Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

Corona Wie wir jetzt auf die Schulöffnung warten
4. Mai 2020

Corona: Wie wir jetzt auf die Schulöffnung warten


…und uns dennoch Sorgen machen, wie es sein wird. Aber so wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen.

Wir haben aufgehört die Wochen zu zählen. Mit täglichen Lagebesprechungen mit unseren Mädels (11 und 8) beim Frühstückstisch. Tagesaufgaben in Sachen Schule wollen strukturiert sein, diesbezügliche Arbeitsaufträge ausgedruckt, der täglich steigende Frust der Kinder abgefangen und in temporäre Motivation verwandelt sein.

Kein leichtes Unterfangen

Aber es gelingt von Zeit zu Zeit tatsächlich. Zumal dann, wenn wir unsere Befindlichkeiten selbst zurücktreten lassen und uns gänzlich auf die Bedürfnisse unserer Mädels konzentrieren. Das schlaucht. Und wenn wir am Abend zusammensitzen, die Mädels bereits im Bett, sind wir sehr erschöpft.

Schulöffnungen – Wie wird es werden?

Es war ein Hoffnungsschimmer. Ein sogenannter, wie es der Gesundheitsminister öfter in anderen Kontexten sagte, ein Silberstreif am Horizont. Als verkündet wurde, dass die Schulen am 15. bzw. effektiv am 18. Mai für unsere Mädels wiedereröffnet werden (sie fallen in die besagte Altersgruppe, die in dieser Phase wieder in die Schule darf), war erst einmal Freude da. Ein Aufatmen. Die Hoffnung, dass es jetzt wieder anders werden würde. Denn so, wie es jetzt war, konnte es nicht bleiben.

Doch wie würde dieses „Anders“ aussehen?

Details sind ja schon durchgesickert. Es schaut zumindest so aus, als ob die Kinder keine Masken tragen müssten. Zumindest nicht im Unterreicht. Unsere Große aber offenbar in der Pause. Ein unbeschwertes miteinander reden, das miteinander Tuscheln würde es aber wohl nicht geben. Unsere Kleine, wird vermutlich von der Maskenpflicht verschont bleiben.

Doch auch hier: Wie würde es in den Pausen sein?

Bislang hatte man da bei schönem Wetter auf dem Pausenhof einfach ein bisschen gespielt. Fangen, Fußball oder ähnliches. All das ist jetzt problematisch. Ein diesbezüglicher Bericht von einem Kindergarten hat uns beiden Tränen in die Augen getrieben.

Ein Kind sagte zum anderen, dass es bitte Abstand halten solle. Das fanden wir, obwohl natürlich pragmatisch und zur Verhinderung einer sogenannten „zweiten Welle“, unfassbar traurig.

Der Spielkamerad wird dadurch zu einer potenziellen Bedrohung. Dieses Denken ist auch schon in die Köpfe unserer Kleinsten eingesickert.

Wie wird das Lernen sein – wie koordinieren wir die „neue Normalität“?

Wir wissen nicht, wie es sich für unsere Kinder anfühlen wird. Kommen sie nach Hause mit einem Lächeln? Mit Freude darüber, dass sie jetzt zumindest ein paar Mal in der Woche ihre Schulkollegen und Freunde wiedersehen und sich mit diesen auf nicht-virtuellem Weg austauschen können? Oder ist die Enttäuschung vorherrschend, dass es sich anders anfühlt jetzt in die Schule zu gehen? Irgendwie verkrampft, unnatürlich, übervorsichtig? Existiert dann noch eine Leichtigkeit, ein freudvoller Umfang miteinander?

Auch die „aufgeteilte Schule“ bereitet uns jetzt schon Kopfzerbrechen

Während wir von unserer Kleinen schon wissen, in welcher Gruppe sie sein wird und in welchem Rhythmus sie in die Schule geht, wissen wir es bei unserer Großen noch nicht. Optimal wäre es natürlich, wenn sich der Rhythmus bei beiden Mädels ähnlich wäre. Ansonsten haben wir es mit einem Flickwerk zu tun. Mit einer Situation, die unter Umständen der jetzigen Home-Schooling-Situation mehr gleicht als uns lieb ist.

Wie bereiten wir uns vor?

Wie sollen wir uns darauf also effizient vorbereiten? So ganz genau wissen wir es nicht. Auch weil wir im Moment nicht die Kraft dazu haben. Die aktuellen Tage fordern uns voll und absolut heraus.

Vieles ist noch unklar. Dennoch trudeln fast täglich „News“ aus den Schulen bei uns ein. Es wird informiert oder auch darüber informiert, dass auch die Schulen noch nicht vollständig informiert sind. Dass wir tagtäglich über diverse Tools Nachrichten bestätigen müssen, ist ein weiterer Ermüdungs-Faktor. Dennoch sind wir oft so klug als wie zuvor.

Was haben wir aus dieser Zeit bislang gelernt?

So banal es klingt, aber: Alles geht nicht. Aufgaben, die freiwillig in den diversen Posteingängen der School-Tools gelandet sind, sind einfach liegengeblieben. Auch Religion hat es zugegebenermaßen getroffen. So löblich es ist, dass die Lehrerinnen in diesem Kontext schöne und freudvolle Aufgaben geben wollten, so sehr ist uns das zu einer zusätzlichen Belastung geworden. Auch Freizeit-Tipps des Nachmittags-Betreuungs-Teams sind ungenutzt und ungeöffnet liegen geblieben. Stattdessen fokussierten wir uns zusammen mit unseren Mädels auf die Hauptfächer und auf die Pflichten.

Wir hoffen, dass das auch nach der Schulöffnung so sein wird. Dass Essentielles von Freiwilligem getrennt wird. Und dass dennoch die Freude und das Schöne nicht verloren geht. Dass dafür auch noch Zeit bleibt.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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