Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

zweifel mutter - meinefamilie.at
5. April 2019

Bin ich als Mutter gut genug?


Wer kennt sie nicht? Selbstzweifel, Selbstvorwürfe und die Frage „Bin ich als Mutter gut genug?“. Das ewige Vergleichen mit anderen Familien und bewerten der eigenen Vorzeigefamilie gräbt am Selbstwertgefühl und raubt nur unnötige Kraft. Was also hilft an solchen Tagen wirklich? Mein Vorsatz in der Fastenzeit, „wieder menschlicher werden, liebevoller zu mir selbst zu sein, und damit verbunden auch zu meiner Familie“.

Gestern war definitiv nicht mein Tag! Ausgelöst von der Zahnärztin unseres 6-jährigen, die mir mit der Aussage „das war aber allerhöchste Zeit, dass der abgestorbene Milchzahn herausgenommen wurde“, zu verstehen gab, dass ich mich nicht ausreichend um die Gesundheit meines Sohnes kümmere, stürzten alle Selbstzweifel auf einmal auf mich ein. Beschämt sah ich mein Kind an. Die Haare sind schon wieder gewachsen und fallen meinem Sohn wirr und ungekämmt in die Augen. Die Hände voll mit Uhu und Filzstift-Spuren von der Bastelstunde, gekrönt von schwarzen Rändern unter den Fingernägeln. Das T-Shirt weist Schmutzspuren an den Ärmeln auf und den Rotz zieht er einfach auf. Hände waschen beim Nachhause kommen geht wenigstens schon automatisch, aber ich möchte nicht wissen wie er sie wäscht, bei dem Tempo mit dem er aus dem Bad wieder raus ist.

Beim Betten machen, in der Früh fand ich saubere, bereit gelegte Unterwäsche, die mein Sohn vergaß zu wechseln. Und das Turngewand wanderte genauso verschwitzt wie es war, wieder zurück in die Schule, da ich dieses Wochenende ausnahmsweise nicht zum Waschen kam. Zur Jause gab es Salzkräcker mit Streichkäse bestrichen, da der Großeinkauf vom Freitag schon wieder alle war. Und Schuhe einkaufen müssen wir auch noch gehen, die abgetragenen Hausschuhe vom Sohn einer Freundin sind eindeutig noch zu groß.

Wie konnte mir das passieren?

Erschöpft, traurig und enttäuscht denke ich an den besten Freund meines Sohnes, der sich minutenlang die Hände schrubbt, Schulkolleginnen, die gestylt wie Models daherkommen und die Tochter unserer ehemaligen Kindergärtnerin, die mit 6 Jahren schon perfekt Geige spielen und Eislaufen kann.
Wie konnte mir das bloß passieren, mir die so perfekt organisiert ist? Mir, die eine pädagogische Ausbildung genossen und gewissenhaft Kinder mit besonderen Bedürfnissen gepflegt und gefördert hat!

zweifel mutter - meinefamilie.at
Mein Mann schüttelt angesichts solcher Selbstzweifel nur mehr den Kopf und versteht die Welt nicht mehr. Denn seine Sicht der Dinge ist die, dass wir unserem Sohn die Freiheit geben, Kind zu sein und vor allem, ein lebendiger Junge zu sein! Bewegung zu haben, die Natur mit allen Sinnen zu erleben, auch wenn das heißt gatschige Hosen und aufgeschlagene Knie in Kauf nehmen zu müssen. Selbstständig zu werden, inklusive Milchüberschwemmung, da der Schwung beim Eingießen zu groß war.

Wie kommt man raus aus den Selbstzweifeln?

Tage voller Selbstzweifel gibt es immer wieder. Wichtig dabei ist es, sich selbst zu erlauben, Mensch zu sein. Wir bleiben cool, wenn unseren Kindern kleine Ungeschicke im Alltag passieren, da wir wissen dies gehört zum Lernprozess dazu. Doch uns selbst messen wir mit anderen Maßstäben! Wir vergleichen uns ständig mit anderen Familien, anstatt das zu sehen, was wir tatsächlich geleistet haben. Wir posten Fotos von liebevoll gestalteten, gesunden Jausen und wetteifern mit anderen Müttern um die meisten Zusatzkurse (Klavier, Schwimmen, Judo). Unsere Kinder sind das Aushängeschild unserer vermeintlichen Perfektion, was wir jedoch nie vor uns selbst zugeben würden.

Doch was dabei auf der Strecke bleibt, ist das authentische Mensch sein. Was verloren geht, ist die Erfahrung, dass auch wir nur Menschen sind die Fehler machen und denen manchmal einfach die Kraft ausgeht. Und dass dies völlig in Ordnung ist. Oder wie es einmal ein Vater ausdrückte, der das Balletttraining seiner Töchter schwänzte, um mit ihnen ins Café zu gehen, „wichtig war für uns die Erfahrung, dass auch Pausen erlaubt sind!“

Nächster Tag: O.K., auch heute hat mein Sohn vergessen die Unterwäsche zu wechseln. Auch heute gibt es nur ein schnell gestrichenes Toastbrot mit Butter und einen Apfel zur Jause, Frühstück fällt aus. Aber sein Tag wird trotzdem perfekt sein! Denn unser Weckritual, ist eine enge Umarmung in seinem Bett, wenn er sich verschlafen an mich kuschelt. Bis er munter genug ist, um sich alleine anzuziehen. Als sich kurze Zeit darauf mein Mann darüber wunderte, warum unser Sohn nicht in die Schule gehen wollte und im Vorzimmer herumtrödelte, kamen wir darauf, dass er die zweite morgendliche Umarmung mit Papa in der Küche vergessen hatte. Und das ist wichtiger als alles andere! Wichtiger als saubere Wäsche, gesundes Essen und eine perfekt vorbereitete Schultasche! Hauptsache er hat seine zwei Umarmungen und weiß, er wird geliebt!


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