Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

Corona: Wie es jetzt für uns nach Ostern weitergeht
15. April 2020

Corona: Wie es jetzt für uns nach Ostern weitergeht


Ostern ist gefeiert. Anders als sonst. Aber immerhin gefeiert. Noch haben wir genug Kraft um durchzuhalten. Aber wie lange noch?

Es war anders als normalerweise

Ostern zu viert zu feiern, also mit unseren beiden Mädels, hat uns vor große Herausforderungen gestellt. Wir wollten beispielsweise die liturgische Kraft des Osterfestes in die Familie hereinholen. Das ist uns zum Teil auch gelungen: Wir haben uns an liturgischen Formen orientiert, gemeinsam gebetet, die jeweiligen biblischen Geschichten gemeinsam gelesen und interpretiert.

Wir haben uns ins Zeug gelegt

Neben den liturgischen Komponenten galt es freilich handfest, die kulinarische Ebene des Festes abzufangen. Wir haben uns ins Zeug gelegt, Lamm gekocht, gemeinsam Nachspeisen fabriziert. Natürlich nicht ohne zuvor den obligatorischen Osterputz erledigt zu haben. Bei letzterem mussten wir Abstriche machen. Das Fensterputzen musste beispielsweise ausfallen. Denn heuer wollte meine Frau zum ersten Mal einen „Reindling“ backen, eine Spezialität aus ihrer Herkunftsregion.

Alles auf einmal geht nicht

Es gab also vor allem eine Erkenntnis, die wir auch über Ostern hinüberretten wollen:

Alles geht nicht. Man muss auch mal fünfe gerade sein lassen und schauen, dass es einem selbst und der Familie gut geht.

Dazu muss man auch Abstriche machen und manches liegen lassen. Und sich Zeit für sich selbst gönnen. Wald statt Staubsauger und Staubwedel gewissermaßen. So entstehen neue Formen des Zusammenseins, die einigermaßen entspannt ablaufen können.

Neue Ziele und neue Motivation

Nicht ersetzen konnten wir freilich die Anwesenheit der zahlreichen Verwandten und Freunde, denen man sonst in der Osterzeit begegnet. Nur virtueller Kontakt ist möglich. Bei den meisten begnügen wir uns mit kurzen Videoclips, die wir ihnen über WhatsApp schicken, in der Hoffnung, dass wir ähnliche Videos zurückbekommen, die uns erfreuen.

Oma und Opa rufen wir via Videotelefonie an. Das sind dann Augenblicke, in denen wir uns unseren Liebsten in der Ferne ganz nahe fühlen. Umso schlimmer ist es dann aber, wenn das Telefonat vorbei ist. Denn ist die Leere und die Stille der Abwesenheit kurzfristig schwer zu ertragen.

Doch wir haben uns

Und wir gehen dann einfach wieder zur Tagesordnung über. So wie jetzt, wo die Festtage bereits vorbei sind und wir ein neues „Ziel“ brauchen, auf das wir gewissermaßen hin fiebern. Auf das wir uns freuen. Bisher war das das Osterfest. Eine Zeit, bei der sich schnell abzeichnete, dass sie anders sein würde als gewöhnlich. Aber trotzdem schön. Das ist uns gelungen.

Jetzt ist es ein etwas „weltlicheres Ziel“ geworden. Der 30. April steht dafür als Datum parat. Das ist der Tag, an dem die Bundesregierung verkündet hat, die derzeitigen Ausgangsbeschränkungen entweder zu verlängern, zu adaptieren oder zumindest in der Form zu überdenken.

Die Hoffnung bleibt!

Das heißt für uns, so hoffen wir es zumindest, dass wir ab Mai unsere Liebsten, natürlich mit dem notwendigen Sicherheitsabstand, vielleicht sehen können.Vielleicht geht sich dann nur ein kurzer Spaziergang aus. Im Freien. Mit Abstand. Mit Gesichtsmaske. Aber es wäre dennoch mehr als immer nur virtuelle Kontakte.

Man könnte freundliche Augen aus nächster Nähe sehen. Ganz unverpixelt und ohne etwaige Störungen bei Skype oder ähnlichen Plattformen. Die Stimme der anderen Person würde sich ganz natürlich im Raum ausbreiten, ohne zwischengeschaltetes Medium.

Was aber, wenn diese Erleichterung gar nicht kommt?

Welches Ziel haben wir dann noch? Und ja: Wir haben uns aneinander und an die besondere Situation „gewöhnt“. Es gibt sehr viele schöne Momente. Aber auch Zeiträume in denen sich alles so anfühlt, als sei es ein schlechter Traum, aus dem man nicht mehr aufwachen kann.

Der Effekt der Gewöhnung zieht auch nach sich, dass sich alle Tag ein wenig ähnlich anfühlen. Die von uns aufgebauten Strukturen, sich naturgemäß derzeit primär zu Hause festigen, lassen die Zeit verschwimmen. Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, bewusster zu leben und bewusster zu erleben. Im Hier und jetzt zu sein Und nicht auf ein Datum hinzusteuern.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


    Zum Tagebuch des Autors

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at ✰