Magdalena Preineder

Magdalena Preineder "Mein Tagebuch"

30. August 2019

Auf dem Weg meiner Berufung: Eine Liebesgeschichte (Teil 1)


Ungefähr ein Monat vor meinem 22. Geburtstag schritt ich begleitet vom Pachelbel den Weg zum Altar entlang. Das Beste an meinem Einzug war nicht mein Kleid, das einem Märchen aus weiß glich, mit zwei Meter langem Schleier, nicht die vielen bestaunenden Blicke, nicht die wunderbare Streichmusik, sondern die felsenfeste Sicherheit, die ich dabei hatte diesen Schritt zu tun. Ich wusste, dass mich vor dem Altar der Mann erwartete, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen wollte und mit dem ich in einem Bund leben wollte, der von Gott gesegnet war.

Ich war mir nicht immer darüber im Klaren, dass ich eines Tages heiraten wollte.

Als ich mitten in der Pubertät war und all meine Freundinnen in Tagträumen schwelgten, die von ihrem ersten Freund sowie ihrer zukünftigen, eigenen und perfekten Familie mit Haus samt Garten und idealerweise zwei bis drei Kindern handelten, sahen meine Träumereien ganz anders aus. Einmal eine Familie zu haben konnte ich mir nicht vorstellen. Es war mir nicht einmal klar, wie ich jemals erfolgreich eine Beziehung führen sollte, denn den Erfolg ersehnte ich auf einer ganz anderen Linie: Karriere. (Ja, ich war in einer Familie mit hohem Leistungsdenken groß geworden.) Als ich meine gar materialistisch ausgerichtete Phase überwunden hatte, folgte auf ein intensives Gotteserlebnis, eine Zeit, in der ich mich berufen sah, in einen Orden einzutreten.

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Wie ein Traum mein Herz bereitete

Ich war 17 Jahre alt, als ich einen Traum hatte, der mich nicht mehr loslassen sollte. Eines Nachts träumte ich davon, wie ich mit meiner eigenen Familie auf den Weg in den Urlaub war. Meinen Mann konnte ich dabei nur von hinten sehen, doch ich hatte zwei Kinder, die ich in all ihrer Schönheit sah –  einen Säugling, den ich im Arm hielt und ein Junge von etwa vier Jahren, der mich mit solch einem durchdringenden Blick anschaute, dass ich heute noch oft daran denke.

Die Situation, die ich in meinem eben geschilderten Traum erlebt hatte, fühlte sich so real an. Dieser Traum verunsicherte mich zutiefst. Genauer gesagt war es der Blick meines Sohnes aus diesem Traum, der mich verunsicherte, denn mir war, als könnte er bis in die Tiefen meiner Seele blicken. Zu diesem Zeitpunkt war ich der felsenfesten Überzeugung, dass Gott mich in das Ordensleben berief. Was sollte dieser Traum? Als ich einer Freundin davon erzählte, meinte diese nur, dass ich ja vielleicht doch für das Familienleben berufen sei. Ich wehrte ihre Vermutung ab, doch den Blick meines Sohnes konnte ich seit diesem Traum nie wieder vergessen.

Ich betete und alles kam anders als ich erwartet hatte.

Eines Tages begann ich das Tagebuch der Sr. Faustina zu lesen und daraufhin betete ich stundenlang darum, dass Gott mir meine Berufung zeigen möge. Zu dieser Zeit bloggte ich auf Tumblr (dieser Blog existiert heute noch) und ich wollte auf einmal unbedingt ein Bild des barmherzigen Jesus auf meinem Blog haben. Tumblr besitzt eine eigene Suchmaschine, die es ermöglicht den Inhalt der Website zu durchsuchen. Diese nutzte ich, fand ein Bild, das so war, wie ich es mir vorgestellt hatte, und rebloggte es von einem anderen User. Es dauerte keine 24 Stunden bis ich von genau diesem User eine Nachricht in meiner Inbox hatte.

Gott ist nicht verlegen moderne Technik zu nutzen

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Ich kam mit diesem User ins Gespräch, bald tauschten wir Handynummern aus. Das war alles rein platonisch und in solch einem Sinne vereinbarten wir auch uns zu treffen, denn wir verstanden uns gut. Dann kam dieser folgenschwere Tag. Es war ein 30. April, an dem ich nach der Schule in den Zug stieg und nach Wien fuhr. Am dortigen Westbahnhof holte mich besagter User ab. Als wir uns jetzt zum ersten Mal gegenüberstanden, sah ich in seine Augen und mir wurde ganz mulmig zumute, denn als ich in die Augen dieses Mannes blickte, war es mir als sah ich in dieselben Augen, die mein Sohn in meinem Traum nur wenige Wochen zuvor hatte. Zur gleichen Zeit vernahm ich in meinem Innersten die Worte: „Das ist er.“

Ich weiß, dass klingt alles total verrückt, doch so sind Abenteuer mit Gott oft, oder nicht?

Von dem Moment an, wo ich die Worte vernahm, hatte ich ein mir unerklärbares Gefühl der Gewissheit, dass er es war, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen sollte. Und obwohl dieses Treffen platonisch sein sollte, entwickelte sich bei uns innerhalb weniger Tage sehr vieles. Von Anfang an war dieser Weg auf alle Fälle von Gott begleitet. So nahmen wir bei diesem ersten Treffen gemeinsam an einer heiligen Messe im Stephansdom teil und das sollte zu einer Tradition für jedes unserer Treffen beziehungsweise jedes unserer kommenden Dates werden.

Ich freue mich, Ihnen beim nächsten Mal mehr von unserem Weg zu erzählen, und warum ich mich entschied im Alter von 21 Jahren zu heiraten.



EIN ARTIKEL VON
  • Magdalena Preineder

    Gott, mein Ehemann und das Schreiben sind die drei großen Lieben meines Lebens. Wenn ich nicht gerade etwas für mein Theologiestudium erarbeite, findet man mich an der Gitarre, auf Pferderücken oder irgendwo zwischen Nonstop-Lachen und Deep-Talks führen mit Freunden. Seit kurzem blogge ich zudem auf meiner eigenen Website www.herzvoll.com.


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