Caroline Avendano

Caroline Avendano "Mein Tagebuch"

adoption: wie es mir damit geht und was ich gerne weitergeben würde
12. März 2020

Adoption: Wie es mir damit geht und was ich gerne weitergeben würde


Hallo, meine Lieben, heute möchte ich euch ein sehr persönliches Thema näherbringen und – zwar Adoption. Wie es ist, nicht im Bauch von meiner „Mama“ gewesen zu sein. Kann da überhaupt eine enge Beziehung entstehen? Sollte man ehrlich sein oder ein großes Geheimnis draus machen? Ich möchte euch in den nächsten Zeilen darüber erzählen, welche Erfahrungen ich machen durfte.

Vorweg: Die Beziehung zu meiner „Adoptivmama“ eigentlich Mama, könnte nicht intensiver sein. Sie ist meine beste Freundin, Beraterin und mein größtes Vorbild. Ich glaube, diese enge Bindung zwischen Mutter und Kind kann auch durch ganz viel Liebe entstehen und ist nicht ausschließlich genetisch bedingt, keiner würde daran denken, dass ich adoptiert bin, weil ich ihr sehr ähnlich sehe und auch viel von ihr habe.

Ich wurde mit ein paar Monaten adoptiert, der damalige Freund meiner leiblichen Mutter brach mir den Fuß und danach auch noch den Arm.

Ihr seht, kein besonders toller Start in die Welt, aber wäre das alles nicht passiert, würde ich sicher nicht das Leben führen, das ich jetzt habe.

Alle gleich und eine Familie

Meine Eltern haben mir nie das Gefühl gegeben, dass ich weniger wert oder anders bin, weil ich adoptiert bin. Eher im Gegenteil, als das Küken der Familie hatte ich mehr Narrenfreiheit als alle anderen vor mir. Ich wuchs mit meinen drei Geschwistern auf, meine zwei Brüder sind die leiblichen Kinder meiner Eltern und meine Schwester war auch adoptiert.

Es war eine wunderschöne Kindheit, wir stritten natürlich auch, aber rauften uns auch jedes Mal wieder zusammen. Von Ski fahren mit Papa (auch wenn ich auf jeder Piste eine sehr erbärmliche Figur mache) bis hin zum Verkleiden, Reiten, Picknicken und Fischen war alles dabei.

Die Wahrheit ist wichtig, auch wenn sie wehtut, weil es hilft zu heilen

Kinder fragen irgendwann „Mama, wie war es in deinem Bauch?“

Da möchte ich euch bitten, sagt von Anfang an die Wahrheit. Kinder verstehen das viel besser, als wenn sie als Teenager zufällig draufkommen. Klar, man malt sich dann die wildesten Geschichten aus, aber als Kind ist es einfacher, es anzunehmen. Ich habe sehr spät erfahren, wer mein Vater ist, und hab mir immer wieder vorgestellt, wie er ist.

Was er sagen wird, sollte er mich einmal kennenlernen, und dass er begeistert sein wird, ein Kind zu haben.

Tja, die Wahrheit ist: Er wollte nicht mich und war nicht besonders an mir interessiert, er wollte Geld und war zu sehr mit sich selbst beschäftigt um mich richtig kennenzulernen.

Trotzdem bin ich froh, ihn persönlich getroffen zu haben, um zu wissen, woher ich komme, auch wenn ich nicht so werden möchte. Was mich freut, ist, dass ich entdeckt habe, auch Sinti und Roma zu meinen Vorfahren zählen zu dürfen, darauf bin ich stolz.

Vergebung und Achtung machen frei

Hätte mir als Teenager jemand diesen Satz gesagt (okay, hat meine Mutter sehr oft), wäre ich sauer geworden. Wie kann ich jemandem verzeihen, der mich teilweise vergisst – damit meine ich meine leibliche Mutter – und dann mit mir Geschenke kaufen will. Die sagt, ich sollte doch, sobald ich alt genug bin, von meinen Adoptiveltern weggehen und zu ihr ziehen. Auch wenn euch an euren leiblichen Eltern vieles gegen den Strich geht, vergesst nie, dank ihnen lebt ihr.

Sie haben die Schwangerschaft und die Geburt mit euch gemeistert und wer Kinder hat, weiß, dass dies kein Zuckerschlecken ist. Also seid gnädig und erweist ihnen diese Achtung. Ich habe inzwischen ein recht gutes Verhältnis zu meiner leiblichen Mutter und besuche sie regelmäßig.



EIN ARTIKEL VON
  • Caroline Avendano

    Ich bin 27 Jahre alt, verheiratet und habe drei Töchter: Saphira (Autistin, fast 4 Jahre alt), Melissa Katherina (8 Monate) und Bauchzwerg Esmeralda Maria kommt im November. Ich bin diplomierte Fachsozialbetreuerin mit Schwerpunkt Behindertenarbeit. Wenn ich nicht in Karenz bin, arbeite ich bei der Lebenshilfe Salzburg. Lesen war schon immer meine große Leidenschaft, und darum bin ich auch dann aufs Schreiben gekommen.


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