Magdalena Preineder

Magdalena Preineder "Mein Tagebuch"

Die Freiheit, die in der Ehe liegt
10. Oktober 2019

Die Freiheit, die in der Ehe liegt


Letzten Sommer bin ich mit 21 Jahren vor den Traualtar geschritten. Schon während meiner Verlobungszeit bekam ich oft Reaktionen zu spüren, die keineswegs positiv waren. Auch nach meiner Eheschließung war es für viele nicht nachvollziehbar, wie ich in so jungen Jahren heiraten konnte.

Oft hat man mich schief angeblickt, für naiv und weltfremd erklärt, so wie mir die rhetorische Frage entgegen geschleudert, ob ich denn wahnsinnig sei. Mit 21 zu heiraten entspricht nicht dem Ideal vieler. Es steht dem Drang nach Freiheit entgegen, den viele meiner Altersgenossen zu ihrem Nordlicht gemacht hatten.

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Warum sollte ich mich freiwillig bis zum Tod binden?

Ich weiß noch gut, als ich eines Abends während meiner Verlobungszeit mit einer Freundin gemeinsam in den Gängen der Wiener Hauptuni am Boden saß und mich mit ihr auf eine Prüfung vorbereitete. Es sollte nicht lange dauern bis noch ein Freund von ihr dazu stieß und wir vom Prüfungsstoff immer weiter abschweiften bis hin zu persönlichen Themen. Als dieser Freund erfuhr, dass ich verlobt war, konnte er nicht fassen, warum ein so junger Mensch wie ich freiwillig heiraten sollte. Obwohl er selbst in einer Beziehung war, empfand er meine Heiratspläne als nicht ganz bei Sinnen.

Die Gedanken meiner Kritiker sind mir nicht ganz fremd

Ein Monat nach meiner Hochzeit war ich beim Pöllauer Jugendtreffen zugegen. Die meisten der Teilnehmer dort waren gerade am Beginn ihrer Teenagerzeit bis hin zu 15 oder 16 Jahren. Als ich all diese jungen Leute sah, die großteils noch nicht einmal einen Schulabschluss hatten, deren Berufswünsche sich vermutlich noch dreimal ändern würden, die hier einfach auf Kosten ihrer Eltern eine sorgenlose Woche verbrachten, begann ich nachzudenken. Meine Gedanken kreisten um das Thema Freiheit.

Hieß es Freiheit und Ehe, oder doch Freiheit versus Ehe?

Freiheit und Ehe, geht das überhaupt?

Als ich all die Jugendlichen dort sah, wurde ich mit dem konfrontiert, was ich nicht mehr hatte: Die Freiheit der Unabhängigkeit. Tatsächlich war es erst hier, nachdem ich meinem Mann das Ja-Wort gegeben hatte, dass ich mich zum ersten Mal fragte, ob ich etwas Geniales zugunsten der Ehe aufgegeben habe. Ich kämpfte mit mir, was eine ganz neue Erfahrung für mich war.

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Meine Ehe ist keine Beschränkung meiner Freiheit

So schwer es mir auch fiel, so nahm ich all meinen Mut zusammen, um mit meinem Mann gemeinsam über das Thema zu sprechen. Er war es, der mir zeigte, dass ich noch immer den Mount Everest besteigen kann, wenn ich das möchte.

Ich kann noch immer auf Kamelen reiten oder am Nordpol ein Iglo bauen. Ich kann noch immer einen Mädelstrip machen.

Ich kann noch immer meine Leidenschaften ausleben.  Das ich verheiratet bin, schränkt mich darin nicht ein, es bedeutet nur, dass ich die wunderschöne Möglichkeit habe, all diese Dinge gemeinsam mit meinem Ehemann erleben zu können.

Wie ich die Freiheit in der Ehe erfahren durfte

Kurz nach unserer Hochzeit bin ich an einer schwerwiegenden Depression erkrankt. Diese Erkrankung hat mein Leben auf den Kopf gestellt, doch durch sie als Wegbegleiter, habe ich erfahren, was christliche Freiheit in der Ehe bedeutet. Mein Mann und ich sind hin und wieder in den Bergen unterwegs, so ein Aufstieg kostet Kraft und es ist wichtig aufeinander Acht zu geben.

Meine Depression ist uns beiden oftmals wie so ein Berg vorgekommen. Doch egal wie schwer und herausfordernd der Aufstieg auch war, mein Mann war an meiner Seite, so wie er es mir am Tag unserer Hochzeit versprochen hat. Wir haben erfahren, dass wenn man den Weg des Kreuzes mit Gott geht, selbst mächtige Wasser die Liebe nicht löschen können.

Gott befähigt meinen Mann und mich, uns für einander hinzugeben, Opfer zu bringen, gerecht und barmherzig am Anderen zu handeln, danach zu streben das Hohelied der Liebe (1 Kor 13) zu leben. Und das ist unsere Freiheit, denn wir folgen dem Ruf, den Gott in unsere Ehe eingeschrieben hat.

 



EIN ARTIKEL VON
  • Magdalena Preineder

    Gott, mein Ehemann und das Schreiben sind die drei großen Lieben meines Lebens. Wenn ich nicht gerade etwas für mein Theologiestudium erarbeite, findet man mich an der Gitarre, auf Pferderücken oder irgendwo zwischen Nonstop-Lachen und Deep-Talks führen mit Freunden. Seit kurzem blogge ich zudem auf meiner eigenen Website www.herzvoll.com.


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