Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

eine woche „coronaferien“: wie es uns als familie jetzt geht
23. März 2020

Eine Woche „Coronaferien“: Wie es uns als Familie jetzt geht


Die erste Woche ist geschafft. Sie beinhaltete eine komplette Umstellung auf Home-Office, Fernlernen und Multi-Tasking.

Die Arbeitsplätze sind mittlerweile fix verteilt. Die Große (11) lernt und arbeitet in ihrem Zimmer, die Kleine (8) auf dem Esstisch. Ich sitze neben der Kleinen, schreibe meine Artikel, beantworte meine Mails und betreue sowohl sie als auch den Geschirrspüler, der wenige Meter vom Esstisch entfernt steht.

Mittlerweile hat sich die Sache mit den Arbeitsaufträgen für die Kleine eingependelt. Nach Schwierigkeiten in den ersten Tagen, vor allem technischer Natur, landen diese jetzt pünktlich gegen 8.00 Uhr in meinem Posteingang. Ich drucke diese inklusive aller notwendigen Arbeitsblätter aus, bespreche das noch kurz mit ihr durch und beginne sodann in die Tasten zu hauen.

Natürlich nicht ohne Ablenkungen: „Papa, wie geht das noch einmal genau“ sind Fragen, die trotzdem noch kommen.

Wenn der Geschirrspüler dann noch piepst oder der Wäschetrockner Signale von sich gibt, dann lasse ich mich zudem leicht aus meinem Arbeitsprozess herausreißen. Die Große, die einen Stock höher sitzt und werkelt, organisiert sich weitestgehend selbst. Die Lehrer schicken ihr Arbeitsaufträge, sie destilliert daraus relativ autonom ihren tagtäglichen Arbeitsplan.

Zuständigkeiten und Aufgaben

Auch „Zuständigkeiten“ haben sich bereits herauskristallisiert. Ich bin, groß gesprochen, für alle Sprache-Fragen zuständig, meine Frau für mathematische und naturwissenschaftliche Fragestellungen. Das hat sich bewährt und läuft einigermaßen gut. Von Zeit zu Zeit kommen wir aufgrund dieser geschaffenen Struktur sogar zu völlig ungestörten Arbeitsstunden.

Und doch sie sind anders. Denn Staubkörner oder Brotkrümel am Boden sind plötzlich eine nicht zu ignorierende Störung, die sofort beseitigt werden muss. Und auch an die 10.00 Uhr-Jause der Kinder muss natürlich gedacht werden. Schließlich möchte man sie nicht völlig aus der gewohnten Routine reißen.

Andere Prioritäten

Unser Tag ist, zumindest was das Häusliche betrifft, deutlich strukturierter als vor der Krise. In der Früh wird fix gewaschen, was gewaschen werden muss, am Abend werden zum Teil schon Nachspeisen für den nächsten Tage vorbereitet.

Insgesamt essen wir wohl quantitativ ein klein wenig mehr, zumindest aber machen wir uns mehr Gedanken darüber, was wir in welcher Qualität essen. Es wird zweifellos, obwohl wir noch nie Anhänger von Fertigprodukten waren, deutlich mehr frisch und gemeinsam gekocht.

Auch am Esstisch bleibt jetzt mehr gemeinsame Zeit

Das Mittagessen dient uns allen als willkommene Zeit, in der wir nur auf uns und auf das Essen konzentriert sind. Wir müssen nicht mehr allesamt vieles zugleich stemmen. Multi-Tasking ist in dieser Zeit abgeschafft. Das sind die schönen Momente unseres neuen Zusammenlebens, das sehr viel in den eigenen vier Wänden stattfindet.

Das Hinausgehen hat sich auf ein Minimum beschränkt. Wir gehen einmal in der Woche einkaufen, ein wenig öfter zum sehr nahgelegenen Milchautomaten. Meine Frau und ich haben allesamt mehr oder weniger soziale Projekte am Laufen, die uns mit der Außenwelt in Verbindung halten.

Sie unterstützt soziale Einrichtungen mit ihren Kochkünsten, ich unterstütze befreundete Wirtsleute in diesen schweren Zeiten mit meinen Social-Media-Kenntnissen und Netzwerken.

Kleine Spaziergänge

Ab und zu gönnen wir uns auch einen kleinen Spaziergang abseits von Besorgungen & Co. Wir haben als Innsbrucker im Stadtteil Hötting den großen Vorteil, dass wir nicht mit dem Auto in Richtung Wald fahren müssen – davon abgesehen ist das derzeit verboten und unmöglich, da die diesbezüglichen Parkplätze gesperrt sind.

Der Wald tut uns gut!

Die kurzen Wege auf den Waldwegen, wo uns so gut wie keine Menschen begegnen, tun uns gut. Wir atmen durch, gehen still, halten Abstand. Aber wir selbst rücken dadurch näher zusammen.

Es geht uns grundsätzlich gut. Von dem Trubel in der Stadt vermissen wir weniger als angenommen.

Die Ruhe tut uns von Zeit zu Zeit sogar gut. Vor unserem Fenster hört man nicht mehr die Flugzeuge im Landeanflug, sondern die Vögel zwitschern.

Mal sehen, wie das in den nächsten Wochen aussehen wird.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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