Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

Corona Erleichterung nach Aufhebung der „Maskenpflicht“
2. Juni 2020

Corona: Erleichterung nach Aufhebung der „Maskenpflicht“


Die Masken sind gefallen. Ab dem Mittwoch nach Pfingsten brauchen unsere Mädels in der Schule keine NMS-Masken mehr. Das ist eine Erleichterung. Doch ist es deshalb wieder „normal“?
Die Freude bei unseren Mädels war groß, als das Ende der Maskenpflicht in Schulen verkündet wurde. Obwohl sie sich jetzt schon fast daran gewöhnt hatten. Der Anblick von Kindern mit Schutzmasken, die etwas betrübt wirkten, hat uns als Erwachsene offenbar mehr gestört als die Kinder selbst.

Mehrmals haben wir mit unseren Kindern das Gespräch diesbezüglich gesucht. Bis auf ein paar anfängliche Irritationen am ersten Tag des neuen Schulbeginns gab es keine Klagen. Sie haben Freundinnen wieder getroffen, sind zusammen einkaufen gegangen, haben sich besucht, haben im Freien gespielt. Dass das Thema „Abstand halten“ so sehr in ihren Köpfen angekommen war, dass es kaum bis keine Umarmungen zum Abschied mehr gab, schien sie nicht zu stören. Es war Teil ihrer neuen „Normalität“, in der sie es sich recht gut eingerichtet hatten.

Keine Masken mehr – und sonst?

Ein wenig wirkt es jetzt also wieder wie zuvor. Doch bei genauerem Hinsehen laufen die Abläufe nicht wirklich gut. Da wir uns dazu entschieden haben, unsere Mädels nicht in die Nachmittagsbetreuung zu schicken, da wir das ständige Abstandhalten und Schutzmasken tragen zur verkrampft und zu weit weg vom Normalzustand empfanden, bleibt immer noch viel an uns selbst hängen. Home-Office ist somit immer noch ein Thema, zumal für die Schulen in Innsbruck offenbar nicht möglich war, eine vergleichbare Lösung für die Schul-Präsenzzeiten zu finden. Zudem spielen freie Tage, die Herbstferien und ähnliches in die Gestaltung der Zeiten mit hinein.

Es gibt somit insgesamt kaum Kontinuität. Hat man sich an einen Wochenrhythmus gewöhnt, ist es nächste Woche wieder ganz anders. Das spüren auch unsere Mädels, vor allem die Kleine (8). Sie ist „dünnhäutiger“ als sonst, lässt sich leicht frusten und wird von Zeit zu Zeit grundlos wütend.

Wir brauchen eine Auszeit

Es liegt aber wohl auch an uns. Wir halten deutlich weniger aus als vor der Krise. Jeder einzelne Gefühlsausbruch und Verzweiflungsanfall vor den Hausübungen erinnert uns an die anfänglich zwar schöne Zeit des Home-Schoolings, die zum Schluss hin ob der Enge fast unerträglich wurde.

Es ist, als sei dieser belastende Zeitraum für lange Zeit in unseren Köpfen verankert. Wie ein Muster. Ein Muster, das in Sachen Reaktion und Gegenreaktion sofort wieder aufgerufen wird, wenn etwas ähnlich verläuft wie in der leidigen Home-Schooling Zeit. Es wirkt so als seien wir in dieser Zeit gefangen. Oft schauen wir uns quasi von außen zu, als würde ein Film ablaufen.

Doch Tagesbetreuung?

Wie entkommen wir diesen automatisierten und eingeschliffenen Mustern? Vielleicht so, dass wir es mit unseren Töchtern thematisieren. Jetzt, wo keine Maskenpflicht in den Schulen mehr herrscht, wäre es in der Betreuung in der Schule quasi fast wieder wir normal. Es ist also denkbar geworden, dass sie an den „sogenannten“ Hausübungstagen zumindest vormittags die Betreuung an den Schulen besuchen und dort ihre Arbeitsaufträge und Hausübungen erledigen.

Womöglich wäre das der kleine Tapetenwechsel, den sowohl wir als Eltern als auch unsere Kinder benötigen würden? Wer weiß. Heute haben wir jedenfalls mit ihnen darüber geredet. Die Frage war simpel: Schätzt ihr es, zuhause arbeiten zu können und die damit verbundenen Annehmlichkeiten? Etwa diese, dass man im vertrauten Umfeld ist, auch mal eine kleine Pause im eigenen Zimmer einlegen kann – oder ist es mehr ein Umfeld, das euch mittlerweile einschränkt und bei dem ihr euch irgendwie eingesperrt und unfrei fühlt?

Letzteres wäre nach Wochen des „Lockdowns“ und des verstärkten Zuhause-Bleibens absolut verständlich.Vielleicht sind es aber auch wieder, die wieder mehr Zeit füreinander brauchen – abseits der eigenen vier Wände und abseits der Kinder? Ein Wochenende zu zweit in einem schönen Wellnesshotel könnte Entspannung bringen.

Doch was geschieht danach, wenn wir wieder zurückkommen? Geht es dann wieder weiter wie zuvor? Vielleicht sollten wir uns auch mehr vor Augen halten, dass die Sommerferien gar nicht mehr so fern sind. Diese bringen dann tatsächlich eine Auszeit. Für uns als Familie. Eine Auszeit von dem, das war und irgendwie auch immer noch in Spuren da ist. Es war und ist eine schwere, herausfordernde Zeit.


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