Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

bakterien bekämpfen - meinefamilie.at
5. April 2019

Bakterien bekämpfen… mal etwas anders


Manchmal hat es mich fast irre gemacht in der Erziehung, Dinge einzufordern, die meine Kinder zu tun hatten, aber nicht wollten. Wie zum Beispiel: Inhalieren mit Salzwasser, wenn sie erkältet waren. Wie viele Diskussionen hatten wir deshalb schon! Ich wollte sie nicht brutal dazu zwingen, aber es musste eben sein. Da kam mir die Idee, ich könnte mit ihnen gemeinsam inhalieren und dabei Geschichten erzählen. Vor uns stand also der große Topf, ich auf dem Stuhl mit je einem Kind auf den Knien. So saßen wir im Dampf unter dem großen Handtuch und bestritten die Herausforderung zu dritt. Natürlich mussten wir einen Timer einstellen, damit die Prozedur ja nicht zu lange dauerte.

Ich erfand verschiedene Geschichten. Einmal kam uns dann der Gedanke, dass all die bösen Schnupfenbakterien nun im heißen Dampf zugrunde gingen. Kinder stellen sich ja vieles bildhaft vor. Wir kreierten in unseren Köpfen also das Bild von kleinen Bakterienmonstern, die in ihren Körper gekommen waren und sie krank machen wollen. Nun wurden sie durch das Inhalieren geschwächt, sie schrien laut und manche von ihnen fielen sogar ins heiße Wasser. Lauter kleine giftgrüne Bakterienmonster.

Wir spannen den Gedanken weiter, was denn noch alles schlimm für diese kleinen Monster sei. Wenn die Kinder beispielsweise statt dem Nutellabrot Obst aßen, schrien die Bakterienmonster zum Beispiel: „Nein, nicht essen! Die Vitamine tun uns nicht gut! Iss die Schokolade!“ Auch spätes Schlafengehen, so erklärte ich meinen Kindern, hilft den Monstern, den Körper zu schwächen. Alles Gesunde aber ist ein Graus für sie. Es ging dann so weit, dass Gregor, unser Jüngster, manchmal absichtlich etwas Gesundes in den Mund steckte und ich ganz theatralisch schreien musste: „Oh, nein, bitte nicht!“ Mit Todesverachtung mampfte er noch ein Salatblatt. Wir hatten auf diese Weise schon sehr viel Spaß. Die Pflege der Gesundheit war dann mehr oder weniger eine positive Nebenwirkung.

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