Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

Corona Was wir nach einer Woche Schule gelernt haben
25. Mai 2020

Corona: Was wir nach einer Woche Schule gelernt haben


Die erste Schulwoche ist geschafft. Erleichterung mischt sich mit Enttäuschungen. Endlich nicht mehr exzessiv Online-Tools nützen. Endlich nicht mehr Hausaufgaben einscannen und darauf achten, ob die beiden Mädels (8 und 11) alle Aufgaben termingerecht erledigt haben. Insofern hat sich das bewahrheitet, was von der Schule wenige Tage vor der Schul-Wiedereröffnung vollmundig verkündet wurde: „Ab Montag übernehmen wieder wir!“

Auch der Drucker steht seither (fast) still. Arbeitsblätter müssen nicht mehr erst mühsam ausgedruckt und zuvor in den Wirren der Online-Schulwelt überhaupt erst gefunden werden. Die Arbeitsblätter liegen bequem, und da klinkt sich die Schule als „Dienstleister“ wieder voll ein, ganz einfach in der Schultasche und wurden sodann den Töchtern mitgegeben.

Verbesserung und Enttäuschung

Insofern gibt es tatsächlich Verbesserung. Die Tage, an denen zeitgerecht alle Aufgaben in guter Foto- oder Scan-Qualität im Posteingang der jeweiligen Lehrerinnen und Lehrer liegen mussten sind glücklicherweise gezählt. Die Zeiten der absoluten Selbstorganisation im Eltern-Kind-Gespann gehören der Vergangenheit an.

Es ist aber nicht dasselbe wie zuvor

Unsere Kleine (8) hat die Woche beispielsweise, wie es die Teilung der Klasse auch vorsieht, mit nur zwei Schultagen beendet. Danach ging es wieder in die Hausübungsphase, also in die Erarbeitung von gestellten Aufgaben an den restlichen Tagen.

Tatsächlich ist das dann wenig anders als zuvor. Das Frustlevel von ihr ist immer noch erstaunlich niedrig.

Wochen von „Home-Schooling“ haben sowohl bei ihr als auch bei uns ihre Spuren hinterlassen. Wir bemühen uns, sind aber auch genervt. Insgeheim wünschen wir uns eine ganz „normale“ Schule, in der der Schulbetrieb einen großen Teil des Arbeitsprozesses auffängt und gewährleistet.

Unsere Große (11) geht besser mit der Situation um

Sie ist es gewohnt allein und gewissenhaft zu arbeiten. Manchmal scheint es so, als ob der Unterschied gar nicht groß wäre zwischen der Situation, dass sie in der Schule ist oder ob sie zuhause arbeitet. Wenn sie in ihren „Lern-Flow“ kommt, sieht man sie oft stundenlang nicht. Der Kleinen (8) ist aber zum Teil die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Zwei Tage Schule, so sehr sie sich im „Normalbetrieb“ ob schon am Dienstag das Wochenende herbeiwünschte, waren ihr einfach zu wenig. Kaum hatte sie, ihrem Eindruck nach, mit der Schule angefangen, war sie auch schon wieder zu Ende. Das Wiedersehen mit ihren Freundinnen hat sich, wegen Maskenpflicht in der Schule, auch etwas anders und zwangsläufig mit weniger körperlicher Nähe als erwartet abgespielt.

Kompensation und Privatraum

Letzteres haben wir versucht mit privaten Treffen zu organisieren. Beispielsweise am Spielplatz. Natürlich auch mit dem Hinweis versehen, dass ein wenig Distanz gut wäre. Auch wenn es uns damit schlecht ging: Eine herzliche Umarmung der zwei Freundinnen zum Abschied nach einem Spielnachmittag hat uns beunruhigt und uns zu einer kleinen, wenngleich liebevollen Ermahnung ermuntert.

Im Großen und Ganzen hat es aber hingehauen. Das Thema „Abstandhalten“ ist in den Köpfen unserer Kinder angekommen.

Das ist einerseits gut, andererseits aber auch traurig. Wird es ihnen denn leichtfallen, diese Haltung gegenüber anderen Menschen wieder abzuschütteln oder bleibt ihnen diese leichte Angst, dem anderen gegenüber als potentieller „Gefährder“ längere Zeit erhalten?

Die Gespräche, die ich auf dem gemeinsamen Schulweg mit meiner Tochter mitbekommen, irritieren mich jedenfalls. Viel dreht sich um die Maskenpflicht. Einige Kinder vergessen auch jetzt, eine Woche nach der Schulöffnung, noch ihre Masken zuhause und müssen schnell kehrt machen und diese zuhause noch holen. Eltern diskutieren mit ihren Kindern, was die Maskenpflicht betrifft. Weder Eltern noch Kinder schauen glücklich dabei aus. Das Bild, Kinder mit Masken in die Schule gehen zu sehen, ist für mich noch immer nicht normal. So sehr man sich in Geschäften schon fast daran gewöhnt hat, bleibt dieser Anblick befremdend.

Die Unsicherheit ist groß

Ob dennoch bald wieder Normalität einkehrt und wir uns in der Situation einrichten werden? Vermutlich. Aber wir fragen uns jetzt schon, was nach den Sommerferien sein wird. Geht es so weiter wie jetzt oder gibt es wieder „Normalbetrieb“? Die Unsicherheit ist groß. Aber die Zeit wird Gewissheit bringen. Hoffentlich.


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