Katharina Zauner

Katharina Zauner "Mein Tagebuch"

1. Juli 2019

Bin ich eine Helikopter-Mutter?


Übervorsichtige Mütter, die wortwörtlich um ihr Kind herumschwirren und es keine Sekunde aus den Augen lassen: Ist das gut oder schlecht?

Ich erinnere mich an das erste Jahr mit meiner Tochter N. (2,5 J) und würde mich definitiv zu der Zeit als Helikopter-Mutter bezeichnen. Meine Erstgeborene war zu dem Zeitpunkt der einzige Mittelpunkt meines Lebens und alles drehte sich nur um sie. Ja ja, das klingt vielleicht normal jetzt. Doch nein, rückblickend gesehen, empfinde ich mich mittlerweile selbst als etwas übertrieben.

Man kann sich nicht genug vorbereiten

Es begann ja schon damit, dass ich vor der Geburt eine pädagogische Ausbildung anfing, um auch „vorbereitet“ zu sein. Der Gedanke, mich allein auf mein Bauchgefühl zu verlassen, erschien mir einfach nicht genug. Auch wenn es zig Bücher und Foren gibt, war nichts davon gut genug für mich. Denn ich wusste ja nicht, wonach ich mich orientieren sollte. Ich las mehrere Bücher über Kindererziehung, und surfte auf vielen Internetseiten, um mich erstmal in das große Thema „Baby kriegen“ einzulesen. Immer mehr realisierte ich meine Tendenz zur Montessori-Pädagogik und zu pädagogisch alternativen Ansätzen. Einige Monate später erblickte das kleine Wunder die Welt.

(c) iStock

Von Bambus bis Silikon

Für die Einführung der Beikost neben dem Stillen, verschlang ich die Ratgeber von Ernährungs- und Stillberaterin Ingeborg Hanreich, als auch die Tipps des Familienministeriums. Ich erinnere mich sogar Inhaltsstoffe von Löffeln zu googlen, um zu eruieren was ich meinem Baby da in den Mund stecke. BPA, Silikon, Bambus, etc. viel zu viel Auswahl!

Das klingt jetzt vielleicht alles so, als würde meine Tochter in einer Gummiblase aufwachsen. Aber natürlich war das nicht so, denn das wäre ja ein Widerspruch mit Montessori. Meine Tochter war viel in der Natur, fast jeden Tag im Park, hat Sand gegessen, als auch im Gatsch gespielt und gematscht. Jedoch war es mir einfach wichtig, nebenbei auf andere Einflüsse zu achten. Ein gutes Immunsystem gehört entwickelt und gefördert, allerdings war ich gerne vorsichtig. Alles was ich meinem Kind aktiv zugeführt habe, war meine alleinige Verantwortung. Auch wenn ich vielleicht übertrieben habe, war es rückblickend gar nicht so uninteressant, einige Dinge zu wissen. Denn wer kennt schon den Unterschied zwischen Latex- und Silikon-Schnullern? Oder was ist Bisphenol A denn wirklich und was bewirkt es tatsächlich?

Einen Mittelweg finden

Meiner Meinung nach, ist es gar nicht so schlecht in den ersten Lebensmonaten bisschen um das Kind herum zu schwirren, und etwas zu übertreiben. Solange man den Mittelweg findet und dem Kind genug Freiraum lässt, finde ich das voll in Ordnung. Das Kind muss gewisse Erfahrungen selbst sammeln, denn als Elternteil kann man nicht immer daneben stehen. Sollte man auch nicht. Das Kind muss mal – salopp ausgedrückt – auf den Mund fliegen, und selbst lernen wieder aufzustehen. Aber das muss nicht gleich am Anfang sein. Die Herausforderung liegt darin, dem Kind zu vertrauen und den Helikopter langsam weiter wegfliegen zu lassen und dem Kind mit der Entwicklung Schritt für Schritt zu fördern und dem Liebling zu helfen, es selbst zu tun.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at