Gottfried Hofmann-Wellenhof

Gottfried Hofmann-Wellenhof "Mein Tagebuch"

Babybetriebsanleitung - meinefamilie.at
23. Juni 2017

Babybetriebsanleitung 2.0


Morgen wird unser Enkel bei uns übernachten. Astrid und ich sind schon ein wenig aufgeregt. Erst ein Mal war Daniel über Nacht geblieben, es war vor mehr als einem Jahr, und ich habe dieses Debüt als nicht wirklich geglückt in Erinnerung. Nachdem der Kleine nach einem mehrstündigen Abendspaziergang endlich eingeschlafen war, hob ich ihn vorsichtig aus seinem Kinderwagerl. Dennoch war Daniel sofort wach, schrie laut und lange, sodass wir uns zu einer zweiten Runde auf den Weg machten. Ich schob ihn so lange durch die finstere Nacht, bis ihm wieder die Augen zufielen, schleppte ihn samt Kinderwagen über 21 Stiegen in den ersten Stock ins Wohnzimmer. Drehte zur Sicherheit noch ein paar einsame Runden auf dem alten Perserteppich, einem Erbstück meiner Schwiegereltern, und schlich aus dem Zimmer. Presste das Ohr an die Tür. Kein Laut, tiefe Stille. Es war 1 Uhr 37.

Das Zu-Bett-Bring-Ritual

„Morgen wird alles einfach“, versicherte uns Dominik und händigte Astrid eine kleine Betriebsanleitung aus: „Daniels Zu-Bett-Bring-Ritual“. Folgende Punkte gilt es zu berücksichtigen:

1.) Die Auswahl der Stofftiere, die Daniel Gesellschaft leisten werden. Er darf sich zwei, maximal drei aussuchen. 2.) Das Bettlicht. Ohne „Elefant-Light“ geht gar nichts. 3.) Vorlesen – entweder Märchen oder das „Daniel-Buch“, welches von einem Jungen handelt, der seinen Namen vergisst und ihn durch eine Reise, Buchstabe für Buchstabe, wiederfindet. Das Vorlesen ist interaktiv zu gestalten, beim ABC-Song singt Daniel inbrünstig mit, beim Löwen brüllt er. Nur das Trompeten darf man nicht imitieren. 4.) Vorsingen. Die Auswahl der Lieder ist frei. 5.) „milk“-„leche“. Während der Nacht wacht Daniel normalerweise ein Mal auf und fordert „milk“ (wenn sein Vater auf sein Wehklagen reagiert) oder „leche“ (wenn es seine Mutter tut). Nachdem das Flaschi leergetrunken ist, schläft er zufrieden bis um ca. neun Uhr.

Astrid und ich sind bestens vorbereitet und können darüber hinaus auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Auch Daniels Vater hatte seine Spezialwünsche. So durfte ausschließlich der blaue Schnuller auf das Flaschi mit dem Nashorn geschraubt werden, andernfalls rührte Dominik es nicht an.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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