Mirka Huber

Mirka Huber "Mein Tagebuch"

tagesmutter eingewöhnung - meinefamilie.at
12. Oktober 2018

Eingewöhnung bei der Tagesmutter: zwischen Stolz und schlechtem Gewissen


Nun ist es so weit. Mein Sohn, 21 Monate, geht zu einer Tagesmutter. Und ich vermisse mein kleines Baby so sehr. Die Zeit verflog viel zu schnell. Es ist eine große Umstellung für uns alle. Viele Tränen sind geflossen, viele Zweifel aufgekommen, doch am Ende war alles gut.

September 2018. Für mich bedeutete dieser Monat schon seit der Geburt unseres Kindes nichts Gutes. Ich wusste, im September 2018 wird mein kleiner Bub in die Kinderkrippe gehen müssen. Ich hatte solche Angst davor. Zum Glück wurde mir dann eine Alternative empfohlen: Eine Tagesmutter. Und ich war mit dieser Möglichkeit zufriedener. Aber noch immer nicht ganz entspannt.

Es geht los

Viel zu schnell kam der große Tag. Wir gingen das erste Mal zur Tagesmutter. Wir kannten sie schon recht gut, da wir sie davor schon paar Mal getroffen haben. Deshalb habe ich mich trotz allen Sorgen gefreut. Ich habe unseren Sohn schön angezogen und fuhr los. Bei der Tagesmutter haben wir noch ein weiteres Kind kennengelernt, das auch mit der Eingewöhnung startete. Seine Mama und ich sahen uns erwartungsvoll an. Der erste Tag verlief problemlos, ich war ja noch dabei.

Auch die ersten Trennungen verliefen gut. Mein kleiner Sohn winkte mir und jammerte kurz, aber das Spielzeug war spannender, also drehte er sich schließlich zu seiner Eisenbahn und ließ mich gehen. Erst in der zweiten Woche fand er es gar nicht gut, dass ich wieder weggehe und er fing an zu weinen. Eine harte Probe für mich. Ich hatte plötzlich Zweifel. Ist das eine gute Idee, dass er nun fremd betreut werden soll? Wird es ihm schaden? Kommt er damit klar? Wird unsere Beziehung darunter leiden? Tausende Fragen und Ängste haben mich völlig überrollt. Durch diese Zeit half mir unsere Tagesmutter.

Grenzloses Vertrauen

Die richtige Tagesmutter zu wählen, war mir sehr wichtig. Als ich unsere das erste Mal traf, stimmte die Chemie zwischen uns und so suchte ich gar nicht weiter. Und mein Bauchgefühl hat mich nicht enttäuscht. Gerade in der Zeit, in der mein Sohn geweint hat, als ich wegging, gab sie mir so viel Sicherheit. Sie erklärte mir, dass er damit eh gut klar kommt und sich wohl fühlt, sobald ich aus den Augen bin. Sie schickte mir Fotos wie er spielt. Und besprach jedes Mal mit mir wie es lief. Bis ins kleinste Detail. Ich vertraute ihr völlig. Und ich bin überzeugt, dass dank diesem Vertrauen sich alles schnell gebessert hat. Schon in der dritten Woche hat mein Kleiner verstanden, dass ich wiederkomme. Mein Sohn ging nach wie vor gerne zur Tagesmutter und versuchte beim Abschied nicht zu weinen. Er wollte nicht weinen, denn er wusste, ich komme ja wieder. Es klappte nicht immer, allerdings merkte ich, dass er am Weg dorthin und auch am Weg nach Hause fröhlich und zufrieden war. Das bestätigte mich darin, dass es ihm gut geht.

Ungewollte Pause

Leider wurde er Ende der dritten Woche krank und ich ließ ihn zu Hause. Am Montag darauf hatte ich Angst, wie er reagiert. Doch er rannte gleich nach dem Aufstehen ins Vorzimmer und holte seine Schuhe. Er wollte gleich los. Auch am Weg war er bestens gelaunt. Dort angekommen rannte er in die Wohnung, ohne sich zu verabschieden. Ich habe es gerade noch geschafft ihm die Schuhe auszuziehen. Ich kann es nicht in Worte fassen, wie stolz ich war. Da wurde mir klar, wir haben es geschafft.

Stolz und Glück

Mein kleiner Bub ist schon ganz groß. Er bleibt ohne Mama und Papa, obwohl er bis jetzt kaum fremd betreut wurde. Er spielt mit seinen neuen Freunden und will nicht heim, wenn ich ihn abhole, weil es ihm dort so gut gefällt. Ich vermisse ihn schon, aber ich sehe, dass es ihm auch gut tut. Mehr Selbstständigkeit, viel Kontakt zu Kindern, ohne dass die übermotivierte Mama im Hintergrund steht. Wichtig ist, dass das Verhältnis zwischen uns und der Tagesmutter passt. Ich fühle mich wohl, wenn ich den Kleinen abgebe. Ich weiß, dass es ihm dort gut geht. Das ist das Einzige, was für mich zählt.

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Es war nicht einfach, ihn dort zu lassen, wenn er weinte, allerdings hat sich das schnell geändert. Es lag sicher an der ruhigen Art unserer Tagesmutter und auch daran, dass ich immer versuchte,  fröhlich und ruhig zu bleiben. Kein Bemitleiden, kein Stress. Ich gestaltete diese Zeit so angenehm wie möglich. Ich achtete sehr genau darauf, dass er sonst sehr viel Liebe und Aufmerksamkeit von mir bekommt. Ich lobte ihn dafür, dass er so brav bei der Tagesmutter geblieben ist. Und unsere gemeinsame Zeit gehörte nur ihm. Damit er nicht das Gefühl kriegt, dass ich jetzt plötzlich keine Lust mehr auf ihn habe. Ich blicke zuversichtlich in die Zukunft. Ich weiß, dass es immer wieder passieren kann, dass er weint. Ich bin darauf vorbereitet. Aber ich genieße jetzt meinen selbstständigen Sohn, der mir zuwinkt, wenn ich weggehe. Mein kleiner Bub ist nun groß und es erwarten ihn viele großartige Momente. Mit mir, aber auch ohne mich und das ist auch gut so.

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EIN ARTIKEL VON
  • Mirka Huber

    Ich bin Journalistin und seit 2016 Mama von einem Jungen. Seitdem ist mein Leben erfüllter denn je. Meine kleine Familie ist wie eine Ruheinsel, denn neben Beruf und Familie betreue ich noch eine Pfadfindergruppe. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Lesen, in der Natur, mit Freunden oder Sport.


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