Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

21. Mai 2021

Die neue Normalität in der Schule hat begonnen


Ab sofort gilt in allen Schulstufen wieder der sogenannte Regel- und Präsenzunterricht. Der Start ist geglückt, birgt aber auch neue Herausforderungen.

Als oft im Home-Office arbeitender Vater hatte ich mich fast schon an den Anblick und an die Situation gewöhnt. Während die Kleine (9 Jahre alt) ganz normal in die Schule ging, hatte man an mehreren Tagen der Woche die Große (12) zuhause sitzend und an diversen Online-Meetings teilnehmend. 

Das tat sie mit abwechselnder Motivation und mit unterschiedlichem Styling-Willen. Das System dahinter, wann und in welchem Meeting sie gut angezogen oder gar mit Lipgloss vor dem Laptop saß und wann der Pyjama als Adjustierung reichte, hat sich mir auch nach Monaten dieser Art von absurder Normalität nicht erschlossen.

Keine Zufälle und Hybrid-Formen mehr

Während für die Kleine schon länger Schul-Normalität herrscht, hat diese für die Große soeben begonnen. In Sachen Styling war in diesem Fall zumindest alles klar. Legere Kleidung war kein Thema mehr, bereits am Vorabend wurde feinsäuberlich ausgewählt, was heute zu tragen ist. Das Glätteisen in der Früh lief zudem zu neuer Hochform auf. Am ersten Tag des neuen Schulbetriebs galt es nichts dem Zufall zu überlassen.

Doch im Vorfeld gab es von unseren Mädels auch Klagen. Klagen etwa, dass man nun plötzlich den Lehrer nicht mehr stumm schalten konnte oder schlechte Internetverbindung als Vorwand für das Ausfallen-Lassen von Meetings. Auch die relativ flexible Gestaltung von Kleidung und die bessere Integration von Spiel- und Online-Zeiten in den Unterricht wurden von unseren Töchtern lobend beim Home-Präsenz-Schooling-Hybridsystem hervorgestrichen.

Keine Vermischung mehr und endlich Klarheit

Damit passiert auch etwas, das so viele Eltern in den letzten Monaten als so belastend empfunden haben: Die Vermischung von Privatraum und Schulraum, von Privatem und Öffentlichem. Situationen, in denen man als Vater oder Mutter unbeabsichtigt in ein Online-Meeting platzt, waren zum Teil amüsant, meist aber eher nervig oder peinlich. Oder wer erinnert sich nicht daran, dass man sich, aufgrund Überlastung des heimischen W-Lan, eigene Meetings in Zeiten legte, in denen nicht beide Kinder zugleich in schulischer Absicht online sein mussten?

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Daraus ergeben sich selbstverständlich auch Vorteile. Man denke dazu nur auf die des Internetvertrages, der im Rahmen des allgemeinen Online-Wahnsinns erweitert und verbessert wurde. Davon, welche digitale Kompetenzen sich die Kinder für alle Zeiten angeeignet haben, hat man dabei noch gar nicht gesprochen.

Man kommt als Elternteil nicht umhin, jetzt aufzuatmen. Endlich ist alles wieder so, wie es sich historisch und gesellschaftlich durchaus als tragfähig herausgestellt hat.

Dennoch: Man kommt als Elternteil nicht umhin, jetzt aufzuatmen. Endlich ist alles wieder so, wie es sich historisch und gesellschaftlich durchaus als tragfähig herausgestellt hat. Jeder tut wieder das, was er am besten kann. Die Pädagogen unterrichten in den Schulen und sind in dieser Zeit auch dafür verantwortlich, was die ihnen Anvertrauten wie und in welcher Weise tun. Die Eltern zuhause und an ihren Arbeitsplätzen sind damit beschäftigt, den Alltag drumherum und darüber hinaus zu managen, zu organisieren und zu strukturieren.

Doch auch die Eltern haben, bei allen Mühen und Abwegen, etwas gelernt. Etwa, dass womöglich gar nicht immer die Lehrer das Problem sind, sondern auch die eigenen Kinder das eine oder andere Schäufelchen zur nicht immer optimalen Schul-Situation beitragen. 

So gehen, bestenfalls, alle gestärkt aus den letzten Monaten hervor: Die Kinder digital kompetenter und im Wissen, dass die oft so ungeliebte Schule nicht alternativlos und in schwierigen Zeiten auch als System fragil sein kann. Die Eltern mit einer ähnlichen Erkenntnis: Die Schule leistet Außergewöhnliches und erleichtert den Alltag und das Leben von Eltern in einem nicht zu unterschätzenden Ausmaß.

Im besten Fall hat auch das System Schule eine Erkenntnis, die sie aus diesen herausfordernden Zeiten ziehen kann. Etwa, dass sich digitale Mittel noch verstärkt in den Unterricht einbringen lassen und dass die Kommunikation mit den Schülern außerhalb der Präsenzzeit in der Schule lohnend sein kann.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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