Henning Klingen

Henning Klingen "Mein Tagebuch"

dauerkrank - meinefamilie.at
19. März 2019

Dauerkrank: Familie im „Survival-Modus“


Erst Verkühlungen, dann Fieber, dann Husten – und dann alles wieder von vorn… Wenn der auslaufende Winter an den Kräften zehrt und gesundheitlich der Wurm drin ist, betrifft das die ganze Familie.

17.280. So lautet nicht etwa der Betrag eines unverhofften Geldregens, sondern vielmehr jene Zahl an Hustenattacken unserer Kinder, die in den letzten Tagen an unseren elterlichen Nerven gezerrt haben. Grob geschätzt, gewiss. Aber nicht unrealistisch. Denn seit vier Tagen husten sich unsere drei Kinder nun schon die Seele aus dem Leib. Von bereits mehrfach wiedergekehrten Fieberschüben ganz zu schweigen. Bei 12 Stunden Wachzeit täglich pro Kind und einer Hustenattacke etwa alle 30 Sekunden kommt man tatsächlich auf diese rund 17.280 Husten.

Natürlich bekommen unsere Kinder Hustensäfte. Auch diverse Tropfen und Inhalationen. Aber am Ende bleibt’s ein viraler Infekt, der uns allesamt lahmgelegt hat. Erst war’s nur eine Verkühlung – jahreszeitengemäß sozusagen. Nicht weiter tragisch. Auch haben wir uns nichts weiter dabei gedacht, schließlich waren wir bis dato halbwegs gesund durch den Winter gekommen. Seit einigen Jahren aber beobachten wir, dass wir als Familie immer in etwa zur selben Jahreszeit krank werden. Und zwar heftig. Es ist jene Zeit Anfang bis Mitte März, wenn der auslaufende Winter langsam an den (Abwehr)Kräften zehrt, bis schließlich ein harmloser Schnupfen genügt, um unser familiäres Gleichgewicht aus den Fugen geraten zu lassen.

So auch dieses Mal. Erst ein paar Triefnasen und Nieser. Dann bei zwei Kindern erhöhte Temperatur. Schließlich bei allen dreien 39,5 Fieber. Und dann schließlich dieser elende, die Nerven auf eine arge Probe stellende Husten. Hilft hier und da ein Nureflex zur Senkung allzu hoher und vor allem langer Fieberphasen, so sollen süße Hustensäfte aller Art die Atemwege beruhigen. Theoretisch. Praktisch sind sie wohl vor allem lecker, weil süß.

Und dann heißt’s vor allem: Durchhalten, Durchtauchen und den drohenden Lagerkoller in Schach halten. Das gelingt wohl in jeder Familie anders. Bei manchen wird der Fernseher zum Tagesbegleitmedium – bei uns sind es Hörspiele und Vorlesemarathons. Diese treffen gewiss vor allem meine Frau, die derzeit nicht berufstätig ist und sich um die Kinder kümmert, Arztbesuche organisiert und sich in diesen Phasen oft nichts sehnlicher wünscht, als dass die drei Kinder abends endlich – hustenfrei – im Bett liegen; nur, um dann selbst nach wenigen Minuten auf der Couch einzuschlafen…

Und wenn am Wochenende unter Geröchel und Gehüstel die ganze Familie ermattet auf der Couch hängt, blicken wir sehnsüchtig in den trübgrauen Himmel vor dem Fenster und auf die nassen Blätter, die auf der Terrasse kleben und wünschen uns Ostern herbei: Heuer sehr spät – ein Frühlingsfest. Bis dahin sollte das gesundheitliche Jammertal wohl durchschritten sein; ein langer Weg liegt noch vor uns – auch eine Form familiärer Fastenzeit

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Henning Klingen

    Semmeln heißen bei mir Brötchen, Erdäpfel Kartoffeln. Selbst nach 14 Jahren in Österreich halte ich die Fahne meiner niederrheinischen Heimat hoch. Von meiner Frau und meinen drei Kindern belächelt. Beruflich bin ich als Journalist für die Presseagentur Kathpress sowie die Zeitschrift „miteinander“ tätig.


    Zum Tagebuch des Autors

1 Kommentare
  • Conny, 22. März 2019, 20:05 Antworten

    Dabei ist es „nur“ eine Erkältung. So eine hat unsere Jüngste Anfang Dezember nach ihrem Start in der Krippe mitgebracht. Danach ging es Schlag auf Schlag: Bauchgrippe unterm Weihnachtsbaum, Mittelohrentzündung, Bronchitis, die echte Grippe, Lungenentzündung und Ringelröteln. Anfang März bin ich das erste Mal zum Durchatmen gekommen.... Den Vergleich mit der Fastenzeit find ich gut, da hab ich jetzt ein paar Jahre gut 😊

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at