Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

unsicherheit homeschooling - meinefamilie.at
18. Januar 2021

Corona: Anhaltende Unsicherheit beim Homeschooling


Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das merken wir auch an uns und in unserem Familiengefüge. Während es am Anfang in einer gewissen Situation immer mal wieder hakt, gewinnen wir immer mehr an Routine, wenn sich Aspekte wiederholen. So auch in den Schul-Lockdowns. War der erste Lockdown fast noch unerträglich und mit einer Art Schockstarre von uns begleitet, so sind wir jetzt souveräner. Dennoch geht uns langsam aber sicher „die Luft aus“. Warum das so ist, ist eine Frage, die wir uns selbst immer wieder stellen.

Es liegt daran, dass wir diese Situation so nicht mehr wollen. Wir haben uns zwar in dieser eingerichtet, damit auch irgendwie arrangiert. Aber diese Arrangiert-Haben bröckelt gewissermaßen. Alles funktioniert an sich ohne große Reibungen. Alles greift ineinander. Laptops stehen bereit, neuerdings auch ein nagelneues Gerät für unsere Große. Das W-Lan ist erneuert und in Sachen Bandbreite aufgestockt. Die Abläufe sind klar definiert. Der Tagesablauf und die Tagesstruktur stehen.

Doch zunehmend kommen uns dieser Strukturen vor wie starre, aber leblose Strukturen. Wir leben in diesen zwar. Können damit Leben. Aber ist es das Leben, dass wir uns vorstellen? Eigentlich nicht. Obwohl wir uns natürlich bewusst sind, dass unser Verzicht auf wichtige Aspekte unseres eigentlichen Lebens Leben retten können. 

Fehlende echte Lichtblicke

Dennoch: Es bräuchte Lichtblicke. Motivation. Etwas, das uns über die nächsten Wochen in die richtige Richtung mit der passenden Intensität zieht. Dieser „Zug“ ist uns irgendwie abhandengekommen. Stattdessen geht es, mit der bereits geschriebenen Routine und Souveränität von Tag zu Tag. Von Stunde zu Stunde. Überraschungsarm und erwartbar. 

Der überraschende Besuch von Freunden bleibt aus, ebenso die Termine von Treffen. In unseren Kalendern stehen weder Konzert-Termine noch Gastro-Verabredungen. Die „Fülle“ der Kalendereinträge generiert sich ausschließlich aus Online-Meetings, Zoom-Konferenzen und ähnlichen Fast-Wie-Echt-Treffen. Doch vor allem letztere, also etwa virtuelle Treffen mit Freunden, bei denen man sich zum Essen und Plaudern in virtuellen Räumen verabredet, fühlen sich seltsam schal an.

Es hat alles den Anschein, dass es sich ein wenig abgenutzt hat. Ist man früher noch begeistert in Online-Treffen gegangen, weil es eine Möglichkeit war sein Leben, seine Ängste und Erfahrung auf diesem Weg endlich wieder teilen zu können, so hat man sich mittlerweile wenig zu sagen. Beide Seiten merken das und reden immer weniger. Eine bedrückende Situation. 

Schulöffnung light

Ein „Zug“, eine Motivation war eine eventuell anstehende Schulöffnung. Aus heutiger Sicht kommt diese. Allerdings auch nur ein Form der Wiederholung, ähnliche wohl wie im Mai 2020. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu einem ganz „normalen“ Präsenzunterricht sind zerschlagen. Etwas Entlastung verspricht man sich davon zwar zurecht, aber es wird wieder nicht wie früher sein. Und wohl auch lange nicht mehr so sein.

Dieses „andere Normal“ fühlt sich gerade jetzt seltsam und leer an. Wie ein Hoffnungsschimmer zwar. Aber auch wie ein kleiner Lichtfunke in einem Tunnel, der noch ewig lang sein dürfte.

Unsere Kinder reagieren noch immer souverän, sind fröhlich. Aber auch hier steigt die Ungeduld. Auf Klarheit, auf Gewissheit, auf Konstanz. Jetzt, da eine Schulöffnung am 25. möglich scheint, zumindest in besagter „Light-Variante“, ist das auch für sie nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Sie wollen ihre Freundinnen wieder ganz normal treffen können. Die umarmen dürfen. So tun, als ob nichts wäre. Normalität wieder leben können. Alles Forderungen, die zum Teil unvernünftig sind. Aber die der Kinderseele so gut täten.

Wie geht es weiter? Wir wissen es nicht. Auch wenn unsere Kinder uns fragen wissen wir zunehmend weniger antworten. Ob die nächsten Wochen entscheidend werden, wie es uns unser Gesundheitsminister immer wieder suggeriert? Auch das wissen wir mittlerweile nicht mehr mit Gewissheit.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


    Zum Tagebuch des Autors

MeineFamilie.at