Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

Auszeit am Fluss - meinefamilie.at
18. Juli 2016

Meine Auszeit am Fluss


Bei uns ist gerade sehr viel los, umso dringender brauch ich wieder mal ein paar Stunden für mich allein. Es ist heiß, also beschließe ich, mit dem Moped an einen Fluss zu fahren. Ich nehme diesmal bewusst nichts zum Lesen mit. Ich möchte einfach die Ruhe in der Natur genießen.

Stille tut gut

Ich kenne eine Stelle, die etwas versteckt liegt und mache mich auf den Weg durch das hüfthohe Dickicht. Die Brennnesseln und anderes Dornenzeug setzen mir etwas zu, doch bald werde ich mit einem herrlichen Plätzchen an der Sonne direkt am Wasser belohnt. Vogelgezwitscher ringsum und ab und zu ein kurzes Platschen, wenn ein Fisch aus dem Wasser springt. Sonst absolute Stille. Ein weißer Reiher zieht über die Wasseroberfläche und lässt sich auf einem Ast nieder. Ich habe hier ein kleines Naturparadies entdeckt. Auf einem großen flachen Felsen breite ich meine Picknickdecke aus und lege mich hin. Ich schließe die Augen und genieße das vielstimmige Vogelkonzert. Wie unterschiedlich die einzelnen Stimmen sind – und doch passt alles wunderbar zusammen! Ich danke Gott für diese Vielfalt. Eine Vogelstimme sticht besonders heraus. Irgendwoher kenne ich sie. Da fällt es mir ein: Wir haben eine Uhr in der Küche, auf der jede Stunde eine andere Vogelstimme ertönt. Diese eine ist auch dabei. Ich denke angestrengt nach, welche es sein könnte, da taucht plötzlich ein knallgelber Vogel mit schwarzen Flügeln auf, saust über die Wasseroberfläche und verschwindet im Gebüsch. Ich bin ganz aus dem Häuschen.

Ein Pirol! Es ist das erste Mal, dass ich einen dieser seltenen Vögel zu sehen bekomme!

Begeistert summe ich ein kleines Lied.

Da taucht ein schwarzer Hund am Ufer auf, der schwanzwedelnd zu mir läuft. Sein Frauchen ruft ihn, doch er schüttelt sich erst mal kräftig und spritzt mich schön nass, bevor er zurückläuft. Vorbei ist es mit der Ruhe und dem Frieden!

Ich bin trotzdem dankbar für die ungestörte Zeit und mache mich erfrischt wieder auf den Weg nach Hause.

Nächsten Montag in Maria Langs Tagebuch: „Mama, du bist ganz schön alt!

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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