Marietheres van Veen

Marietheres van Veen "Mein Tagebuch"

Bürokratie in den ersten Lebenstagen - meinefamilie.at
19. Februar 2019

Bürokratie in den ersten Lebenstagen


Irgendwie liegt über meinen Erinnerung als meine Kinder klein waren, zur Welt kamen, ein dicker rosaroter Schleier. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie geschrien haben, dass ich müde war, dass ich unzufrieden, ungeduldig war.

Ich war es sicher. Aber ich hab einfach nur schöne, zauberhafte Erinnerungen an meine Kinder.

Auch über dem bürokratischen Akt, welcher der Geburt eines Kindes folgt, liegt der Dunst des Vergessens.

Ein bisschen lichtet er sich, der Nebel, jetzt da ich Großmutter geworden bin, durch das Vergleichen. Ja, da war damals doch noch was! Damals war ich zwar nicht dabei, denn das konnte alles der Vater der Kinder erledigen. Trotzdem kommt die Erinnerung daran langsam zurück, jetzt wo sich vieles um die Büroktratie mit meinem Enkel dreht.

Bürokratische Hürden für junge Eltern

Bürokratie in den ersten Lebenstagen - meinefamilie.at

Dass man in Zeiten der Digitalisierung wirklich noch auf das Standesamt tippeln muss, welches zum Krankenhaus gehört, hat mich wahrlich verwundert. Dabei kann man viele Dinge mittlerweile schnell und einfach online erledigen.

Staatsbürgerschaftsnachweis und Geburtsurkunde der Mutter sowie des Vater wurden im Krankenhaus abgeben. Da die Eltern noch nicht verheiratet sind, heißt das Kind vorerst nach der Mutter. Die Papiere der Eltern werden an das zum Krankenhaus gehörende Standesamt übermittelt, wohin sich dann die Eltern mit dem kleinen Staatsbürger oder der kleinen Staatsbürgerin begeben, um das Kind auch offiziell Österreicher werden zu lassen.  Am Standesamt wird der Nachname des Kindes dann auf Wunsch der Eltern geändert. Ebenso wie das Festhalten der gemeinsamen Obsorge.

Und welch bürokratischer Akt, der Antrag auf das Wochengeld, das Kinderbetreuungsgeld, den Papamonat ist – da fange ich an den Kopf zu schütteln.

Arbeitgeber sind  scheinbar weit davon entfernt Routine im Umgang mit solchen Anträgen ihrer männlichen Beschäftigten zu haben. Und wohin sich sonst werdende und gewordene Eltern wenden sollen ist uns auch sehr schleierhaft. Es heißt wohl: mach dir selbst ein Bild und finde dich selbst zurecht! Ansprechpartner zu finden oder herauszufinden, welche Behörde zuständig ist, ist eine zeitaufwendige und nervenaufreibende Angelegenheit.

Ja, es gibt die tolle Errungenschaft des Papamonats. Immer mehr Väter möchten diesen auch nützen. Doch wohin wendet man sich, um mehr darüber zu erfahren. Die Krankenkasse schüttelt den Kopf. Das müsse man  sich mit dem Dienstgeber ausmachen. Der Dienstgeber schüttelt aber auch den Kopf, keine Ahnung wie das geht. Das Arbeitsmarktservice – ebenso: Null Ahnung.

Bürokratie in den ersten Lebenstagen - meinefamilie.at

Schlussendlich musste sich der junge Papa selbst ausführlich im Internet schlau machen und herausfinden, dass ihm unbezahlter Urlaub für einen Monat zusteht, sofern der Arbeitgeber diesen bestätigt. Über help.gv.at kam er dann auf die Website des Hauptverbandes der Sozialversicherung, wo die „Väterfrühkarenz“ wie der Papamonat korrekt heißt und ihre verschiedenen Möglichkeiten beschrieben sind. Mit diesem Wissen machte er dann nochmals Druck bei seinem Arbeitgeber. Die rund € 650, die er in dieser Zeit erhält, zahlt die Krankenkasse aus. Es wird jedoch vom Kinderbetreuungsgeld abgezogen, wenn er dann in Karenz geht. Also ist der Papamonat dann doch wieder irgendwie unbezahlt.

Wichtig zu wissen für junge Eltern ist auch, dass der Papa den Papamonat erst beantragen kann, wenn das Kind auf der Welt ist.
Trotzdem weiß mein Schwiegersohn jetzt nicht, ob er jetzt schon im Papamonat ist oder nicht. Es ist kompliziert, aber für den kleinen Sohn tut man eben alles.

Dass er Papa ist, das weiß er ganz gewiss. Und das mit ganzem Herzen und von ganzer Seele, von der ersten Minuten an und darüber hinaus. Und sie machen das ganz großartig, die jungen Eltern, obwohl ihnen so manch bürokratischer Stein in den Weg gelegt wurde. Und es ist einfach wunderbar zu sehen, mit welchem Selbstverständnis sie schon Eltern sind, obwohl doch erst seit so kurzer Zeit…



EIN ARTIKEL VON
  • Marietheres van Veen

    Mein Leben als Mutter einer Familie mit vier mittlerweile erwachsenen Kindern sowie als selbstständig-berufstätige Frau hat mir so manche Herausforderung geboten. In meinen Eltern-Kind-Gruppen zeige ich Eltern wie gut es tut, mit Kindern zu lachen, zu singen, zu tanzen. Seit Jänner 2019 bin ich Großmutter.


    Zum Tagebuch des Autors

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at