Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

Ein freier Abend für Mama - meinefamilie.at
3. Juli 2017

Ein freier Abend für Mama


Nach einem intensiven, schönen Tag mit der Familie erwartet mich heute ein ganz besonderer, ungewohnter Abend: ich habe „sturmfreie Bude“! Oder zumindest so ähnlich… Unsere drei großen Kinder sind im Jugendgebetskreis, Georg ist im Kino und unser Jüngster schläft bereits. Das heißt, in der Zeit von 20 bis 22 Uhr hab ich das ganze Haus für mich allein! Wow!

Das ist für mich etwas sehr, sehr Seltenes. Ich genieße diese besondere Situation und überlege, was ich nun mache. Ich bin hin- und hergerissen zwischen lautem Musikhören im Wohnzimmer und Ruhe-Genießen. Ganz in Feierlaune öffne ich eine Flasche Rotwein und zünde eine Kerze an. Ich hole mein Tagebuch und drucke ein paar Fotos aus. Hyggelig ein paar Nüsse knabbernd, schreibe ich die Erlebnisse der letzten paar Tage auf, die sehr turbulent waren. Ein Foto zeigt uns als ganze Familie in Tracht – alle bis auf Sara, die in ihrem weißen Erstkommunionkleid strahlt. Ich schneide das Foto aus und betrachte es genau. Wir hatten solchen Stress und auch einige Differenzen, um ja rechtzeitig mit allen Vorbereitungen für das Fest fertigzuwerden. Auf dem Foto merkt man das gar nicht. Wie nett wir hier alle aussehen!

Eine Familie mit Ecken und Kanten

Ich schmunzle.

Manchmal raubt mir das Leben in unserer großen Familie den letzten Nerv.

Ständig ist was los, die vielen Termine rauben mir Ruhe und Erholung. Aber wenn ich uns dann auf dem Foto sehe, merke ich, wie gern ich uns habe, als Familie. Keine perfekte Familie. Eher eine mit vielen Ecken und Kanten. Eine, in der lautstark diskutiert und gestritten wird. Eine, in der jeder seine Meinung vertritt. Aber eine, die zusammenhält. Die auch schwierige Phasen gemeinsam meistert. Eine, in der jeder einzelne wertgeschätzt wird und mal im Mittelpunkt stehen darf – wie diesmal Sara. Glücklich sieht sie aus. Zufrieden. Alle nehmen Anteil an ihrem besonderen Tag. Auch wenn die Jungs keine Fans davon sind, Anzüge zu tragen und lieber mit ihren Freunden Fußball spielen würden – sie sind dabei. Wir alle sind dabei. Weil es uns wichtig ist. Weil in unserer Familie jeder Einzelne wichtig ist.

Vor dem Haus werden Autotüren zugeschlagen. Ah, die Kinder sind zurück. Eine nette Bekannte hat sie heimgebracht. Wie schnell doch die Zeit vergangen ist… Ich empfange sie und frage sie, wie es war. Sara durfte zum ersten Mal mit und strahlt übers ganze Gesicht. Nun gehört sie auch schon zu den Großen… Ich schicke sie schnell ins Bett und räume meine Sachen im Wohnzimmer auf. Noch einmal fällt mein Blick auf das Familienfoto. Ich liebe unsere Kinder und ihren Papa. Ehrlich. Besonders an einem Tag wie heute.

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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