Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

hilfezuhause - meinefamilie.at
28. November 2018

Ein Plädoyer für mehr Mut sich helfen zu lassen


Die Hemmschwelle in schwierigen Situationen familienentlastende Dienste in Anspruch zu nehmen ist meist groß, ich kann sie aus eigener Erfahrung nur wärmstens empfehlen. Ein Artikel über MOKI, Familien Helferinnen & Co.

Gerade selbst von der Intensivstation entlassen benötigte ich meine ganze Kraft neben Milch abpumpen und eigener Genesung für die Besuche meines Frühchens auf der Baby-Intensiv-Station. Auch mein Mann war neben seinem Vollzeit-Job vollends damit beschäftigt zwischen meiner Station und der Kinder-Intensiv-Station hin und her zu flitzen, die in zwei verschiedenen Gebäuden untergebracht waren. Neben aufgelösten Omas und einer Horde von Verwandten, die alle organisiert gehörten, da pro Baby immer nur zwei Personen gleichzeitig auf die Baby-Intensiv-Station durften.

Unsere MOKI half

Wofür wir beide absolut keinen Nerv hatten, waren die Krankenhaus-Psychologen, die uns ständig mit ihrem Gesprächsangebot in den Ohren lagen, denn für Gespräche hatten wir zum damaligen Zeitpunkt weder Zeit noch Interesse daran. Was wir aber dankbar annahmen und wärmstens weiter empfehlen können ist das kostenlose Angebot der Mobilen Kinder-Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, kurz MOKI genannt. Der Verein MOKI stellt Familien in besonderen Situationen mobile Kinderkrankenpflege zur Verfügung, die ins Haus kommt und somit in der familiären Umgebung praktische Tipps für die Pflege der Babys gibt. Je nach Bedarf kam die mobile Kinderkrankenpflege ein bis dreimal pro Woche zu uns. Bezahlt wurde dies in unserem Fall von der Stadt Wien, dem Fonds Soziales Wien. Der Verein MOKI ist jedoch Österreichweit aktiv!

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Ein weiteres Angebot der mobilen Kinderkrankenpflege ist die Pflege von Kindern nach Operationen, Unterstützung von Familien mit chronisch kranken und schwer beeinträchtigten Kindern und die Begleitung bei der Pflege von sterbenskranken Kindern. Immer im häuslichen Rahmen, in ganz Österreich. Die Arbeit des Vereins ermöglicht es Familien ihre Kinder früher vom Spital nach Hause zu holen und dort bestens zu versorgen. Die fachliche und persönliche Unterstützung hat auch zum Ziel einem Burn-out der pflegenden Eltern zuvor zu kommen.

Angebot

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Mit unserer mobilen Kinderkrankenschwester haben wir – mittlerweile nach sechs Jahren – privat immer noch Kontakt und wir verdanken ihr nicht nur praktische Tipps in der Pflege, sondern auch persönliche Unterstützung als ich nach den ersten drei Monaten Stillen am Ende meiner Kräfte war.

Familienhelferin

Durch eine kurzzeitige Immunschwäche, aufgrund meiner schwierigen Schwangerschaft nahm ich ein paar Jahre später für ein paar Wochen eine Familienhelferin in Anspruch. Sie kam nach Absprache regelmäßig ins Haus, unterstützte mich bei Haushalt und Kinderbeaufsichtigung. Nach dem Einkommen gestaffelt zahlten wir nur einen geringen Beitrag dafür.

Als ehemalige Sozialarbeiterin habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Familien immer noch Angst haben, ihre Kinder könnten ihnen abgenommen werden oder sie als schlechte Eltern dastehen, wenn sie zugeben, dass sie Hilfe benötigen. Der Druck der Gesellschaft alles allein schaffen zu müssen ist sehr stark und nach Außen zuzugeben, dass man Unterstützung beider natürlichsten Sache der Welt benötigt, gleicht gefühlsmäßig einer Niederlage. In dieser Hinsicht möchte ich jedoch ermutigen sich mehr Unterstützung zu holen, denn gerade dies zeugt von einem hohen Verantwortungsgefühl dem Kind gegenüber.

Weitere Informationen zu MOKI – Mobile Kinderkrankenpflege – Mobile Familienhilfe der Caritas und Mobile Familienhilfe des Hilfswerk

Mittlerweile ist unser Sohn ein kleiner Riese für sein Alter, aufgeweckt, aktiv und gesund und keiner der unsere ganze Geschichte nicht mitverfolgt hat würde uns glauben, dass er je ein Frühchen war. Auch ich bin wieder gesund, fit und aktiv im Leben tätig. Und keiner der mich kennt würde es je für möglich halten, dass ich einmal Unterstützung im Haushalt nötig hatte. Auch für mich war es nicht leicht über meinen Schatten zu springen und fremde Hilfe ins Haus zu lassen, doch im Nachhinein gesehen die beste Entscheidung zur langfristigen Genesung.

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EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Als Sozialarbeiterin spezialisierte ich mich auf die Betreuung von schwerstbehinderten Kindern. Als Ausgleich unterrichtete ich Kinderturnen. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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