Alexandra Hogan

Alexandra Hogan "Mein Tagebuch"

Ehevorbereitung in Schottland
21. Januar 2020

Ehevorbereitung in Schottland


Ich sitze in einem Auto auf dem Weg von Glasgow nach Paisley, einer kleinen Stadt in den schottischen Lowlands. Neben mir ist mein Ehemann und Verlobter Charles und lenkt den Wagen durch den regnerischen Abend. Wir sind in einer merkwürdigen Situation: Vor wenigen Tagen haben wir standesamtlich geheiratet, aber die kirchliche Trauung findet erst in ein paar Monaten statt.

Einige Freunde haben gesagt „Ah, ihr fährt jetzt auf Hochzeitsreise“, aber der Grund, warum wir 1.500 km mit PKW und Fähre nach Großbritannien angereist sind, ist ein anderer.

Nach 20 Minuten Fahrt kommen wir bei einem schlichten Haus an. Beim Aussteigen geht mir ein kurzer Gedanke durch den Kopf: Was soll das jetzt werden? Der Mann, der uns öffnet, ist John Keenan. Er wird uns im Mai trauen.

Charles hat ihn während seines Studiums kennengelernt, als John Studentenseelsorger und Charles auf der Suche nach seiner Berufung war. Jetzt sind wir auf dem Weg in die Ehe und John ist Bischof von Paisley.

Keine 08/15 Ehevorbereitung

Als wir beschlossen haben, nach Schottland zu reisen, um Bischof John zu besuchen, sagte er sofort: „Dann nehmen wir uns gleich Zeit für eure Ehevorbereitung.“ Für Charles und mich war schon am Anfang unserer Verlobungszeit klar, dass wir keine 08/15 Ehevorbereitung machen wollen.

Ein typischer Tageskurs, den die meisten Brautpaare machen, ist zwar wichtig und gut, allein wäre er uns aber zu wenig. Mehrere Tage für einen längeren Kurs frei nehmen ist mit unseren unterschiedlichen Arbeitssituationen dennoch schwierig.

Im Laufe unserer Beziehung haben wir gemerkt, dass neben grundsätzlichen Themen, die bei einer „normalen“ Ehevorbereitung besprochen werden, auch viele persönliche Fragen aufkommen.

Oft fallen diese Fragen genau in Bereiche, die man mit den meisten Menschen nicht einfach so besprechen würde. Gerade deswegen ermutigen uns Gespräche mit anderen Ehepaaren, welchen die schon lange und anderen, die relativ frisch verheiratet sind, immer wieder.

Eine besondere Hilfe ist für uns ein befreundeter griechisch-katholischer Priester, der selbst verheiratet ist und Kinder hat. Die Möglichkeit, ein Thema zu dritt besprechen zu können, genau dann, wenn Fragen aufkommen, ist für uns eine unglaubliche Bereicherung.

Fragen, die ein wenig Bauchschmerzen bereiten

Wir sind mit dem Wissen nach Großbritannien gekommen, dass es ein paar Themen gibt, die noch zu Ende diskutiert werden müssen. Keine Fragen, die uns auseinandertreiben würden, aber dennoch welche, die uns ein wenig Bauchschmerzen bereitet haben. In einem „normalen“ Ehevorbereitungskurs werden sehr wichtige Themen wie die Berufung zur Ehe, Identität und auch einiges zur Trauung an sich angesprochen. Jedoch gibt es dabei meist nicht viel Raum, als Paar bzw. mit einer dritten Ansprechperson über diese Themen zu reden.

Wie wollen wir in der Ehe mit Konflikten umgehen und welchen Zugang zur Familienplanung sollen wir wählen? Im Gespräch mit Bischof John konnten wir unser Herz ausschütten, unsere je eigenen Sichtweisen darlegen. Meiner Meinung nach sind das Fragen, die man schon vor und nicht erst in der Ehe besprechen sollte. Das Treffen mit Bischof John war für uns ein Segen, denn am Ende konnten wir mit seiner Hilfe Lösungsansätze finden.

Mehr denn je haben wir gemerkt, wie gut es ist, auf dem Weg zur Ehe Begleiter zu haben, mit denen wir unter sechs Augen reden können. Menschen, die uns Raum für unsere eigenen Themen geben, für unsere Freuden, aber auch unsere Sorgen.

Und wir haben auch gemerkt, wie schön es ist, wenn sich Hirten in unserer Kirche Zeit nehmen, Seelsorger und damit mitten unter den Menschen zu sein.

 



EIN ARTIKEL VON
  • Alexandra Hogan

    Ich bin Theologiestudentin mit einer Leidenschaft für Journalismus und arbeite als Pressereferentin und Redakteurin in der Erzdiözese Salzburg. Zurzeit bereiten mein Verlobter und ich uns auf die Ehe vor – ein Thema, das uns beiden sehr am Herzen liegt und über das ich mir oft Gedanken mache. Privat bin ich begeisterte Tante und Dackelliebhaberin, und verbringe meine Zeit am liebsten mit Kochen, Musik und Büchern.


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