Gottfried Hofmann-Wellenhof

Gottfried Hofmann-Wellenhof "Mein Tagebuch"

Sandburgen bauen - meinefamilie.at
10. August 2016

Eine Sandburg als Familienprojekt


„Papa, bau mit mir eine Sandburg!“ Täglich fordern mich meine lieben Kleinen im Urlaub dazu auf. Da ich kein Spielverderber sein will, rappele ich mich von meinem Liegebett hoch und hocke mich in den Sand. Bewundernd und ein wenig neidisch blicke ich zum Nachbarn zu meiner Rechten: Mit flinken Fingern formt er Turm um Turm, Zinne um Zinne. Er ist von seiner Bautätigkeit so gefangen genommen, dass er den Sonnenbrand auf seinem Rücken gar nicht spürt. Er schwitzt, teilt seinen Sohn für kleine Hilfsdienste ein und hebt zuletzt um die mächtige Burg einen Wassergraben aus.

Auch mein Jüngster hat das prächtige Kunstwerk entdeckt: „Papa, genau so eine will ich auch!“

Nun sollte ich vielleicht an dieser Stelle anmerken, dass ich nicht zu jenen Vätern zähle, die mit der Eisenbahn eigentlich lieber spielen als ihre Kinder oder aus vielen Holzteilchen filigrane Segelflugzeuge herstellen. Leider regt sich in mir bei diesen Tätigkeiten nicht das Kind im Manne.

Keine Erinnerungen ans Sandkuchenbacken

Warum ich mich jedoch nur schwer für das Buddeln im Sand motivieren kann, ist leicht erklärt: Ich mag den Sand nicht. Vielleicht hängt meine Abneigung damit zusammen, dass ich in meiner Kindheit niemals in einer Sandkiste saß und keinerlei Erinnerungen an Sandkuchenbacken oder Tunnelgraben habe. Auch bekam ich meines Wissens niemals vom Osterhasen Sandspielsachen. Meine Kinder hingegen bekommen jedes Jahr vom Osterhasen Sandspielsachen und wollen nun – verständlicherweise – damit spielen, und zwar zusammen mit mir.

Also grabe ich Löcher, oft mit bloßen Händen, sodass auch am Abend noch der Sand unter den Fingernägeln klebt. Am liebsten baue ich schlichte Hügel, von denen meine Kinder bunte Glasmurmeln in einen kleinen See rollen lassen. Da das stehende Gewässer ständig vom Austrocknen bedroht ist, müssen sie immer wieder Wasser holen.

Auf die Sandburg folgt die Muschelsuche

Plötzlich findet Jakob eine Muschel und beginnt weitere zu suchen. Auch Anna und Sophie füllen ihre Küberln nicht mehr mit Wasser. Als sie von ihrer Suchexpedition zurückkommen, ist der Murmelhügel vom Winde verweht und der See im Sand verschwunden.

In diesem Mikrokosmos eines Ferientages am Meer spiegelt sich für mich der Weltenlauf vom Werden und Vergehen, vom Aufbauen und Einstürzen, Wiederaufbauen und Wiedereinstürzen wider. Meine Kinder haben andere Gedanken.

Ich soll nun gemeinsam mit ihnen aus vielen bunten Muscheln verschiedene Muster machen. Ein neues Spiel beginnt.

Nächsten Mittwoch in Gottfried Hofmann-Wellenhofs Tagebuch: “Kampf mit dem Drachen

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


    Zum Tagebuch des Autors

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at