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Familie A. "Mein Tagebuch"

Busabenteuer und Trotzanfälle - meinefamilie.at
18. März 2016

Von Busabenteuern und Trotzanfällen


“Nach dem Einsteigen sofort Hinsetzen!”, schärfe ich den Kindern ein, “denn der Bus fährt sofort weiter, und es soll niemand hinfallen!” Ich bin mit zwei Kindern (3 und 5) auf dem Weg zum Kindergarten, dazu noch Laufrad für die Kleinere und Roller für die Größere.

Der Bus kommt, wir steigen mitsamt Gerätschaften ein – und was macht die Kleine? Sie will durch den ganzen Bus laufen und macht keine Anstalten, Platz zu nehmen.

“Halt, hinsetzen!” rufe ich ihr hinterher und erwische sie gerade noch am Ärmel. “Ich will nicht!” – “Wenn du dich nicht sofort hinsetzt, steigen wir bei der nächsten Station wieder aus. Wenn du nicht mit dem Bus fahren kannst, müssen wir zu Fuß gehen.” Sie bleibt stur – und ich drücke auf den Halteknopf…

Will nicht!

“Ich will nicht aussteigen!” kommt prompt die Meldung. Aber irgendwie habe ich es geschafft, die Kleine mitsamt Roller und Laufrad wieder aus dem Bus zu zerren und auszusteigen. Es folgt ein Trotzanfall an der Busstation; sie schmeißt sich auf den Boden und brüllt.

Nach einiger Zeit frage ich sie: “Magst du hier am Boden liegen bleiben oder in den Kindergarten?” – “Kindergarten.” So hat sie doch das Laufrad genommen und wir haben uns auf den Weg gemacht. (Das größere Mädchen hat den Zirkus geduldig mitgemacht – sie kennt das schon von sich selbst vor zwei Jahren…) Ungefähr zwei Kilometer – bald ging der Jammer los: “Ich kann nicht mehr! – Ich bin sooo müde! – Wann sind wir endlich da?” – Ich erkläre ihr: “Es dauert schon noch. Ich wollte ja mit dem Bus fahren, aber weil du dich nicht hingesetzt hast, müssen wir jetzt zu Fuß gehen.” So sind wir eine halbe Stunde zu spät in den Kindergarten gekommen.

Grenzen bringen uns näher

Gespannt war ich auf den nächsten Tag: Wird sich das Spiel wiederholen? Ich gebe wieder die Anweisung: “Sofort nach dem Einsteigen hinsetzen!” – und es hat geklappt.

Und noch eine Beobachtung: Nach der Szene könnte man vermuten, dass unsere Beziehung belastet wäre; dass das Kind sauer auf mich wäre. Aber davon war keine Spur, eher im Gegenteil: Sie wollte, dass ich mich zu ihr setze; sie wollte im Kindergarten beim Verabschieden extra fest gedrückt werden. Sie hat eine (gut begründete) Grenze erfahren; sie hat meine Autorität akzeptiert; und das hat uns innerlich näher gebracht. Wir brauchen keine Angst haben, Grenzen einzufordern! Wir müssen nur davon überzeugt sein: Das ist gut für das Kind.

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EIN ARTIKEL VON
  • Familie A.

    Wir sind Familie A. und leben am Stadtrand von Wien. Verheiratet seit 1993 haben wir bald Kinder bekommen. Und weil das Leben mit Kindern sooo schön ist, haben wir inzwischen sechs davon! Familie ist unsere Berufung, und das Know-How dafür haben wir in Schönstatt gefunden. Sechs Kinder – da erlebt man einiges, da kann man was erzählen! Und weil wir jetzt seit bald zwei Jahren die Nächte (meistens) wieder durchschlafen können, haben wir wieder Kapazitäten frei. So referieren wir auf Familientagungen, schreiben für die Zeitschrift Familie als Berufung und neuerdings für meinefamilie.at – unseren Kindern zuliebe anonym.


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