Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

aktives spielen statt passiver berieselung - meinefamilie.at
16. Januar 2018

Aktives Spielen statt passiver Berieselung!


Nach der Ansicht eines Historienfilmes stimmen mich vor allem die Unterschiede in der Kindererziehung nachdenklich. Denn während „damals“ 4-16 Kinder „nebenherliefen“, von den Eltern getrennt von Kindermädchen erzogen wurden oder sich selbst beschäftigen mussten, bekommen heutzutage 1-2 Kinder die volle Aufmerksamkeit der Bezugspersonen.

In Kindergarten und Schule werden die Kinder ständig beschäftigt, Medien und Kultur unterhalten zusätzlich. Kaum zu Hause tritt dann die völlige Langweile an.

Unser Sohn weiß nichts mit sich selbst anzufangen und der Satz „Und was machen wir jetzt“, nach zwei Stunden intensiver Bastelei lässt meinen Mann und mich mittlerweile nur mehr aufstöhnen. Richtig verärgert werde ich jedoch bei seinem neuen Lieblingssatz „Du musst mit mir spielen!“.
Zu Weihnachten bin ich erstaunt darüber, dass meinem Sohn die Tiptoi Spiele – welche ich liebe – nicht so vom Hocker hauen wie erwartet, und er lieber eigene Variationen mit dem Spielebrett ohne Tiptoi Stift entwickelt und begeistert spielt.

Doch einige Tage später wird mir einiges klar. Wir haben unseren Sohn nicht dazu erzogen sich passiv berieseln zu lassen oder lediglich den Anweisungen eines Stiftes zu folgen. Das langweilt ihn!

Als uns eine Nachbarin gebrauchtes, aber gutes Playmobil schenkt, wird mir bewusst, dass wir wenige Spielsachen besitzen, die vorgegeben sind und wenig Raum für eigene Kreativität lassen. Und wenn wir uns doch eine Musik- oder Theateraufführung gönnen, müssen wir zuhause alles nachspielen.

Aktives Spielen vorleben

Der Großteil unserer Tätigkeiten liegt darin aktiv zu sein, zu malen, zu basteln, mit Plastilin zu spielen oder aus Holz- oder Naturmaterialien selber Spielsachen zusammen zu bauen. Unser neuestes Lieblingsspiel geht so. Jeder von uns erhält die gleichen Legosteine und muss dann selbst – ohne Anleitung – etwas daraus bauen. Daraus entstehen die witzigsten Gefährte, besonders schwierig natürlich mit kleinen und auf den ersten Blick nicht gleich zusammenpassenden Steinen.

Kinder als Spiegel unserer selbst

Das was wir bei unserem Sohn als anstrengend empfinden leben wir ihm als Vorbild vor. Als selbstständiger Tischler und Sesselflechter lebt mein Mann von Handarbeit. Seine Hobbys sind Aquarell- und Acrylmalen sowie Tischtennis spielen. Nach häkeln und stricken habe ich wieder begonnen zu nähen, während ich früher intensiv getanzt und selber Kinderturnstunden unterrichtet habe.

So gesehen kann ich alleine durch das Verständnis unserer Lebensweise und unserer Werte die Forderungen unseres Sohnes wieder leichter annehmen. Und auch nach den anstrengendsten Weihnachtsferien beginnt wieder der Kindergarten!

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EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Als Sozialarbeiterin spezialisierte ich mich auf die Betreuung von schwerstbehinderten Kindern. Als Ausgleich unterrichtete ich Kinderturnen. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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