Maria Neuberger-Schmidt

Maria Neuberger-Schmidt "Mein Tagebuch"

SandimGetriebederKommunikationDieRechtfertigungsfalle
25. August 2020

„Beziehungskiste“ – Sand im Getriebe der Kommunikation: Die Rechtfertigungsfalle


Zwei junge Familien und eine Großmutter treffen sich zum Picknick im Park. Jeder hat etwas mitgebracht. Der Vater, Erik, kam etwas später von der Arbeit, er hätte frisches Brot mitbringen sollen. Seine Frau hatte ihre Einkäufe im Kühlschrank ihrer Mutter deponiert, da diese näher zum Park hatte. Die Oma hatte vorgeschlagen, neben diesem Säckchen auch ihr vorrätiges Brot, Tomaten und etwas Obst mitzubringen. Als man zur Abendjause deckt, stellt sich heraus, dass Erik kein Brot gebracht hatte.

Zu seiner Frau Ellen: „Du hast doch gesagt, deine Mutter würde es bringen!“ Darauf Ellen: „Ich habe erwähnt, dass sie auch etwas Brot bringt, damit du die Menge einschätzen kannst.“ „Ich dachte, sie übernimmt es ganz, damit ich schneller herkommen kann.“ Nach einigen weiteren Sätzen der Rechtfertigung spürt man eine leise Irritation zwischen dem Paar hochkommen. Die Schwiegermutter unterbricht: „Übrigens habe ich auch etwas vergessen. Deine Einkäufe sind in meinem Kühlschrank geblieben. Ich habe mein Rad hier und kann in zwanzig Minuten retour sein. Ich bringe auch gleich noch ein Baguette.“ Als sie wieder kommt, hatte man schon zu Knabbern begonnen und hatte Spaß beim Plaudern und Spielen mit den Kindern.

Der Teufelskreis von Rechtfertigung und Verteildigung

Warum ich diesen Vorfall erwähne? Je mehr jeder versucht, seinen Standpunkt zu rechtfertigen und sich zu verteidigen, umso mehr fühlt man sich angegriffen. So leicht kann Stimmung kippen, wenn man nicht darauf achtet. Obwohl auch die Oma einen Fehler gemacht hatte, hat sie die Situation gerettet: Weil sie sich deklariert und eine Lösung vorschlägt und umsetzt.

Nicht lange am Problem herum diskutieren

Wie auch immer eine Lösung ausschaut, wichtig ist, dass man der Neigung widersteht, lange am Problem herum zu diskutieren, um lieber gleich nach der Lösung zu suchen.

Daher empfehle eine Vorgangsweise in drei Schritten:

  1. Fakten klären
  2. Selber Verantwortung übernehmen
  3. Nach der Lösung suchen.

Phase b) hätte sich für Ellen so anhören können: „Ich habe mich anscheinend nicht klar ausgedrückt.“ Auch Tom hätte einlenken können: „Sorry, ich habe dich falsch verstanden!“ oder ganz neutral: „Es tut mir leid, das war ein Missverständnis.“ Und lösungsorientiert zu Phase c): „Was tun wir jetzt?“ Damit hören wir auf, nach einem Schuldigen zu suchen, kommen schneller zu einer Lösung und verstricken uns nicht in sinnlose Rechtfertigungsdiskurse.

Und im Nu kehren wieder Entspannung und Leichtigkeit zurück. Und darum geht es.

Die kleinen „Hoppalas“ mit einem Lächeln lösen

Wenn wir davon ausgehen, dass kleine „Hoppalas“ zum ganz normalen Familienleben dazu gehören, dann leistet diese Strategie, mit liebevollem Lächeln gewürzt, auf Dauer einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen von Beziehungen. Denn man vermeidet die durch den Rechtfertigungsdrang unweigerlich entstehende Reibung und Abnutzung.



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