Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

kindergarten-eingewöhnung - meinefamilie.at
7. Februar 2018

Als Mutter der inneren Stimme vertrauen!


„Kinder müssen weinen! Das ist normal, dann kann ich sie in den Arm nehmen und eine Beziehung aufbauen.“

„Wenn du vorher eine Beziehung aufgebaut hättest, dann müssten sie gar nicht weinen“, denke ich mir im Stillen.

Aber noch schweige ich und mache gute Miene zum bösen Spiel. Sitze wie die anderen Mütter brav in einem kahlen, schmucklosen Raum herum und gewöhne mein Kind in den Kindergarten ein. Bis jetzt hat uns die Tante ignoriert. Aufmerksamkeit bekommt nur der, der schreit, oder die Regeln nicht einhält.

Harte Kindergarteneingewöhnung nicht nur für das Kind

Eine Familiengruppe mit zwanzig Kindern, davon sind neun Zwerge (unter drei Jahre alt) neu in der Gruppe. Klar geht sich da kein kennenlernen aus. Mein Kind hat an diesen drei Vormittagen ganze drei Minuten Aufmerksamkeit bekommen, und die nur geteilt. Kein Lob, kein emphatisches Eingehen. Nein, Beobachten, Regeln einfordern ohne sie vorher erklärt zu haben, abchecken, was es kann, zur eigenen Sicherheit und ab zur nächsten Baustelle. Denn kaum hat sich ein Kind beruhigt, wird das nächste schreiende Kind hereingebracht und der Tante übergeben. Und ein Schwätzchen zwischendurch muss sich auch noch ausgehen.

Das Wohl des Kindes an oberster Stelle

Glucke ist wohl das harmloseste Bezeichnung, die ich mir in diesen drei Tagen anhören muss. Ich soll doch meine Ängste und eigenen Erinnerungen zurückstellen und an das Wohl des Kindes denken. Doch genau das mache ich ja. Ich verdränge mein Herz, mein Bauchgefühl und mein Hirn, die alle drei laut NEIN schreien und denke brav: „Mein Kind ist ein anderer Mensch als ich, es fühlt sich wohl, es lebt förmlich auf, also bleiben wir.“ In Wirklichkeit ist es lediglich am neuen Spielzeug und am großen Garten interessiert.

Am vierten Tag hätte ich mein Kind zum ersten Mal alleine dort lassen sollen. Ein Kind, das normalerweise sehr selbstständig ist und nie weint, weil es weiß, dass es sich auf mich verlassen kann. Doch genau dieses Kind klammert plötzlich. Kein Wunder, es hat außer mir ja keine Bezugsperson. In den letzten drei Tagen haben wir genau fünf Betreuerinnen erlebt, welche allerdings wann ihren Dienst hat, habe noch nicht einmal ich verstanden.

Trostspender für Mama

Doch spätestens als mir mein Kind sein liebstes Kuscheltier in die Hand drückt, als mir haltlos die Tränen über die Wangen laufen, ist meine Schmerzgrenze erreicht. Es kann doch nicht die Aufgabe meines Kindes zu sein, mich zu trösten, es sollte doch meine Aufgabe sein, es zu schützen, oder?

Dieses Erlebnis ist mein persönlicher Wendepunkt.

Ich fasse meinen ganzen Mut zusammen, ignoriere all die „guten Ratschläge“ und pädagogische Erklärungen, die alle einhellig der Meinung sind, ich solle es noch ein paar Tage versuchen und melde meinen Sohn vom Kindergarten ab.
Ich habe ein ganzes Kinderleben lang gebraucht, um meinem Kind die Sicherheit zu geben, dass ich immer da bin, wenn es nach Hause kommt, es immer abhole und einfach für es da sein werde. Es hat zwei Babysitter und noch nie geweint, wenn ich weggehe. Mein Kind hat ein verdammt gutes Vertrauen ins Leben mitbekommen. Nur ich anscheinend nicht.

Change: Ich denke es ist endlich an der Zeit auch mir selbst und meiner inneren Stimme zu vertrauen und auf mein Bauchgefühl zu hören.

Aufgabe: Zu sich stehen und das vertreten was man selbst für richtig hält, auch wenn man damit gegen den Rest der Welt alleine dasteht!

Anmerkung: 3 Monate später fanden wir einen wunderbaren Platz in einer privaten Krippe, in der wir sehr glücklich waren.

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EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Als Sozialarbeiterin spezialisierte ich mich auf die Betreuung von schwerstbehinderten Kindern. Als Ausgleich unterrichtete ich Kinderturnen. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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1 Kommentare
  • Julia Enichlmair, 9. Februar 2018, 17:53 Antworten

    Mein Grosser war sehr gerne in der Krabbelstube, hat nie geweint und ist gerne dort gewesen. Dann wurde er drei und durfte in den "grossen" Kindergarten... Es war für ihn von Anfang an die Hölle, er fing an zu stottern und brauchte wieder Windeln. Entgegen aller "guten" Ratschläge habe ich ohn abgemeldet und bin zum nächsten Kindergarten gefahren. Er ist rein und wollte nicht mehr nach Hause. Nach einer Woche war das stottern und die Windel weg. Jetzt ist er fast 6 und kommt bald in die Schule und ist in "seinem" Kindergarten noch immer glücklich. und obwohl mir gesagt wurde wenn ich in aus dem ersten Kindergarten wieder rausnehme lernt er nie Konflikte selnst zu lösen, ist er heute ein freundliches umgängliches Kind mit vielen Freunden!

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