Gottfried Hofmann-Wellenhof

Gottfried Hofmann-Wellenhof "Mein Tagebuch"

Dreisprachige Erziehung – Daniel schweigt - meinefamilie.at
10. Juni 2017

Dreisprachige Erziehung – Daniel schweigt


Vor der Geburt unseres ersten Babys las Astrid viele Bücher, die sich unter anderem mit frühkindlicher Sprachentwicklung befassten. Man solle, so hieß es sinngemäß, mit Kleinkindern reden wie mit Erwachsenen.

Das führte hin und wieder zu kleinen Missverständnissen. So sagte ich einmal zu unserer jüngsten Tochter: „Schau, Sophie, was der Yorkshire-Terrier für eine originelle Rute hat!“ – Sophie: „Aber das Hundi hat doch ein Schwanzi. Der Krampus hat eine Rute.“ – Ich: „Ja, das ist richtig.“ – Sophie: „Und hat der Krampus auch ein Schwanzi?“

Wenn Kinder philosophieren

Meine Frau hat viele Jahre lang die originellsten Sätze unserer Kinder gesammelt. Dominiks hatte, wie mir scheint, schon mit vier Jahren einen erstaunlich elaborierten Wortschatz. So philosophierte er an einem schönen, warmen Frühlingstag:

„Die Sonne würde sicher gerne herunterkommen und mit uns mit dem schmutzigen Adidas-Ball spielen, aber sie muss immer am Himmel stehen und scheinen.“

Es ist erwiesen, dass Kinder, solange sie ganz klein sind, am leichtesten eine fremde Sprache erlernen. Deshalb gibt es viele Eltern, die ihre Kinder zweisprachig erziehen. Wie ein befreundetes Ehepaar, sie Österreicherin, er Brite. Als wir einmal gemeinsam in einem Café waren, saß ihr 3-jähriger Sohn in einem Kindersitz und unterhielt sich mit seiner Mutter in einwandfreiem Deutsch. Plötzlich war Musik zu hören. Liam hörte eine Zeit lang aufmerksam zu, bevor er sich in tadellosem Oxford-English an seinen Papa wandte: „Listen, Dad, is this Rachmaninow?“

Avuela, Grandma, Omama

Dass Kinder dreisprachig aufwachsen, ist, glaube ich, eher selten. Ich kenne nur einen kleinen Buben. Es ist mein knapp 14 Monate alter Enkel. Seine Mutter Nira, sie stammt von den Kanarischen Inseln, spricht nur Spanisch mit ihm, sein Vater Dominik, der drei Jahre in den USA verbracht hat, nur Englisch, seine Urgroßeltern, Großeltern, Tanten und Onkel Deutsch.

Kommt Daniel zu uns auf Besuch, sagt Nira, auf meine Frau zeigend: „Avuela“, Dominik ergänzt: „This is grandma“, Astrid zusammenfassend: „Ich bin deine Omama.“

Ob das Experiment erfolgreich ist, lässt sich noch schwer abschätzen. Daniel reagiert auf altersgemäße Weise: Er schweigt.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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