Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

Selbstständigkeit der Kinder als Anerkennung sehen - meinefamilie.at
29. September 2017

Die Selbständigkeit unserer Kinder als Anerkennung sehen


Der seit langem geplante Besuch bei Oma stand vor der Tür. Seit Tagen sprach unser Zwerg schon davon. Kein Wunder, denn bei ihr ist alles erlaubt, was zu Hause verboten ist! Zu Mittag sagte ich noch im Spaß zu meiner Schwiegermutter: „Omas dürfen Kinder verwöhnen, das ist ihre Rolle!“ Wohl wissend, dass es meine Rolle ist, der konsequente Elternteil zu sein, der tagtäglich das Ritual einhält und auch einmal NEIN sagen muss. Der darauf achtet, dass unser Kind kein Bauchweh bekommt, weil esnur Eis und Kuchen isst. Der Handschuhe und Haube aufsetzt und ermahnt, mit den Schuhen nicht in die Wasserlacke zu hüpfen. Natürlich immer gerade dann, wenn es am schönsten ist und unser Sohn unter keinen Umständen im Spiel gestört werden will.

Der Höhepunkt des Wochenendes war jedoch der Moment, wo mich unser Sohn hochkant hinaushaute: „MAMA WEG, MAMA AUSSI!“ Auf gut Deutsch, „Alte, du bist mir im Weg, ich will mit Omi spielen, verschwinde endlich.“ In solchen Momenten kann ich auf die Rolle des „bösen Cop“ echt verzichten!

Normalerweise ist unser Sohn kein großer Bekenner von Bussis und Kuscheleinheiten. Er ist ja schließlich schon groß! Doch egal wie konsequent und streng ich war, häuften sich paradoxerweise genau in diesen Tagen spontane Äußerungen wie „MAMA EI EI“ oder „MAMA LIEB“.

„Dein Kind fühlt sich sicher bei dir“

Da fiel mir wieder ein, was mir letztens eine Freundin sagte, die als Kindergärtnerin viel Erfahrung mit Kindern mitbringt. Früher hatte ich mich immer bei ihr beschwert, dass mein Kind nicht alleine spielt, und ich es unterhalten muss. Damals jedoch hatte ich mich ausgeweint, weil es mich seit kurzem im Park völlig ignorierte. Ich ging sogar so weit die Zeit zu stoppen, die es in der Sandkiste mit fremden Müttern und Kindern verbrachte und mich auf meiner Bank links sitzen ließ. Doch meine Freundin meinte nur, „Sei stolz auf dich, du hast alles richtig gemacht! Dein Kind fühlt sich so sicher bei dir, dass es weiß, egal was es macht, egal wohin es geht, du bist da. Nur so kann es die Welt erkunden. Wahrscheinlich ist es einfach schon reif für den Kindergarten.“

Da war er wieder dieser Aha-Moment. Die Erkenntnis, ja genauso ist es. Wenn mein Kind nicht wüsste, dass es sich auf mich verlassen kann, dass ich es im Grunde meines Herzens ganz fest lieb habe, dann könnte es gar nicht so selbständig sein. Das ist der Widerspruch im Leben. Nur die Sicherheit gibt uns Menschen die Kraft, ständig Neues zu erforschen und neue Wege zu gehen. Mir geht es ja genauso. Wenn ich mich wohl und in meiner Mitte fühle, gehe ich aus und probiere neue Hobbys aus. Doch wenn ich mich in nicht gut oder gar in meiner Partnerschaft nicht geborgen fühle, ziehe ich mich zurück.

Vielleicht ist es an der Zeit, die Selbständigkeit meines Sohnes nicht als Bedrohung, sondern als Anerkennung zu sehen!

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EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Als Sozialarbeiterin spezialisierte ich mich auf die Betreuung von schwerstbehinderten Kindern. Als Ausgleich unterrichtete ich Kinderturnen. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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