Henny Lang

Henny Lang "Mein Tagebuch"

Plädoyer für den Kindergarten - meinefamilie.at
30. Mai 2018

„Blut gehabt“ – Ein Plädoyer für den Kindergarten


„Heute hat der Julius Blut gehabt!“ Blut gehabt – das ist ein Ausdruck, den ich fast täglich beim Abholen vom Kindergarten höre. Dabei ist egal, ob Julius, den es von der Schaukel geschmissen hat, nur eine klitzekleine Schürfwunde davontrug, oder ob ihm nun ein ganzer Arm fehlt. Der dramatische Tonfall, den die Kleinen für ihre Blut-Erzählungen wählen, bleibt der gleiche. Nichts ist faszinierender und aufregender als dass der Julius heute „Blut hatte“.

„Was ist passiert?!“

An besagten „Blut gehabt“-Tagen erspart sich mir die Nachfrage: „Was habt’s denn heute im Kindergarten so gemacht? War’s schön?“. Das Highlight des Vormittags ist doch klar. Was soll denn sonst schon noch gewesen sein, Mama?

Tief beeindruckt werden mir dann den ganzen Heimweg lang die Details von Julius Sturz und Wunde geschildert. Und Julius selbst kam natürlich am nächsten Tag superstolz mit einem Piraten-Pflaster am Ellenbogen in den Kiga, den er jedem ungefragt vor die Nase hielt, um ein „Warst du aber tapfer!“ zu ernten.

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Abwechslung Kindergarten

An dieser Stelle möchte ich ein ganz großes DANKE an alle Pädagoginnen und Pädagogen aussprechen. Nicht bloß danke für die zahlreichen Erstversorgungen und Tröstereien nach Schrammen und Schrämmchen. Nein, danke für all das, was sonst so am Kindergartentag passiert, und von dem wir Großen nichts mitbekommen. Wer nämlich sagt, zuhause hätten’s die Kleinen besser, irrt. Was uns die Kinder am Nachmittag nämlich nicht erzählen, das sind Dinge, die ich als Mutter beim besten Willen nicht tagtäglich mit ihnen unternehmen könnte:

Pflanzen einsetzen, Blumen gießen, Kuchen backen, Bilder malen, Geschenke basteln, Rätsel lösen, Geschichten vorlesen, im Turnsaal Spiele spielen, mit Rasierschaum malen, Duftknete herstellen, Kerzen ziehen, Schuhbandbinden-Lernen, Lieder singen – auch auf Englisch, Gedichte aufsagen, Beeren ernten, Verkehrszeichen studieren, eine Uhr basteln, Schneckenhäuser bemalen, Sich-vertragen-Üben, Teilen-Lernen, Ausflüge machen, die Feuerwehr besuchen, einen Tag mit einem Rettungshund verbringen, Häschen füttern, Regenwürmer sammeln …

Zeit sinnvoll genutzt

Aus tiefster Überzeugung kann ich behaupten, ja, ich verbringe viel Zeit mit meinen Kindern. Ja, ich höre ihnen zu und ja, ich lese und singe abends, was die müde Stimme hergibt. Aber gerade weil diese kleinen Menschen so wertvolle Geschöpfe sind, ist es wichtig, dass man sie gut betreut, wenn die Eltern arbeiten müssen (dürfen).

Räume gefüllt mit Spielzeug, das allein reicht nicht aus. Was wichtig ist, sind diese geduldigen und engagierten Menschen in unseren Kindergärten und Krippen, die die Räume erst mit Leben füllen und unsere Kleinen spielerisch, verständnisvoll erziehen. DANKE!

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EIN ARTIKEL VON
  • Henny Lang

    Ich bin Mutter zweier Mädchen (5 und 7 Jahre alt), lebe in Wien und arbeite seit 2001 als freie Journalistin und TV-Redakteurin. Hobbymäßig bin ich Malerin, veranstalte Vernissagen zu meinen Bildern und Bastelnachmittage mit Kindern ganz privat bei mir zuhause.


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