Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

„corona ferien“:diedrittewochedesausnahmezustandes
31. März 2020

„Corona-Krise“: Die dritte Woche des Ausnahmezustandes


Die Zeit verfliegt. Zwei Wochen „Corona-Ferien“ liegen jetzt schon hinter uns. Die dritte Woche ist gerade angebrochen. Wir haben einiges gelernt – auch über uns selbst.

Das meiste funktioniert

Die Aufgaben sind gut verteilt. Es hat sich so etwas wie Alltag breit gemacht. Ein Alltag, der sehr stark auf der funktionalen und strukturellen Ebene zu greifen begonnen hat und immer mehr um sich greift.

Die Tage ähneln sich, die bewusste Zeitwahrnehmung verschwimmt. Wenn man uns sagen würde, dass wir jetzt schon vier Wochen in dieser Ausnahmesituation miteinander lebten, dann würden wir das zweifellos glauben.

Man könnte somit von einer Art Gewöhnung sprechen. Wir haben uns damit abgefunden, dass einiges nicht gut.

Etwas längere Spaziergänge oder das Besuchen der Großeltern. Auch, dass wir zusammen zu Ostern mit allen Verwandten feiern können, haben wir unter die Kategorie Unmöglich verbucht.

Rituale sind, abseits von Homeschooling-Alltag & Co., ebenfalls schon eingeschliffen. So schauen wir uns einmal am Tag gemeinsam mit den Kindern komprimiert Nachrichten zu den neuesten Entwicklungen an. Wir haben das Gefühl, dass wir unseren Kindern die Wahrheit zumuten können.

Gemeinsame Überlegungen und Maßnahmen

Längere Reportagen, etwa solche über die Zustände in Italien, ersparen wir ihnen aber dennoch. Wir konzentrieren uns gemeinsam als Familie auf die Zustände in Tirol und Österreich und überlegen uns, was wir konkret zur Verbesserung der Situation beitragen können. Andernfalls, auch angesichts der Weltlage, würden wir uns hilflos und überfordert fühlen.

Vor allem auch die zahlreichen Pressekonferenzen mit dem Bundeskanzler schauen wir uns gemeinsam an. Wir fühlen uns in guten Händen. Dennoch haben wir Sorge vor einer Verschärfung der Maßnahmen.

Davor, dass uns die Option auf kleine Spaziergänge auch noch genommen wird. Davor, dass wir unseren Wocheneinkauf ab sofort nur mehr mit Schutzmasken bekleidet durchführen dürfen und wir somit das letzte Stückchen an (optischer) Normalität bei der Eingangstüre der Märkte abgeben müssen.

Viel gemeinsame Zeit

Auch darauf, dass sich die Situation über Wochen und Monate nicht wesentlich verändern wird, haben wir uns schon eingestellt. Sorge macht uns vor allem die Tendenz, dass die Schulen deutlich länger als geplant geschlossen sein werden. Nicht weil wir unsere Kinder nicht gerne um uns haben.

Im Gegenteil. In der jetzigen Zeit merken wir, dass wir als Familie gut „funktionieren“ und auch gut zusammenhalten.

Dass wir es gerne haben, wenn wir zusammen sind. Obwohl natürlich diese neue Art des Zusammenseins, die letztlich erzwungen und nicht freiwillig gewählt ist, natürlich auch kleinere Konflikte nach sich zieht.

Aber langsam, so ehrlich müssen wir sein, geht uns die Puste aus. Wir hatten bisher immer geglaubt, dass wir einen überaus langen Atem haben und uns nichts so leicht aus der Bahn werfen kann. Das ist auch nicht passiert.

Nur ist halt die Bahn eine andere geworden. Es läuft auf dieser Bahn und auf dieser Ebene.

Nur holpert es manchmal ein wenig.

Nur wirkt es auf dieser Bahn, als ob uns manchmal die Energie ausgehen würden und wird auf der Stelle treten. Wir uns im Kreis drehen. Wir bräuchten wieder neuen Schwung. Den viel beschworenen Silberstreif am Horizont, der in manchen Pressekonferenzen so pathetisch beschworen wird.

Die Ungewissheit macht uns zu schaffen

Damit einhergehend wäre ein Fahrplan eine wunderbare und motivierende Sache. So problematisch und schwierig dieser auch aussehen mag. Die Ungewissheit, ob es überhaupt so etwas wie einen (mehr oder weniger) unbeschwerten Sommer geben wird, macht uns zu schaffen.

Auch fragen wir uns, wie sehr die neuen Verhaltensweisen, Stichwort Social Distancing, erhalten bleibt und was dieses neu etablierte Verhalten mit unseren Kindern machen wird. Wie sehr wird es sich „einschreiben“? Wird es für sie nur eine mehr oder weniger lange Episode ihres Lebens sein oder so prägend, dass für sie ein Normalzustand, wie wir ihn bisher kannten, gar nicht mehr möglich sein wird? Wir wissen es nicht.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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