Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

Blumengrüße für Mama - meinefamilie.at
3. Oktober 2016

Blumengrüße für Mama


Ein ganz normaler Wochentag. Der Unterricht am Vormittag ist gut gelaufen, das Mittagessen ohne große Maulerei gut beendet. Der Geschirrspüler läuft und ich brauche dringend eine Verschnaufpause. Ich verkünde allen, dass ich mich für eine Viertelstunde hinlegen möchte und sie bitte nichts von mir wollen sollen.

Seufzend grabe ich den Kopf in meinen Polster und schließe die Augen, als es an der Türe klopft. „Nein! Ich mache Pause!“, rufe ich genervt. Saras Kopf erscheint kurz und sie verkündet: „Mama, ich hab dir Blumen gebracht!“ – „Oh, stell sie einfach in eine Vase!“, brumme ich. Nicht mal 15 Minuten Ruhe werden mir heute gegönnt.

Es tut mir Leid

Gefühlte fünf Minuten später läutet auch schon mein Wecker. Zeit, den restlichen Tag in Angriff zu nehmen. Auf dem Küchentisch steht ein wunderhübsches Sträußchen Wiesenblumen. Ich suche zuerst gleich mal Sara. Es tut mir Leid, wie unfreundlich ich sie behandelt habe, wo sie doch nur nett sein wollte. Ich finde sie im Garten und entschuldige mich bei ihr. Sie ist sehr versöhnlich und meint: „Du hast es uns ja gesagt, dass wir dich nicht stören sollen. Ist schon ok.“ Ich drücke sie ganz fest und sage ihr, dass ich sie liebhabe.

Da kommt Gregor, unser Jüngster, angelaufen. Er hält eine Blume wie eine Trophäe in der Hand und ruft: „Mama, die allerschönste Blume von der ganzen Wiese für dich!“ Gerührt nehme ich das Geschenk an: eine Herbstzeitlose. „Oh, danke sehr. Jetzt gehen wir mal schnell Hände waschen, denn diese Blume ist giftig.“ Schnell füge ich hinzu: „Aber sie ist sehr schön!“

Ich will nicht nochmal ein Kind vor den Kopf stoßen, das mir solch herzliche Liebesbeweise bringt.

Kurz überlege ich, ob ich die Herbstzeitlose in den Kompost werfen soll, doch dann beschließe ich, sie zu dem Strauß zu stecken. Dass sie giftig ist, wissen die Kinder nun ja und sie sind groß genug, um sie nicht zu essen. Dankbar gebe ich den beiden einen Kuss und freue mich den ganzen restlichen Tag an den wunderschönen Blumen.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


    Zum Tagebuch des Autors

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at