Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

Von Urli-Oma Abschied nehmen - meinefamilie.at
18. April 2016

Von Urli-Omi Abschied nehmen


Vor kurzem ist meine Oma gestorben und da haben wir natürlich auch mit den Kindern viel über den Tod geredet. Es kam nicht unerwartet, sie war schon 95 und gesundheitlich sehr bedient. Wir haben damit gerechnet, dass es bald so weit sein würde. Und doch traf mich ihr Tod stärker, als ich erwartet hatte.

Ich hatte als Kind eine sehr enge Beziehung zu ihr und bin ihr für vieles dankbar. Ihr Tod hinterlässt wirklich eine Lücke in meinem Leben. Unsere Kinder mochten ihre Urli-Omi, wie sie sie nannten, auch sehr, auch wenn sie sie nicht sehr oft sahen. Die letzten Jahre war sie schon sehr verwirrt und wusste meist nicht mehr, wie viele Urenkerl sie nun eigentlich hatte. Ihre Demenz war schon ein erster Schritt des Abschiednehmens.

Urli-Omi noch einmal sehen?

Wegen der Abschiedsfeier haben wir kurz überlegt, ob wir die Kinder zur bei uns üblichen Betstunde am Vorabend mitnehmen sollten. Wir beschlossen dann, dass ich allein fahren würde und wir am nächsten Tag als ganze Familie am Begräbnis teilnehmen wollten. Ich hatte das Bedürfnis, Oma noch einmal zu sehen und hatte mit dem Bestatter einen Termin ausgemacht, um mich am offenen Sarg von ihr zu verabschieden. Es war eine sehr besondere letzte Begegnung. Ich empfand einen tiefen Frieden dabei, als ich sie leblos im Sarg liegen sah. Ich hatte ihr zu Lebzeiten alles gesagt, was ich ihr sagen wollte und deshalb war der Abschied zwar schmerzhaft, aber nicht schwierig.

Eigentlich, dachte ich, wäre es auch für die Kinder ok gewesen, dabei zu sein. Sie fragten nämlich am nächsten Tag einige Male, ob sie die Urli-Omi denn noch einmal sehen könnten. Ich verstehe das gut. Ich bin ein Mensch, der etwas sehen muss, um es zu begreifen.

Auch wenn der Anblick eines Toten für manche schwer zu ertragen ist, denke ich doch, dass Kinder gut damit umgehen können.

Sie haben da noch einen natürlicheren Zugang als wir Erwachsenen. Wenn also nächstes  Mal jemand aus der Großfamilie stirbt, möchte ich es ihnen ermöglichen, wenn sie es wollen.

„Im Himmel sind wir alle jung“

Von Urli-Oma Abschied nehmen - meinefamilie.atSara hat in ihrer entzückenden Art gleich sieben Zeichnungen für die Urli-Omi gemalt, die sie ihr ins Grab warf. Eine davon habe ich davor eingescannt. Sie zeigt drei fliegende Personen, in der Mitte die Urli-Omi. Sie haben alle Flügel und sehen jung aus, denn „im Himmel sind wir alle jung“, wie Sara meint. Vielleicht hat sie sich das vom Film „Den Himmel gibt’s echt“ gemerkt, den wir vor einiger Zeit gemeinsam angesehen haben. Sehr zu empfehlen zu dieser Thematik!

 

 

 

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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