Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

„Corona Krise“Osterferien im Ausnahmezustand
9. April 2020

„Corona-Krise“: Osterferien im Ausnahmezustand


Drei Wochen haben wir schon hinter uns gebracht und dabei einiges an Strukturen und Alltag in die plötzlich ganz anderen Tage gebracht. Jetzt, da „Corona-Ferien“ auf Osterferien treffen, gerät alles ins Wanken.

Aufstehen, Frühstücken, Tagespläne.

Der Alltag bis dahin war klar. Aufstehen, Frühstücken, Tagespläne. Aufstehen zu einer „normalen“ Zeit, also zu einem Zeitpunkt, der auch jenen in der Schule gleicht. Vielleicht ein paar Minuten später, wie es unserem eigentlichen, natürlichen Rhythmus als Familie entspricht. Aber wie saßen immer zu einem ähnlichen Zeitpunkt am Frühstückstisch, die Rituale ähnelten sich, die Tagespläne und schulischen Arbeitsaufträge wurde mit einer gewissen Souveränität verteilt.

Jetzt ist es anders: Es sind Ferien.

Und wir ein wenig ratlos. Ferien, das heißt normalerweise auch, dass die Uhren anders ticken. Wir stehen damit vor einem Dilemma. Halten wir den Alltag so aufrecht, wie es sich bisher bewährt hat? Das würde aber nach sich ziehen, dass es eben keinen Unterschied zwischen „Corona-Ferien“ und „echten“ Ferien mehr gäbe. Sollen wir, zumindest bei unserer Jüngeren, selbst Aufgeben generieren, damit alles beim Alten bleibt? Das würde vermutlich nicht funktionieren, denn sie würde das „Spiel“ durchschauen.

Kollision der Bedürfnisse

Wir haben uns also für Ferien entschieden. Und quasi für Basteln statt Hausaufgaben, für Freispiel statt Strenge. Das hat Konsequenzen dahingehend, dass alles ein wenig fragiler ist.

Am ersten Tag hat es so gut wie gar nicht funktioniert, die beiden Mädels haben sich wahlweise gelangweilt, gestritten und sind dann doch zum Teil in ihre Tätigkeiten versunken.

Es war ein Wechselbad der Gefühle, das vor allem damit kollidierte, dass wir uns beide im Homeoffice befanden.

Während meine Frau im unteren Stock eine wichtige Videokonferenz ohne „Störgeräusche“ versuchte, wollte ich im oberen Stock einen Artikel verfassen. Das funktionierte sehr bedingt, denn die Fragen und die Unsicherheiten der Kinder ob der unsicheren Tagesplanung waren omnipräsent. Das wiederum hatte und hat Konfliktpotential.

Neuer Anlauf

Aus diesem Fehler haben wir relativ rasch gelernt. Und nahmen einen neuerlichen Anlauf. Ab sofort wurde besser geplant und auch besser „konzipiert“. Vor allem aber: Wir gönnten uns auch „Ferien“. Wir versuchten unseren Tag nicht mehr mit Terminen vollzustopfen im Glauben, dass wir jetzt möglichst viel Geld scheffeln müssten. Jetzt, in diesen Krisenzeiten.

Der Impuls dahinter war klar: Wir wollten unsere Arbeitswelten vor dem Kollabieren retten. Zum Glück hatten wir nämlich beide noch Jobs. Meine Frau als leitende Angestellte, die nicht gekündigt ,sondern lediglich ins Homeoffice verpflanzt wurde. Ich, als freier Journalist und selbständiger Texter, dem zwar einige Aufträge – vor allem im Kulturbereich – weggebrochen waren, der aber nach einigen anfänglichen Tagen der Unsicherheit neue Segmente für sich entdeckt hatte und sich in der Krise ein wenig neu positioniert hatte. Es ging uns eigentlich gut.

Entschleunigung

Wir entschlossen uns also zu Einem: Zur Entschleunigung. Zum Verlagen von Aufgaben, etwa in die Abendstunden. Für Zeit in der Ferienzeit, die wir ganz aktiv und bewusst mit unseren Kindern in den eigenen vier Wänden und zum Teil bei kleinen Spaziergängen im Wald verbrachten.Es funktionierte. Unsere Kinder waren glücklich und wir auch. Es gab keine Interessens-Kollisionen mehr.

Nur manchmal plagte uns als Eltern das schlechte Gewissen. Dahingehend, dass wir eigentlich mehr arbeiten sollten und uns auf die Zeit „Danach“ vorbereiten sollten. Damit alles so weitergehen kann wie bisher. Aber wer weiß: Vielleicht wollen wir das auch gar nicht mehr?

Vielleicht kommen wir als Familie mit „Weniger“ aus und investiere künftig mehr Zeit in „Uns“. Gut denkbar, dass wir uns als Eltern in Zukunft mehr Freiheiten in unserem Beruf nehmen – weil es an sich möglich ist und es nur an unserem Übereifer liegt, dass wir es zum Teil nicht tun.

Eines ist klar: Die Krise hat uns als Familie verändert. Vermutlich nicht nur zeitweise, sondern für immer.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


    Zum Tagebuch des Autors

meinefamilie.at ✰

Melde dich zum Newsletter an
Als Willkommensgeschenk erhältst du unser gratis E-Book zum Thema Nachhaltigkeit im Familienleben.
*Wir verschicken keinen Spam und du kannst dich jederzeit wieder mit nur einem Klick abmelden.
Melde dich zum Newsletter an
Als Willkommensgeschenk erhältst du unser gratis E-Book zum Thema Nachhaltigkeit im Familienleben.
*Wir verschicken keinen Spam und du kannst dich jederzeit wieder mit nur einem Klick abmelden.