn sie tanzt“ und anderen musikalischen Werken – mein streng geheimes Tagebuch. Wohin ich tanze, um einfach mal aus dem Mutterleben auszusteigen.

Die günstigste Art zu reisen

Alle im Bett!

Weißt du, was ich jetzt mache? Ich hau mir noch Chips rein. Und zum Neutralisieren direkt danach eine Schoko. Und dann tanze ich. Nicht, dass ich das kann. Nein, es sieht auch nicht gut aus bei mir. Aber ich mache es einfach! Denn wenn ich tanze, bin ich woanders. Das Radio dudelt, der Sound reißt mich mit.

I do it my way

Barfuß in New York spare ich mir aber gleich einmal. Ich habe das nämlich schon in der Altstadt von Graz gemacht. Nicht mein Fall. Meine Fußsohlen waren schwarz und ich musste furchtbar aufpassen, dass ich mir keine Scherben eintrete. (Echt unglaublich, wie viel spitzes Zeug in der Stadt am Boden liegt!)

Einfach nur weit, weit weg?

Alleine durch Alaska trampen klingt schon besser. Tausche vollgestopfte Wohnung gegen unendliche Weite, pausenlose Action gegen geduldige Stille. Also, Daumen hoch! Etwas unterkühlt dort, aber sonst nicht schlecht.

Der Haken an der Sache: Ich komme gerade einmal bis zur ersten Haltestelle von Alaska. Dann möchte ich auch gleich wieder aussteigen vom Aussteigen.

Zwar mag ich das Ende der Welt und bin gerne unterwegs, aber nicht ohne meine Familie. Zu leise, zu leer, zu allein.

Sprung ins kalte Wasser

Bleibt mir also noch Bali. Ins blaue Wasser springe ich hier aber mit Sicherheit nicht.

Im besten Fall spült es mir nur meine Kontaktlinsen aus den Augen. Im schlimmsten Fall präsentiert mir das Wasser jedoch die Trägheit meines Chips-und-Schokolade-Körpers. Bauchfleck oder Arschbombe, wofür würde ich mich eigentlich entscheiden? Voll kurzsichtig, ich weiß, wie ein Leben ohne Linsen, aber grüßt mir einfach Dori!

Wo könnte ich mich nur hintanzen, jetzt, wo alle schlafen? Wohin denn nur? Ohne Kinder.

Ich war noch niemals in Hawaii und nicht in San Francisco mit zerrissenen Jeans. Manchmal habe ich Familienmitglieder zum Mond geschossen, persönlich bin ich dort allerdings auch noch nicht vorbeigekommen.

Jetzt einmal ganz ehrlich

Es gibt viele Orte, die ich nie sehen werde.
Viele Abenteuer, die ich nicht erlebe.
Viele Menschen, denen ich nie über den Weg laufe.
Viele Karrieresprünge, für die ich keine Zeit habe.
Viele Dates, für die ich schon zu müde bin.
Unzählige Partys, auf denen ich nicht tanze…

Doch das ist mir richtig Blunzen, es kratzt mich einfach nicht.

Ich mag meinen Alltag, so voll, so bunt, so mittendrin.

Ich mag die Orte, an die mich meine Kinder lotsen.
Die Abenteuer, die ich mit ihnen erlebe.
Die vielen Menschen, die mir als Mutter über den Weg laufen.
Meine persönlichen – leider unbezahlten – Karrieresprünge.
Meine Dates in den eigenen vier Wänden.
Die unzähligen Partys, die ich schmeiße und auf denen ich tanze…

Wie es gelaufen wär’, ohne Kinder?

Seit sie da sind, kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen.

Zwinkersmiley. Herzerlaugensmiley.

Schönen Muttertag!

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EIN ARTIKEL VON
  • Birgit Linhart

    Ich habe Volkskunde und Kulturmanagement in Graz studiert. Mit meinem Mann, unseren drei Schulkindern, den Katzen, Hühnern und Schildkröten lebe ich ein buntes Leben am Rand der Stadt. Ich liebe es, Kindern zuzuhören, mag Spontantheater und Kinderbücher.


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